Dein Baby kommt mit feinen Härchen auf Schultern, Rücken oder Stirn zur Welt, und du fragst dich, ob das so bleibt. Die wichtigste Antwort vorab: das ist Lanugo, eine völlig normale fötale Behaarung, die in den ersten Lebenswochen von selbst verschwindet.
Lanugo bildet sich ab Woche 14 und bedeckt den fötalen Körper fast komplett. Zwischen Woche 32 und 36 wird sie ins Fruchtwasser abgestoßen. Bei Reifgeburten sind meist nur Reste sichtbar, bei Frühgeborenen ist die Behaarung deutlich ausgeprägter.
Was du jetzt bei diesem Thema tun kannst
Drei Dinge sind wichtig, damit du Lanugo richtig einordnest und nicht unnötig behandelst.
1. Nicht entfernen oder behandeln
Reibung durch Kleidung und Bewegung im Babyschlaf reichen aus, um die Härchen schonend zu lösen. Keine Cremes, keine Rasur, kein Wegrubbeln. Auch Babyöl oder Pflegeprodukte sind unnötig.
2. Bei Frühgeborenen extra Geduld
Frühgeborene haben mehr Lanugo, weil die Abstoßungsphase noch nicht abgeschlossen war. Das ist physiologisch normal und kein Hinweis auf ein Problem. Es kann etwas länger dauern, oft 2-3 Monate statt 4-6 Wochen.
3. Bei sehr ausgeprägter Behaarung über 3. Lebensmonat hinaus mit Kinderärztin sprechen
In den meisten Fällen verschwindet Lanugo bis zum 3. Lebensmonat vollständig. Bei länger anhaltender Behaarung kann ein Gespräch sinnvoll sein. Konkrete Beobachtungen, die du mitnehmen kannst:
- Wo sind die Härchen lokalisiert (Schultern, Rücken, Gesicht)?
- Wie hat sich die Menge in den letzten Wochen verändert?
- Wachsen die Härchen schneller wieder nach, wenn sie sich gelöst haben?
- Gibt es weitere Auffälligkeiten der Haut oder Entwicklung?
- Familienanamnese: ähnliche Behaarung bei Eltern oder Geschwistern?
Was ist Lanugo und wann entsteht es?
Lanugo bildet sich ab etwa der 14. Schwangerschaftswoche auf der fötalen Haut und bedeckt fast den gesamten Körper, mit Ausnahme von Handinnenflächen, Fußsohlen und Lippen. Die Behaarung entsteht aus der Keimschicht der Epidermis und wird von den ersten angelegten Haarfollikeln gebildet.
Ab etwa der 32. bis 36. Schwangerschaftswoche beginnt die Lanugo-Behaarung, ins Fruchtwasser abgestoßen zu werden. Sie wird überwiegend durch das Vernix caseosa (Käseschmiere) und später durch feinere Velushaare ersetzt. Bei reif geborenen Kindern ist meist nur noch ein Rest auf Schultern, Rücken oder Ohren sichtbar.
Lanugo, Velushaare und Terminalhaare
Die Lanugo-Behaarung ist terminologisch von zwei anderen Haartypen abzugrenzen, die im weiteren Leben relevant werden.
| Haartyp | Wann | Charakter |
|---|---|---|
| Lanugo | SSW 14 bis erste Lebenswochen | Sehr fein, pigmentarm, fötal |
| Velushaare | Säugling und Kleinkind | Fein, unpigmentiert, postnatal |
| Terminalhaare | Ab Geburt (Kopf), ab Pubertät (Körper) | Kräftig, pigmentiert |
Außerhalb des fötalen Kontexts wird der Begriff Lanugo in der Medizin auch bei stark unterernährten Personen verwendet, etwa im Kontext von Anorexia nervosa, als beschreibender Terminus für eine reaktive Feinbehaarung. Im populären Sprachgebrauch erscheint gelegentlich der Begriff Flaumhaar, der jedoch nicht deckungsgleich mit Lanugo ist.
Bei reifen Neugeborenen sind nach der Geburt meist nur Reste auf Schultern, Stirn oder Ohren zu sehen, die in den ersten Lebenswochen vollständig verschwinden. Bei Frühgeborenen ist die Behaarung häufig noch deutlich ausgeprägt.
Sadler, Langmans Medizinische Embryologie, 13. Auflage
Lanugo bei Frühgeborenen und reifen Neugeborenen
Bei Frühgeborenen, die vor der 36. Schwangerschaftswoche zur Welt kommen, ist Lanugo-Behaarung häufig noch deutlich sichtbar, vor allem auf Schultern, Rücken und Stirn. Das ist physiologisch und kein Anlass zur Sorge. Die feinen Härchen fallen in den ersten Lebenswochen von selbst aus und werden durch Velushaare ersetzt.
Reife Neugeborene zeigen meist nur noch Reste an den Ohren oder im Schulter-Nacken-Bereich. Diese verschwinden meist innerhalb von 2-6 Wochen ohne aktive Behandlung. Hebammen weisen bei den U-Untersuchungen U2 oder U3 routinemäßig auf den natürlichen Verlauf hin.
Die 5 häufigsten Fehler rund um Lanugo
Im Beratungsalltag tauchen immer wieder dieselben Stolpersteine auf. Diese fünf Fehler kannst du leicht vermeiden, wenn du sie kennst.
- Mit Cremes oder Babyöl gegen Lanugo arbeiten. Unnötig und kontraproduktiv. Die Härchen lösen sich von allein durch Kleidungsreibung und Bewegung.
- Frühgeborenen-Lanugo als Auffälligkeit sehen. Bei Geburt vor Woche 36 ist deutliches Lanugo völlig normal. Es verschwindet etwas langsamer, aber zuverlässig.
- Versuchen, Lanugo abzurasieren oder abzuwaschen. Beides reizt die empfindliche Babyhaut und bringt nichts. Die Härchen sind nicht klebend, sie fallen mit der Zeit von selbst.
- Bei Resten auf den Ohren panisch werden. Manche Babys behalten an den Ohrläppchen oder am Hals länger sichtbare Härchen. Auch das ist physiologisch und kein Hinweis auf Hormonprobleme.
- Lanugo mit Velushaaren oder Terminalhaaren verwechseln. Lanugo ist eine Übergangsphase. Was nach 3-6 Monaten noch sichtbar ist, sind meist schon Velushaare oder einzelne Terminalhaare, kein anhaltendes Lanugo.
Häufige Fragen zu diesem Thema
Die Fragen, die zu diesem Thema am häufigsten gestellt werden.
Die feine Lanugo-Behaarung bildet sich ab etwa der 14. Schwangerschaftswoche auf der fötalen Haut. In der zweiten Schwangerschaftshälfte bedeckt sie fast den gesamten Körper, mit Ausnahme von Handinnenflächen, Fußsohlen und Lippen.
Zwischen SSW 32 und 36 wird der Großteil der Lanugo-Haare in das Fruchtwasser abgestoßen. Bei reif geborenen Kindern sind nach der Geburt meist nur noch Reste an Schultern, Stirn oder Ohren sichtbar, die sich in den ersten Lebenswochen vollständig verlieren.
Bei Geburten vor der 36. SSW konnte der natürliche Abfall der Lanugo-Haare noch nicht stattfinden. Die Behaarung ist auf Schultern, Rücken und Stirn deshalb häufig deutlich sichtbar. Sie verschwindet nach der Geburt von selbst, eine Behandlung ist nicht nötig.
Lanugo hilft, die Käseschmiere (Vernix caseosa) auf der fötalen Haut zu halten und unterstützt die Wärmeregulation, bevor das Unterhautfettgewebe vollständig ausgebildet ist. Beide Strukturen wirken im letzten Schwangerschaftsdrittel zusammen.
Nein. Reibung durch Kleidung und Bewegung im Babyschlaf lösen die Härchen schonend. Bei sehr ausgeprägter Behaarung über den dritten Lebensmonat hinaus lohnt sich ein Gespräch mit der Kinderärztin, ein medizinisches Problem ist es in der Regel nicht.
Lanugo ist die fötale Phase, Velushaare sind die postnatalen Feinhaare beim Säugling und Kleinkind. Beide sind unpigmentiert und sehr fein, Lanugo verschwindet aber innerhalb der ersten Lebenswochen, während Velushaare bleiben.
Stand: Juni 2026. Wir aktualisieren diesen Artikel regelmäßig.




