Die Vorsorgeuntersuchungen im Überblick
Die gesetzliche Krankenversicherung übernimmt in Deutschland eine Reihe von Vorsorgeuntersuchungen während der Schwangerschaft, geregelt durch die deutschen Mutterschaftsrichtlinien. Statt einer festen Zahl definieren sie Untersuchungsintervalle: bis SSW 32 etwa alle vier Wochen, danach alle zwei Wochen, plus zusätzliche Termine bei medizinischer Indikation. In der Praxis kommen so bei einer unkomplizierten Schwangerschaft rund zehn Termine zustande, dokumentiert im Mutterpass.
Zu den Basisinhalten der Vorsorge gehören Blutdruck, Gewicht, Urinprobe sowie ab dem zweiten Trimester die Kontrolle der kindlichen Herztöne. Zusätzlich sind drei Ultraschall-Basisuntersuchungen Bestandteil der Regelversorgung, mit folgenden Zeitfenstern: SSW 8+0 bis 11+6, SSW 18+0 bis 21+6 und SSW 28+0 bis 31+6.
Im Verlauf werden außerdem Blutuntersuchungen auf Blutgruppe und Antikörper, Lues und Hepatitis B gemacht. Der Hepatitis-B-Test ist verpflichtend, wenn keine Immunität dokumentiert ist.
Eine Röteln-Serologie ist nicht bei jeder Frau nötig: bei dokumentiert zweimaliger Impfung oder bekannter Immunität entfällt sie. Manche Untersuchungen haben enge Zeitfenster und können nicht nachträglich erhoben werden, etwa das Ersttrimester-Screening oder die Nackenfaltenmessung. Unser Termin-Planer berechnet alle Termine automatisch auf Basis deines Geburtstermins und gibt dir für jeden Termin das konkrete Datumsfenster an.
Erst-Trimester-Screening (SSW 11+0 bis 13+6)
Das Erst-Trimester-Screening (ETS) findet idealerweise in SSW 12 oder SSW 13 statt und kombiniert Ultraschall mit einem Bluttest. Es ist eine IGeL-Leistung und damit in der Regel selbst zu zahlen.
Die genauen Kosten variieren je nach Praxis und Region; prüfe das vorab bei deiner Krankenkasse oder beim IGeL-Monitor. Gemessen wird die Nackenfaltendicke (NT) des Kindes, dazu kommen die Blutmarker PAPP-A und hCG. Daraus lässt sich das Risiko für Chromosomenveränderungen wie Trisomie 21 (Down-Syndrom) statistisch einschätzen.
Ergänzend kann ein NIPT (nicht-invasiver Pränataltest) aus dem mütterlichen Blut bestimmte Chromosomenstörungen mit hoher Aussagekraft einschätzen. Wichtig: NIPT liefert eine Risikoeinschätzung, keinen diagnostischen Beweis. Bei auffälligem Befund folgt meist eine invasive Untersuchung wie Chorionzottenbiopsie oder Amniozentese. Seit 2022 übernimmt die GKV den NIPT auf Trisomie 21, 18 und 13 als Kassenleistung, allerdings nur nach individueller ärztlicher Beratung. Das Alter der Schwangeren allein ist keine automatische Indikation, sondern eine von mehreren Risiko-Faktoren, die im Beratungsgespräch geprüft werden.
Zum selben Termin wird im Ultraschall die Scheitel-Steiß-Länge (SSL) gemessen, die den errechneten Geburtstermin gegebenenfalls korrigiert. Bei größerer Abweichung zwischen Ultraschall-ET und Naegele-Termin kann der Geburtstermin auf Basis des Ultraschalls korrigiert und im Mutterpass dokumentiert werden.
Zweiter Basis-Ultraschall (SSW 18+0 bis 21+6)
Der zweite Basis-Ultraschall findet in SSW 18+0 bis 21+6 statt und ist Kassenleistung. Es gibt zwei Varianten zur Wahl: die Basis-Ultraschalluntersuchung (orientierende Beurteilung von Lage, Fruchtwasser, Plazenta und kindlichen Maßen) oder die erweiterte Basis-Ultraschalluntersuchung mit systematischer Beurteilung weiterer kindlicher Strukturen.
Die erweiterte Variante darf nur von Ärztinnen und Ärzten mit entsprechendem Befähigungsnachweis durchgeführt werden und ist ebenfalls Kassenleistung. Davon zu unterscheiden ist die spezialisierte Feindiagnostik (Organscreening) in pränataldiagnostischen Zentren. Sie wird bei Auffälligkeiten oder erhöhtem Risiko veranlasst und ist eine eigenständige, deutlich detailliertere Untersuchung; sie gehört nicht zur Routine-Versorgung für alle.
Gleichzeitig kann beim zweiten Trimester-Termin die Zervixlänge gemessen werden, um das Risiko einer Frühgeburt einzuschätzen. Ohne medizinische Indikation ist diese Messung in der Regel eine IGeL-Leistung; bei klinischer Indikation kann sie Kassenleistung sein.
CTG und Doppler: indikationsabhängig
Das CTG (Kardiotokografie) zeichnet gleichzeitig die Herzfrequenz des Kindes und die Wehentätigkeit der Mutter auf. Bei einer unkomplizierten Schwangerschaft ist CTG kein automatischer Bestandteil jeder Vorsorge, sondern wird ab dem dritten Trimester oder bei konkreter Indikation eingesetzt, etwa bei Auffälligkeiten oder Übertragung.
Ebenso gilt für den Doppler-Ultraschall: Er misst die Blutflussgeschwindigkeit in der Nabelschnur und den kindlichen Gefäßen und kann auf eine Plazenta-Insuffizienz hinweisen. Er ist indikationsabhängig. Bei einer Risikoschwangerschaft kann die Ärztin CTG und Doppler engmaschig anordnen und über die Kasse abrechnen.
In SSW 28+0 bis 31+6 findet der dritte Basis-Ultraschall statt. Beurteilt werden Lage, Wachstum und Fruchtwassermenge des Kindes.
Ab etwa SSW 36 prüft die Ärztin oder Hebamme zusätzlich die Kindslage, weil eine Beckenendlage eine andere Geburtsplanung erfordert. Das gehört zur klinischen Routine, ist aber kein eigener Pflichttermin.
Zusätzlich kann ein GBS-Abstrich (Gruppe-B-Streptokokken) in SSW 35+0 bis 37+0 empfohlen werden. Ob er von der Kasse übernommen wird, hängt von Krankenkasse und individueller Indikation ab; in vielen Fällen ist er eine IGeL-Leistung.
Trägerinnen erhalten unter der Geburt prophylaktisch Antibiotika, um eine Übertragung auf das Neugeborene zu verhindern.
Zusatzuntersuchungen: was die Kasse zahlt, was nicht
Nicht alle empfohlenen Untersuchungen sind Kassenleistungen. Als IGeL-Leistungen werden unter anderem angeboten:
- Erst-Trimester-Screening (ETS) mit Nackenfalte und Blutmarkern
- NIPT (seit 2022 in bestimmten Situationen nach Beratung Kassenleistung; keine Routineuntersuchung)
- GBS-Abstrich (je nach Krankenkasse, oft IGeL)
- Zervixlängenmessung auf Frühgeburtsrisiko (ohne Indikation meist IGeL)
- Toxoplasmose-Screening (besonders relevant bei Katzenkontakt oder rohem Fleisch)
Die konkreten Preise variieren je nach Praxis und Region. Eine unabhängige Übersicht mit Nutzen-Bewertung bietet der IGeL-Monitor, getragen vom Medizinischen Dienst Bund.
Das 3D/4D-Ultraschall-Babyfernsehen ohne medizinische Indikation ist in Deutschland seit der NiSV (Verordnung zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung) 2021 nicht mehr zulässig. Medizinisch indizierte 3D/4D-Aufnahmen bleiben erlaubt, wenn sie zur Diagnostik beitragen.
Die drei Basis-Ultraschalluntersuchungen (SSW 8+0-11+6, SSW 18+0-21+6, SSW 28+0-31+6) sind reguläre Kassenleistungen. Vor einer IGeL-Untersuchung gilt für die behandelnde Praxis das Patientenrechtegesetz und die berufsrechtliche Aufklärungspflicht: Du musst vorab schriftlich über Kosten und Nutzen aufgeklärt werden und eine schriftliche Vereinbarung unterzeichnen. Du hast immer das Recht, eine IGeL abzulehnen, ohne dass das die Regelversorgung beeinflusst.
Für finanzielle Planung lohnt sich außerdem ein Blick auf den Elterngeld-Rechner und den Mutterschutz-Rechner.
Hebammenvorsorge als Alternative
Viele Vorsorgeuntersuchungen können auch von einer freiberuflichen Hebamme durchgeführt werden, etwa Blutdruck, Gewicht, Urintest, Herztonkontrolle und Beratung. Das kann eine entspanntere Alternative sein, wenn Gynäkologen-Termine schwer zu bekommen sind oder du eine kontinuierliche Begleitung suchst.
Hebammen dürfen die Basisleistungen der Mutterschaftsrichtlinien anbieten und direkt mit der Krankenkasse abrechnen; Ultraschall und bestimmte ärztliche Laborleistungen (etwa genetische Tests) bleiben Ärztinnen und Ärzten vorbehalten. Ein weiterer Vorteil der Hebammenvorsorge: die Termine dauern in der Regel länger und bieten mehr Raum für Fragen als ein typischer Praxisbesuch.
Wenn du noch keine Hebamme hast, solltest du spätestens in SSW 12 aktiv suchen, weil die Kapazitäten oft sehr früh ausgebucht sind. Aktuelle Daten zur Versorgungslage liefert der Deutsche Hebammenverband. Hebammen begleiten dich neben der Vorsorge auch bei der Geburt und in der Wochenbettzeit.
Vorsorge bei Risikoschwangerschaft
Bei einer Risikoschwangerschaft gelten die regulären Termine als Mindestrahmen. Die Ärztin kann zusätzliche Termine anordnen und über die Kasse abrechnen. Als Risikoschwangerschaft gelten unter anderem:
- Alter der Mutter unter 18 oder über 35 Jahren
- Vorherige Fehlgeburten oder Frühgeburten
- Mehrlingsschwangerschaft
- Chronische Erkrankungen (z.B. Gestationsdiabetes, Hypertonie, Autoimmunerkrankungen)
- Auffälligkeiten in der Plazenta oder beim kindlichen Wachstum
Bei Risikoschwangerschaften kann die Ärztin CTG-Kontrollen und Doppler-Messungen engmaschig anordnen, und diese werden von der Kasse übernommen. Zusätzlich kann eine stationäre Überwachung nötig werden, wenn Frühgeburtlichkeit droht. Der Termin-Planer zeigt die Standard-Abstände; bei individuellen Risiken haben die Empfehlungen deiner Ärztin oder Hebamme immer Vorrang.
Termine nicht vergessen: praktische Tipps
Zehn oder mehr Termine über 40 Wochen zu koordinieren ist eine logistische Herausforderung, besonders wenn du berufstätig bist. Diese Strategien helfen:
- Alle Termine auf einmal buchen. Viele Praxen vergeben Schwangeren-Slots weit im Voraus. Ruf in SSW 10 an und bitte um alle Folgetermine auf einen Schlag.
- Termin-Kalender exportieren. Unser Planer bietet einen ICS-Download, den du direkt in Google Kalender oder Apple Calendar importieren kannst.
- Arbeitgeber frühzeitig informieren. Vorsorgeuntersuchungen sind nach MuSchG §7 bezahlte Freistellungsgründe. Dein Arbeitgeber muss dich für die Dauer der Untersuchung freistellen und darf weder Nacharbeit verlangen noch das Gehalt kürzen; auch notwendige Wegezeiten gelten nach gefestigter Rechtsprechung als Bestandteil der Freistellung.
- Zweiten Slot einplanen. Manche Untersuchungen müssen gelegentlich wiederholt werden, etwa wenn das Kind beim zweiten Basis-Ultraschall in ungünstiger Lage liegt. Halte das gesamte SSW-Fenster offen.
- Befunde dokumentieren. Trage alle Ergebnisse in deinen Mutterpass ein und habe ihn zu jedem Termin dabei. Auch in Notaufnahmen ist er das wichtigste Dokument.
- Baby-Entwicklung verfolgen. Mit unserem Baby-Größen-Rechner kannst du zwischen den Terminen einschätzen, wie groß und schwer dein Kind aktuell sein sollte.
Ab SSW 36 empfiehlt es sich, die Kliniktasche zu packen und die Geburt konkret vorzubereiten. Plane auch, wann du deinem Arbeitgeber offiziell Bescheid gibst und wie du die Mutterschutz-Fristen koordinierst. Unser SSW-Rechner zeigt dir jederzeit, in welcher Schwangerschaftswoche du dich befindest.
Hinweis: Dieser Planer zeigt die Termine nach den aktuellen Mutterschaftsrichtlinien. Welche Untersuchungen tatsächlich anstehen, hängt vom Schwangerschaftsverlauf ab. Frag deine Praxis oder Hebamme bei Unsicherheiten.