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Vorzeitige Wehen: Wann zur Klinik, wann abwarten

Vorzeitige Wehen vor Woche 37 erkennen, von Übungswehen unterscheiden, wann zur Klinik. Aktion-First Anleitung mit Wehen-Tagebuch, CTG, fFN-Test und DGGG-konformer Schonungs-Beratung.

Mamenza-Redaktion
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Inhaltlich abgeglichen mitregister.awmf.org·DGGG·nice.org.uk·RKI·frauenaerzte
Vorzeitige Wehen: Wann zum Arzt

Du sitzt auf der Couch, Woche 30, und merkst ein Ziehen im Bauch. Schon wieder. Das vierte Mal in der letzten Stunde. Ist das normal, oder Frühwehen?

Schnelle Antwort: Bis zu 20 Übungswehen pro Tag sind normal ab Woche 20. Werden sie regelmäßig (alle 10 Minuten oder häufiger), schmerzhaft oder kommen mehr als 4 pro Stunde, ist das ein Warnzeichen. Dann ruf deine Hebamme oder die Klinik an, nicht erst morgen.

Was du jetzt tun kannst

Drei Schritte, in dieser Reihenfolge. Keine davon ersetzt eine Hebammen- oder Klinik-Einschätzung, aber sie helfen dir, die Lage richtig einzuschätzen.

1. Wehen zählen, 60 Minuten lang

Setz dich hin, trink ein Glas Wasser, leg eine Hand auf den Bauch. Notiere jede Verhärtung mit Uhrzeit. Wenn nach einer Stunde weniger als 4 Wehen kommen und sie unregelmäßig sind, sind das wahrscheinlich Übungswehen.

Linke Seitenlage entlastet die Vena cava und verbessert die Durchblutung der Plazenta. Viele Übungswehen verschwinden binnen 30 Minuten. Bleiben sie regelmäßig, geh zu Schritt 3.

3. Hebamme oder Klinik anrufen

Beleghebamme zuerst, sie kennt deine Schwangerschaft. Erreichst du sie nicht, ruf die Geburtsklinik direkt an. Sag: "Ich habe seit X Stunden regelmäßige Wehen, alle Y Minuten." Die Klinik entscheidet, ob du kommen sollst.

Übungswehen, Senkwehen oder Frühwehen?

Die drei werden im Alltag oft verwechselt. Hier die Unterschiede, mit denen Hebammen arbeiten:

Wehen-TypWannCharakterAktion
Übungswehen (Braxton-Hicks)ab Woche 20unregelmäßig, schmerzlos, <1 Minweiter beobachten
SenkwehenWoche 36-39im Unterbauch, ziehend, 30-60 Sekweiter beobachten
Vorzeitige Wehenvor Woche 37regelmäßig, schmerzhaft, 4+/StdKlinik anrufen
Geburtswehenab Woche 37alle 5 Min, >60 Sek, intensivKlinik fahren
Vorzeitige Wehen: Wann zur Klinik, wann abwarten Infografik
Abb. 1: Vorzeitige Wehen werden ernster, wenn sie regelmäßig kommen, Schmerzen, Druck, Blutung oder Fruchtwasserverlust dazukommen.

Wie schlimm ist es wirklich?

Vorzeitige Wehen sind nicht automatisch Frühgeburt. Laut AWMF-S2k-Leitlinie 015/025 kommen 7-10% aller Schwangeren mit vorzeitigen Wehen ins Krankenhaus. Davon entbinden nur etwa 30% tatsächlich vorzeitig. Die Mehrheit trägt nach Beobachtung und ggf. Tokolyse weiter aus.

Heißt: Wenn du wegen Wehen in die Klinik kommst, ist die wahrscheinlichste Diagnose "Beobachtung, Entlassung". Das ist keine Übertreibung deinerseits, das ist medizinisch sinnvoll.

Was die Klinik macht

Drei Untersuchungen, in der Regel innerhalb der ersten Stunde:

  1. CTG: misst Wehentätigkeit und Herztöne, 30 Minuten
  2. Vaginal-Ultraschall: Zervix-Länge, ab <25 mm gilt als verkürzt
  3. fFN-Test (fetales Fibronektin): Abstrich, sagt Frühgeburtsrisiko in den nächsten 14 Tagen voraus

Bei verkürzter Zervix oder positivem fFN folgt meist Lungenreife-Spritze (Betamethason 2x12 mg im Abstand von 24 Stunden) und ggf. Tokolyse (Wehenhemmung mit Atosiban oder Nifedipin).

Bettruhe ja oder nein?

Lange galt strikte Bettruhe als Standard. Die Cochrane-Review (2015) hat das relativiert: Bettruhe verkürzt nicht das Frühgeburtsrisiko, kann aber Thrombosen, Muskelabbau und Depression begünstigen.

Aktuelle DGGG-Empfehlung: Schonung statt strenger Bettruhe. Heißt: kein Sport, keine schweren Lasten, kein Sex bei verkürzter Zervix, aber Spaziergänge und leichte Hausarbeit sind okay.

"Strikte Bettruhe ohne klare Indikation schadet mehr als sie nützt. Patientinnen mit drohender Frühgeburt brauchen individuelle Schonungs-Konzepte, nicht Schubladen-Lösungen."

DGGG-Leitlinie zur Frühgeburts-Prävention (2022)

Wann es trotz allem zur Frühgeburt kommt

Bei etwa 30% der Frauen mit vorzeitigen Wehen lässt sich die Geburt nicht aufhalten. Häufige Auslöser laut RKI-Daten:

  • Aufsteigende Infektion (z.B. bakterielle Vaginose, unbehandelt)
  • Mehrlingsschwangerschaft
  • Vorzeitiger Blasensprung
  • Plazenta-Insuffizienz, Präeklampsie
  • Frühere Frühgeburt in der Vorgeschichte

5 Fehler, die fast alle machen

  1. Wehen mit Urin-Drang verwechseln. Druck nach unten kann auch eine Senkwehe sein. Bei Unsicherheit: hinlegen, 30 Min beobachten.
  2. "Ich warte bis morgen." Wehen vor Woche 34 sind ein Klinik-Anruf wert, auch um 3 Uhr nachts. Nicht mehr, nicht weniger.
  3. Selbst-Tokolyse mit Magnesium. Magnesium-Brausetabletten helfen nicht bei echten vorzeitigen Wehen. Lass das Klinik und Hebamme entscheiden.
  4. Strikte Bettruhe ohne Rücksprache. Kann mehr schaden als nützen. Frag deine Hebamme, was für dich konkret gilt.
  5. Wehen-App-Daten ignorieren. Die meisten Apps zählen nur, sie diagnostizieren nicht. 4+ Wehen pro Stunde gehören geprüft, egal was die App sagt.

Häufige Fragen zu diesem Thema

Die Fragen, die zu diesem Thema am häufigsten gestellt werden.

Nein. Übungswehen sind ab Woche 20 normal und kein Vorzeichen. Sie werden problematisch erst, wenn sie regelmäßig, schmerzhaft und häufiger als 4 pro Stunde auftreten.

Manchmal. Trinken, hinlegen in linker Seitenlage, Stress reduzieren. Bleiben Wehen nach 60 Minuten regelmäßig, hilft nur die Klinik-Einschätzung mit CTG und Zervix-Messung.

Üblicherweise 48 Stunden, parallel zur Lungenreife-Spritze. Längere Tokolyse über mehr als 7 Tage gilt als nicht evidenzbasiert (DGGG 2022).

Nein, nicht automatisch. Schonung wird heute individuell entschieden. Bei verkürzter Zervix oder Mehrlingsschwangerschaft ist mehr Schonung sinnvoll, sonst genügt Verzicht auf Sport und schwere Lasten.

Senkwehen treten ab Woche 36 auf, sind unregelmäßig und ziehen meist im Unterbauch nach unten. Frühwehen kommen vor Woche 37, sind regelmäßig (alle 10 Min oder häufiger) und schmerzhaft.

Bei verkürzter Zervix oder vorzeitigem Blasensprung: nein. Ohne diese Befunde ist Sex meist erlaubt, aber sprich konkret mit deiner Hebamme oder Frauenärztin darüber.

Stand: Juni 2026. Wir aktualisieren diesen Artikel regelmäßig.

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