Du sitzt im Wartezimmer, die Frauenärztin sagt „Du bist in der 12. SSW", und du wunderst dich, ob du dann nicht eigentlich erst seit 10 Wochen schwanger bist. Die wichtigste Antwort vorab: gezählt wird ab dem ersten Tag der letzten Menstruation, also rechnerisch zwei Wochen vor der eigentlichen Befruchtung.
Die SSW ist die Bezugsgröße der gesamten Schwangerschaftsvorsorge. Jeder Termin, jedes Screening und jede Berechnung des errechneten Geburtstermins basiert auf dieser Zählung. Im ersten Trimester wird die SSW per Ultraschall überprüft und bei Bedarf korrigiert.
Was du jetzt bei diesem Thema tun kannst
Drei Routinen helfen, mit der SSW im Alltag praktisch umzugehen.
1. Eigene SSW per SSW-Rechner bestimmen
Erste Schätzung mit dem ersten Tag der letzten Periode plus heute. Die Frauenärztin korrigiert beim ersten Ultraschall um Woche 9-12 anhand der Scheitel-Steiß-Länge. Der korrigierte Wert wird im Mutterpass eingetragen und bleibt dann stabil.
2. Termine an SSW-Stichtagen festmachen
Viele Vorsorge-Termine sind an enge SSW-Fenster gebunden. Diese sechs Stichtage solltest du im Auge haben:
- SSW 9-12: Erstes Trimester-Screening, Bestätigung Herzaktivität
- SSW 11-14: Nackentransparenz-Messung (NT), optional
- SSW 19-22: Organscreening, ggf. Feindiagnostik
- SSW 24-28: oGTT (Glukosetoleranztest)
- SSW 28-32: Dritter Basis-Ultraschall
- SSW 35-37: B-Streptokokken-Abstrich (IGeL, keine Regelleistung)
3. „SSW+Tag"-Schreibweise verstehen
Im Mutterpass steht oft „36+4" oder „38+2", das sind die vollendeten Wochen plus die Anzahl Tage in die nächste Woche. Wer das verinnerlicht hat, versteht alle ärztlichen Notizen problemlos.
Was bedeutet die SSW genau?
Die Schwangerschaftswoche bezeichnet die Woche deiner Schwangerschaft. Gezählt wird nicht ab der Befruchtung, sondern ab dem ersten Tag deiner letzten Menstruation. Diese Zählung wirkt zunächst verwirrend: du bist bereits zwei Wochen „schwanger", bevor die Befruchtung überhaupt stattgefunden hat.
Der Grund ist praktisch. Fast jede Frau kennt den Beginn ihrer letzten Periode auf den Tag genau. Der exakte Zeitpunkt der Ovulation oder Befruchtung ist dagegen schwer zu bestimmen. Eine einheitliche Zählung ab der letzten Menstruation gibt Ärzten, Hebammen und dir eine gemeinsame Bezugsgröße.
SSW-Stichtage in der Vorsorge
Die SSW bestimmt, welche Untersuchungen wann stattfinden. Jede Vorsorge ist an ein Zeitfenster gebunden, weil bestimmte Aspekte des Babys nur in einer bestimmten Phase sichtbar oder messbar sind.
| Trimester | SSW | Wichtige Termine |
|---|---|---|
| 1. Trimester | 1-13 | Erster Ultraschall (9-12), NT-Messung (11-14) |
| 2. Trimester | 14-27 | Organscreening (19-22), oGTT (24-28) |
| 3. Trimester | 28-42 | 3. Ultraschall (29-32), B-Strep (35-37), CTG ab 36 |
Eine reguläre Schwangerschaft umfasst 40 Wochen oder 280 Tage. Ab SSW 37 gilt das Baby als reifgeboren, vor SSW 37 spricht man von Frühgeburt, nach SSW 42 von Übertragung.
Wie wird die SSW bestimmt und korrigiert?
Die SSW ergibt sich aus einer Kombination aus deinem Zyklus-Datum und der Ultraschallmessung. Die Frauenärztin oder Hebamme berechnet sie bei deiner ersten Vorsorge.
- Erste Schätzung: anhand des ersten Tages deiner letzten Menstruation (Naegele-Regel)
- Ultraschall-Bestätigung: im ersten Trimester wird das Baby gemessen (Scheitel-Steiß-Länge)
- Korrektur bei Abweichung: weicht die Messung deutlich von der berechneten SSW ab, wird die SSW angepasst
- Mutterpass-Eintragung: die endgültige SSW und der ET werden eingetragen und sind verbindlich
- Stabilität ab SSW 14: ab dem 2. Trimester bleibt die SSW stabil und wird nicht mehr korrigiert
Die Bestimmung ist nicht ideal: auch nach der Korrektur bleibt eine Unsicherheit von ±5 Tagen bestehen. Nur etwa 4 bis 5 Prozent der Kinder werden exakt am errechneten Termin geboren.
Gemeinsamer Bundesausschuss, Mutterschafts-Richtlinien, 2024
Kosten und Kassenleistungen
Alle regulären Vorsorgeuntersuchungen nach den Mutterschafts-Richtlinien des G-BA sind Kassenleistung. Du hast Anspruch auf:
- Mindestens 10 Vorsorgetermine
- Drei Basis-Ultraschalluntersuchungen (SSW 9-12, 19-22, 28-32)
- oGTT-Screening in SSW 24-28
- Standard-Bluttests (Röteln, Hep B, HIV, Lues, Antikörper-Suchtest)
Die 5 häufigsten Fehler rund um die SSW
Im Beratungsalltag tauchen immer wieder dieselben Stolpersteine auf. Diese fünf Fehler kannst du leicht vermeiden, wenn du sie kennst.
- SSW ab Befruchtung statt Periode rechnen. Die medizinische Zählung beginnt am ersten Tag der letzten Menstruation. Wer ab Befruchtung rechnet, liegt 2 Wochen daneben.
- SSW-Stichtage als „grobe Empfehlung" sehen. Sie sind verbindliche Zeitfenster für Kassenleistungen. Wer zu spät kommt, zahlt selbst.
- „12+3" als „12 Wochen 3 Tage" missverstehen. Es heißt: 12 vollendete Wochen plus 3 Tage in die 13. Woche. Der Unterschied ist tagesgenau relevant für Screenings.
- Ultraschall-Korrektur ignorieren. Wenn der Ultraschall im 1. Trimester eine andere SSW ergibt, gilt der korrigierte Wert. Auch ET und Mutterschutzbeginn verschieben sich entsprechend.
- Bei „Übertragung" panisch werden. Auch nach SSW 40 ist eine spontane Geburt möglich. Ab SSW 41 wird engmaschiger kontrolliert und eine Einleitung angeboten, ab 41+3 empfohlen, ab 42 dringend empfohlen.
Häufige Fragen zu diesem Thema
Die Fragen, die zu diesem Thema am häufigsten gestellt werden.
Der erste Tag der letzten Menstruation ist für die meisten Frauen tagesgenau bekannt, der Ovulationstermin nicht. Deshalb rechnet die Medizin nach der Naegele-Regel ab dem Beginn der letzten Periode. Du bist also rein rechnerisch zwei Wochen „schwanger", bevor die Befruchtung stattgefunden hat.
„12+3" bedeutet 12 vollendete Schwangerschaftswochen plus 3 Tage, also den 4. Tag der 13. SSW. Diese tagesgenaue Schreibweise nutzen Ärzte und Hebammen, weil viele Entscheidungen tagesgenau geplant werden.
Im ersten Trimester wird die SSW per Ultraschall (Scheitel-Steiß-Länge) überprüft und gegebenenfalls korrigiert. Weicht die Messung deutlich von der berechneten SSW ab, wird sie angepasst und im Mutterpass eingetragen. Ab SSW 14 bleibt sie stabil.
Nur etwa 4 bis 5 Prozent der Kinder werden exakt am errechneten Termin geboren. Der Großteil kommt in einem Zeitfenster von zwei Wochen vor oder nach dem Termin zur Welt.
Ab SSW 37+0 gilt ein Kind als reifgeboren. Vor SSW 37 spricht man von Frühgeburt, nach SSW 42 von Übertragung. Zwischen SSW 37 und 42 ist eine spontane Geburt jederzeit normal.
Zähle die Tage seit dem ersten Tag deiner letzten Menstruation und teile durch 7. Das ergibt deine SSW + Tage. Die Naegele-Regel rechnet plus 280 Tage für den errechneten Geburtstermin. Online-Tools machen es bequemer.
Stand: Juni 2026. Wir aktualisieren diesen Artikel regelmäßig.




