Begriffe rund um Schwangerschaft und Geburt, verständlich erklärt.
Medizinische Fachbegriffe, gesetzliche Begriffe und alles dazwischen, kurz erklärt.

Mutterpass: Was steht drin und was bedeutet es
Der Mutterpass ist dein wichtigstes Dokument in der Schwangerschaft. Was steht auf den 16 Seiten, was bedeuten Abkürzungen wie ED, Para oder SFA und wie gehst du im Alltag mit dem Pass um?

Gestationsdiabetes-Diagnose: was du in den ersten 2 Wochen tun musst
Etwa 8 bis 10 Prozent der Schwangerschaften in Deutschland betroffen. Diabetes-Beratung in zwei Wochen, Blutzucker-Tagebuch und Ernährungsumstellung sind die ersten drei Schritte. Etwa 60 bis 70 Prozent kommen ohne Insulin aus. Ohne Behandlung: erhöhtes Risiko für Makrosomie und Komplikationen.

Nabelschnurblut
Nabelschnurblut enthält Stammzellen, die nach der Geburt gesammelt und eingelagert werden können (privat oder öffentlich). Private Einlagerung kostet 1.500-3.500 Euro. DGGG empfiehlt öffentliche Spende.

Verminderte Kindsbewegungen: die 2-Stunden-Routine, die du kennen musst
Im 3. Trimester ist das vertraute Bewegungsmuster der wichtigste Anhaltspunkt für das Wohlbefinden des Babys. Bei deutlich verminderten Bewegungen über 2 Stunden trotz ruhiger Beobachtung sofort in die Klinik.

BPA (Bisphenol A)
BPA (Bisphenol A) ist ein hormonell wirksamer Stoff. In Babyflaschen seit 2011 EU-weit verboten, in Schnullern und Beißringen seit 2018. Der Tagesaufnahme-Grenzwert wurde 2023 stark gesenkt; bewusste Reduktion reicht für Schwangere aus.

Geburtstermin (ET)
Geburtstermin, abgekürzt ET für errechneter Termin, ist das rechnerisch ermittelte Datum, an dem das Ende einer regelrechten Schwangerschaft erwartet wird. Nur 4-5% kommen exakt am ET.

SSW-Rechner
Der SSW-Rechner bestimmt die aktuelle Schwangerschaftswoche und den errechneten Geburtstermin (ET). Basis: erster Tag der letzten Menstruation oder IVF-Embryotransfer. Berechnet nach Naegele-Regel.

Listeriose in der Schwangerschaft
Schwangere erkranken rund 13-mal häufiger an Listeriose. Welche Lebensmittel das Risiko erhöhen, etwa Rohmilchkäse, Räucherfisch und Mett, woran du eine Infektion erkennst und wie sie mit Amoxicillin behandelt wird.

Toxoplasmose
Toxoplasmose ist eine Parasiteninfektion, die in der Schwangerschaft selten zum Problem wird, vorausgesetzt du kennst die einfachen Hygiene-Regeln. Bei einer Erstinfektion kann der Erreger auf das Baby übergehen.

Beikost
Beikost ist der Sammelbegriff für feste und breiförmige Lebensmittel im ersten Lebensjahr zusätzlich zu Muttermilch oder Säuglingsnahrung. Start frühestens nach 4. Monat, spätestens nach 6. Monat. Reifezeichen wichtiger als Datum.

Wonder Weeks
Wonder Weeks ist der Titel eines populären Elternratgebers und die im Deutschen gängige Bezeichnung für das darin beschriebene Modell von Entwicklungssprüngen beim Säugling. DGKJ nutzt das Modell nicht diagnostisch.

U-Untersuchungen (U1-U9)
Die U-Untersuchungen sind 10 kinderärztliche Vorsorgeuntersuchungen zwischen Geburt und 6. Lebensjahr (U1 direkt nach Geburt bis U9 mit 5-6 Jahren). Kassenleistung ohne Zuzahlung.

Kolostrum
Kolostrum ist die erste Muttermilch in den ersten zwei bis fünf Tagen nach der Geburt. Gelblich, dickflüssig, sehr eiweiß- und immunglobulinreich. 2-20 ml pro Mahlzeit reichen für den kirschgroßen Babymagen.

Wochenbett
Wochenbett ist der Zeitraum von der Geburt der Plazenta bis sechs bis acht Wochen danach. Jede Frau in Deutschland hat Anspruch auf Hebammenhilfe, in den ersten 10 Tagen mit täglichen Hausbesuchen.

Kaiserschnitt: was bei primärer, sekundärer und Notfall-Sectio anders ist
Etwa ein Drittel aller Geburten in Deutschland kommt per Kaiserschnitt. Wie der Eingriff abläuft, wann die Kasse zahlt und warum sich der sanfte Kaiserschnitt mit frühem Bonding aktiv erfragen lohnt.

Elterngeld: was du in den ersten 3 Monaten tun musst, um keinen Cent zu verlieren
Elterngeld zahlt 65 bis 67 Prozent deines Nettos, max €1.800/Monat. Antrag in den ersten 3 Lebensmonaten, sonst nur 3 Monate rückwirkend.

Mutterschutzgesetz
Das Mutterschutzgesetz (MuSchG) regelt den Arbeitsschutz für werdende und stillende Mütter in Deutschland. Schutzfrist: 6 Wochen vor errechnetem Entbindungstermin und 8 Wochen danach (12 bei Mehrlingen oder Frühgeburt).

Mutterschafts-Richtlinien
Die Mutterschafts-Richtlinien des G-BA legen verbindlich fest, welche Vorsorgeleistungen die gesetzliche Krankenkasse zahlt. 10 Vorsorgetermine, 3 Basis-Ultraschalls, oGTT und B-Streptokokken-Abstrich sind Pflicht.

IGeL-Leistung (Individuelle Gesundheitsleistung)
IGeL-Leistungen sind medizinische Leistungen, die von der gesetzlichen Krankenkasse nicht übernommen werden und von der Patientin selbst bezahlt werden. In der Schwangerschaft typisch: Toxoplasmose, Feindiagnostik, NIPT, 3D-Ultraschall.

Lanugo
Lanugo ist die feine, pigmentarme Körperbehaarung des Fötus. Sie bildet sich ab Woche 14 und wird zwischen SSW 32 und 36 ins Fruchtwasser abgestoßen. Reste verschwinden in den ersten Lebenswochen von selbst.

Folsäure
400 µg Folsäure täglich, ab Kinderwunsch bis Ende der 12. SSW. Schützt vor Neuralrohrdefekten wie Spina bifida. Idealerweise 4 Wochen vor Empfängnis starten, da das Neuralrohr zwischen Tag 22 und 28 schließt.

Feindiagnostik
Die Feindiagnostik ist eine ausführliche Ultraschalluntersuchung zwischen SSW 19 und 22, die Anatomie und Organe des Babys systematisch prüft. Bei DEGUM-II-Spezialisten, Kassenleistung bei Indikation, sonst IGeL 150-250 Euro.

DEGUM-Stufe
Die DEGUM zertifiziert Ultraschall-Ärztinnen und -Ärzte in drei Stufen: Stufe I steht für das Basis-Screening als Kassenleistung, die Stufen II und III für die Feindiagnostik bei Risikoschwangerschaften, die oft als IGeL 80 bis 200 Euro kostet.

PDA (Periduralanästhesie)
Die PDA ist eine Form der örtlichen Betäubung während der Geburt. Du bleibst bei vollem Bewusstsein, Schmerzen werden gezielt gelindert. Bei medizinischer Indikation Kassenleistung, Wunsch-PDA Eigenanteil 150-350 Euro.

Plazenta praevia: jede Blutung in der 2. SS-Hälfte gehört in die Klinik
Bei einer Placenta praevia liegt der Mutterkuchen vor dem Muttermund, betroffen sind 0,3 bis 0,5 Prozent der Schwangeren. Warum die schmerzlose Blutung das Hauptsignal ist und wann ein Kaiserschnitt nötig wird.

Hyperemesis gravidarum: wann es kein normaler Schwangerschafts-Übel mehr ist
Bei 0,3 bis 3 Prozent der Schwangeren wird die Übelkeit zur Hyperemesis gravidarum. Woran du die schwere Form erkennst, wann du innerhalb von 24 bis 48 Stunden zur Frauenärztin solltest und welche Mittel laut Embryotox helfen.

Präeklampsie: 3 Warnzeichen die du nie ignorieren darfst
Eine Präeklampsie trifft 2 bis 8 Prozent der Schwangeren, meist nach der 20. Woche. Welche Warnzeichen sofort in die Klinik gehören und wie eine Aspirin-Prophylaxe ab Woche 12 das Risiko bei Hochrisiko-Frauen senkt.

Vernix caseosa
Vernix caseosa, im Deutschen auch Käseschmiere, bezeichnet die weißlich-gelbe, wachsartige Substanz, die die Haut des Fötus in den letzten Schwangerschaftswochen umhüllt. WHO empfiehlt, das erste Bad zu verschieben.

CTG: was eine normale Kurve zeigt und wann sie auffällig wird
Das CTG zeichnet Herzfrequenz und Wehen auf. Normale Kurve: 110-160 Schläge/min mit moderater Variabilität. Seit Dezember 2023 nur noch bei medizinischer Indikation Kassenleistung. Bei verminderten Kindsbewegungen sofort in die Klinik.

NIPT (nicht-invasiver Pränataltest)
NIPT ist ein Bluttest aus dem mütterlichen Venenblut ab der 10. SSW. Screent auf Trisomie 21, 18, 13 sowie Geschlechtschromosomen. Sensitivität für Trisomie 21 über 99%. Seit Juli 2022 Kassenleistung für Risikogruppen.

SSW (Schwangerschaftswoche)
Die SSW (Schwangerschaftswoche) zählt ab dem ersten Tag der letzten Menstruation, nicht ab Befruchtung. Eine reguläre Schwangerschaft umfasst 40 Wochen. Schreibweise 12+3 bedeutet 12 vollendete Wochen plus 3 Tage.
Was bedeuten die Fachbegriffe auf dem Ultraschallbild oder im Mutterpass?
In der Schwangerschaft begegnen dir viele medizinische Begriffe: SSW, CTG, NIPT, DEGUM, Mutterschafts-Richtlinien. Hier erklaren wir sie kurz und verstandlich, damit du in jedem Gesprach mit deiner Praxis gut vorbereitet bist.
Haufig nachgeschlagen werden Mutterpass, CTG, NIPT, Feindiagnostik und SSW. Auch Begriffe rund um Geburt und Wochenbett wie Wochenbett und Kolostrum findest du hier.
Wenn ein Befund unklar ist oder du mehr uber einen Begriff erfahren mochtest, frag deine Hebamme oder Frauenarztpraxis. Sie kann medizinische Begriffe in deinen personlichen Kontext einordnen.
Häufige Fragen zum Glossar Schwangerschaft und Geburt
Was bedeutet SSW, und wie wird sie gezahlt?
SSW steht fur Schwangerschaftswoche. Gerechnet wird ab dem ersten Tag der letzten Regelblutung, nicht ab der Befruchtung. Das bedeutet: in SSW 1 bist du noch gar nicht schwanger im biologischen Sinne. Eine Schwangerschaft dauert rechnerisch 40 SSW. Dein genauer Geburtstermin wird beim ersten Ultraschall angepasst.
Was ist der Mutterpass, und was steht darin?
Der Mutterpass ist ein Dokument, das beim ersten Vorsorgetermin ausgestellt wird. Er enthalt alle relevanten Befunde deiner Schwangerschaft: Blutgruppe, Ultraschallergebnisse, Laborbefunde und den aktuellen Gewichtsverlauf. Du solltest ihn immer dabei haben, also auch im Urlaub. Im Notfall konnen Arzte so schnell die wichtigsten Informationen abrufen.
Was ist ein CTG, und wann bekomme ich es?
Das CTG (Kardiotokogramm) misst gleichzeitig die Herzfrequenz des Babys und die Wehentarigkeit. Ab der 28. SSW ist es Standard in der Vorsorge, wenn Auffalligkeit vorliegt. Unter der Geburt ist das CTG dauerhaft angeschlossen. Ein unauffalliges CTG zeigt eine normale Herzfrequenz zwischen 110 und 160 Schlagen pro Minute mit typischen Schwankungen.
Was bedeutet Feindiagnostik?
Feindiagnostik bezeichnet den grossen Ultraschall zwischen SSW 19 und 22. Dabei pruft ein spezialisierter Arzt alle Organe des Babys systematisch auf anatomische Auffalligkeiten. Die Untersuchung ist Kassenleistung und sollte von einem Arzt mit DEGUM-Zertifizierung durchgefuhrt werden. Ein auffalliger Befund bedeutet nicht automatisch eine ernste Diagnose.
Was ist der Unterschied zwischen NIPT und Amniozentese?
NIPT analysiert fetale DNA im Blut der Mutter auf Chromosomveranderungen wie Trisomie 21. Er ist nicht invasiv und hat kein Fehlgeburtsrisiko, ist aber kein diagnostischer Test. Die Amniozentese ist invasiv, liefert aber ein chromosomal sicheres Ergebnis. Welcher Test sinnvoll ist, besprichst du mit deiner Praxis, am besten nach einer unauffalligen oder auffalligen Ersttrimester-Untersuchung.
Was bedeuten Listeriose und Toxoplasmose fur meine Schwangerschaft?
Listeriose ist eine bakterielle Infektion, die vor allem durch Rohmilchprodukte und rohe Wurst ubertragen wird. In der Schwangerschaft kann sie Fehlgeburt oder Fruhgeburt ausligen. Toxoplasmose wird durch Katzenkot und rohes Fleisch ubertragen. Beide Infektionen sind vermeidbar: rohes Fleisch durchgaren, Rohmilchkase meiden, Gemuse waschen. Dein Immunstatus wird beim ersten Vorsorgetermin gepruft.