Glossar

Placenta praevia

Bei Placenta praevia liegt die Plazenta vor oder über dem Muttermund und blockiert damit den Geburtsweg. Sie betrifft etwa 0,5 Prozent aller Schwangerschaften und wird per Ultraschall ab SSW 20 sicher diagnostiziert.

BO
Mamenza-Redaktion
Zuletzt geprüft 29. April 2026 · 6 Min. Lesezeit
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Bei einer Placenta praevia liegt die Plazenta vor oder über dem inneren Muttermund. Damit blockiert sie den Geburtsweg und macht eine vaginale Geburt unmöglich oder sehr riskant. Etwa 0,5 Prozent aller Schwangerschaften sind betroffen. Eine sichere Diagnose ist per Ultraschall ab SSW 20 möglich, im Rahmen der Feindiagnostik.

Die Plazenta sitzt normalerweise an der Hinter- oder Vorderwand der Gebärmutter, hoch oben. Bei Placenta praevia ist sie tief, manchmal direkt vor dem Muttermund. In der frühen Schwangerschaft ist eine "tiefe Plazenta" häufig (10-15%), wandert aber meist mit dem Gebärmutter-Wachstum nach oben. Erst ab SSW 20 ist die Diagnose verlässlich.

Was bedeutet das in der Praxis?

Eine Placenta praevia bedeutet engmaschige Überwachung in der zweiten Schwangerschaftshälfte. Du wirst regelmäßig per Ultraschall kontrolliert, um die Lage zu überwachen, und solltest auf Warnsignale achten. Das wichtigste ist eine schmerzlose, hellrote vaginale Blutung, oft im 2. oder 3. Trimester. Sie ist meist nicht akut lebensbedrohlich, sollte aber sofort abgeklärt werden.

Vermeidung von Belastung, Geschlechtsverkehr und schweren Tätigkeiten ist meist empfohlen, je nach Schwere. Bei wiederholten Blutungen oder einer Praevia totalis ist eine stationäre Aufnahme oft notwendig, um schnell eingreifen zu können.

Formen der Placenta praevia

  • Praevia totalis (vollständig): die Plazenta deckt den Muttermund vollständig ab. Vaginale Geburt unmöglich, Kaiserschnitt zwingend.
  • Praevia partialis (teilweise): die Plazenta deckt den Muttermund teilweise ab. Kaiserschnitt meist empfohlen.
  • Praevia marginalis (randständig): der Plazentarand reicht bis an den Muttermund. Vaginale Geburt unter strengen Voraussetzungen ggf. möglich.
  • Tiefliegende Plazenta: die Plazenta ist tief, aber mit Abstand zum Muttermund. Vaginale Geburt meistens möglich.

Symptome und Diagnose

Das klassische Leitsymptom einer Placenta praevia ist eine schmerzlose hellrote vaginale Blutung, oft im 2. oder 3. Trimester. Sie kann plötzlich auftreten, ohne erkennbaren Auslöser, manchmal nach Geschlechtsverkehr oder körperlicher Anstrengung. Wichtig: anders als bei einer Plazentaablösung ist die Blutung schmerzlos.

Die Diagnose stellt der Ultraschall, idealerweise ein Vaginal-Ultraschall, der die Plazentalage in Bezug zum Muttermund genau zeigt. Der Standard-Ultraschall im Rahmen der Mutterschafts-Richtlinien erkennt eine Praevia zuverlässig. Bei Verdacht oder Vorgeschichte wird oft eine erweiterte Feindiagnostik empfohlen.

Risikofaktoren erhöhen die Wahrscheinlichkeit:

  • Vorheriger Kaiserschnitt oder andere Gebärmutter-OP.
  • Mehrlingsschwangerschaft.
  • Alter der Mutter über 35 Jahre.
  • Hohe Parität (mehrere vorhergehende Schwangerschaften).
  • Rauchen.
  • Frühere Placenta praevia.

Geburt und Behandlung

Die Geburt richtet sich nach der Schwere und dem Verlauf:

  • Praevia totalis: geplanter Kaiserschnitt um SSW 36-38, manchmal früher bei wiederholten Blutungen. Bei akuter starker Blutung Notfall-Sectio.
  • Praevia partialis: meist Kaiserschnitt, in Ausnahmefällen vaginale Geburt versucht.
  • Praevia marginalis und tiefliegende Plazenta: vaginale Geburt oft möglich, aber unter engmaschiger Überwachung mit CTG und in einer Klinik mit Notfall-Bereitschaft.

Während der Schwangerschaft kann die Lungenreife des Babys mit Cortison gefördert werden, falls eine Frühgeburt droht (zwischen SSW 24 und 34). Im Notfall wird das Baby auch früher geholt, je nach Konstellation in einem Perinatalzentrum mit Neonatologie.

Häufige Fragen

Die Fragen, die Eltern uns zu diesem Thema am häufigsten stellen.

Ja. In der frühen Schwangerschaft ist eine "tiefe Plazenta" häufig (10-15%), wandert aber meist mit dem Gebärmutter-Wachstum nach oben. Erst ab SSW 20 ist eine Praevia-Diagnose verlässlich, und auch dann kann sich bis SSW 32 noch etwas ändern.

Sofort die Geburtsklinik anrufen oder dort hinfahren. Auch wenn die Blutung schmerzlos ist und du dich gut fühlst. Eine Placenta praevia kann unvorhersehbar stärker bluten, deshalb gehört die Beurteilung in die Hand der Klinik.

Bei nachgewiesener Placenta praevia wird Geschlechtsverkehr meist nicht empfohlen, weil er Blutungen auslösen kann. Sprich mit deiner Frauenärztin über die genauen Empfehlungen für deinen Fall.

Ja. Das Wiederholungsrisiko ist erhöht (ca. 4-8%), aber die meisten Folgeschwangerschaften verlaufen normal. Bei vorheriger Praevia und/oder Kaiserschnitt wirst du engmaschiger betreut.

Bei Placenta praevia liegt die Plazenta nur falsch (vor dem Muttermund). Bei einer Plazentaablösung löst sich die Plazenta vorzeitig von der Gebärmutter, oft schmerzhaft, mit oder ohne sichtbare Blutung. Beides sind Notfälle, aber unterschiedliche.

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Stand: April 2026 – wir aktualisieren diesen Artikel regelmäßig.