Glossar

Kaiserschnitt (Sectio caesarea)

Der Kaiserschnitt ist eine operative Entbindung über einen Bauchschnitt. In Deutschland werden etwa 30 Prozent aller Babys per Sectio geboren. Er kann geplant (primär) oder ungeplant (sekundär) erfolgen.

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Mamenza-Redaktion
Zuletzt geprüft 29. April 2026 · 7 Min. Lesezeit
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Der Kaiserschnitt (lat. Sectio caesarea) ist eine operative Entbindung über einen Bauchschnitt und einen Schnitt in der Gebärmutter. In Deutschland werden etwa 30 Prozent aller Babys per Sectio geboren. Er kann geplant (primär) oder ungeplant während der Wehen (sekundär) erfolgen.

Bei einem Kaiserschnitt arbeitest du mit einem ganzen Team zusammen: Gynäkologin, Anästhesist, Hebamme, Operationspfleger, Kinderärztin. Die Operation findet meist in einem Perinatalzentrum oder einer Klinik mit angeschlossener Neonatologie statt. In den Mutterschafts-Richtlinien ist die Sectio bei medizinischer Indikation Kassenleistung.

Was bedeutet das in der Praxis?

Bei einem geplanten Kaiserschnitt kommst du in der Regel einen Tag vor dem Termin in die Klinik. Vorbereitung umfasst Aufklärungsgespräche mit Anästhesist und Operateur, Blutuntersuchungen und ggf. ein CTG. Am OP-Tag bist du nüchtern, bekommst eine PDA oder Spinalanästhesie (selten Vollnarkose), und liegst während der OP wach im Operationssaal. Dein Partner darf in vielen Kliniken dabei sein.

Die eigentliche Operation dauert 30-60 Minuten. Das Baby wird in den ersten 5-10 Minuten geboren, der Rest ist Verschluss der Gebärmutter und Bauchdecke. Nach der Geburt liegt das Baby oft direkt auf deiner Brust für die ersten Minuten Bonding und Stillen.

Wann ist ein Kaiserschnitt nötig?

Ein Kaiserschnitt ist nicht "besser" oder "schlechter" als eine vaginale Geburt, sondern unter bestimmten Bedingungen die sicherere Option. Klassische Indikationen sind:

  • Beckenendlage: Baby liegt mit dem Po nach unten, oft Kaiserschnitt empfohlen.
  • Querlage: Baby liegt quer, vaginale Geburt nicht möglich.
  • Plazenta praevia: die Plazenta liegt vor dem Muttermund, vaginale Geburt unmöglich.
  • Vorhergegangener Kaiserschnitt: in vielen Fällen wird auch beim 2. Kind eine Sectio empfohlen, eine vaginale Geburt nach Sectio (VBAC) ist aber unter Voraussetzungen möglich.
  • Mehrlingsschwangerschaft: Drillinge praktisch immer per Sectio, Zwillinge je nach Lage.
  • Schwere Präeklampsie oder Gestationsdiabetes: wenn schnelle Entbindung nötig ist.
  • Auffälliges CTG unter Wehen: wenn das Baby Stresszeichen zeigt, sekundäre Sectio.
  • Geburtsstillstand: wenn die Wehen nicht vorankommen oder das Baby nicht durchs Becken passt.
  • Wunschsectio ohne medizinische Indikation: möglich, aber nicht jede Klinik bietet sie an. Kassenleistung nur bei Indikation.

Wie läuft eine Sectio ab?

  1. Vorbereitung: nüchtern, Blasenkatheter, OP-Hemd, Bauch wird desinfiziert und steril abgedeckt.
  2. Anästhesie: meist PDA oder Spinalanästhesie. Du bist wach, spürst aber keine Schmerzen unterhalb der Schnittstelle.
  3. Schnitt: meist quer im Unterbauch (Pfannenstiel-Schnitt) oberhalb des Schamhaars, ca. 12-15 cm lang.
  4. Geburt: nach 5-10 Minuten ist das Baby da. Die Hebamme hebt es hoch, das Baby kann oft direkt auf deine Brust.
  5. Verschluss: Gebärmutter und Bauchdecke werden in mehreren Schichten verschlossen. Dauer 30-45 Minuten.
  6. Aufwachraum: du bleibst etwa 2 Stunden zur Überwachung, das Baby ist meistens dabei.

Erholung und Wochenbett

Die Erholung dauert länger als nach einer vaginalen Geburt. Im Wochenbett rechnest du mit:

  • Klinikaufenthalt: meist 4-5 Tage (vaginale Geburt 2-3 Tage).
  • Wundschmerzen: in den ersten Tagen stark, danach abnehmend. Schmerzmittel sind erlaubt und stillverträglich.
  • Mobilisation: früh aufstehen reduziert Thrombose-Risiko, oft schon 6-8 Stunden nach OP.
  • Wochenfluss: wie bei vaginaler Geburt, dauert 4-6 Wochen.
  • Stillen: ist möglich, manche Frauen brauchen mehr Hilfe beim Anlegen wegen der frischen Wunde. Das Kolostrum kommt unabhängig vom Geburtsmodus.
  • Heben und Anstrengung: 4-6 Wochen lang nichts schwerer als das Baby heben, kein Sport.
  • Narbenpflege: trocken halten, später Massage, oft ist die Narbe nach 6 Monaten kaum noch sichtbar.

Risiken und Folgeschwangerschaft

Ein Kaiserschnitt ist eine sichere Operation, hat aber wie jede Operation Risiken: Wundinfektion (1-3%), Thrombose, Blutung, Verletzung von Nachbarorganen (sehr selten), Narbenschmerzen langfristig. Beim Baby kann die Anpassung der Lunge etwas länger dauern, weil bei vaginaler Geburt das Fruchtwasser durch den engen Geburtskanal aus den Atemwegen gepresst wird.

Eine Folgeschwangerschaft ist nach 6-12 Monaten Wartezeit (Empfehlung) wieder möglich. In den meisten Fällen wird beim zweiten Kind eine erneute Sectio empfohlen, eine vaginale Geburt nach Sectio (VBAC) ist aber unter Voraussetzungen möglich (kein Längsschnitt, nur ein vorheriger Kaiserschnitt, Klinik mit Notfallsectio-Bereitschaft).

Häufige Fragen

Die Fragen, die Eltern uns zu diesem Thema am häufigsten stellen.

Ein Wunschkaiserschnitt ohne medizinische Indikation ist in Deutschland möglich, wenn die Klinik dem zustimmt. Nicht alle Häuser bieten ihn an. Die Kasse zahlt nur bei Indikation, sonst ist es eine IGeL-Leistung mit erheblichen Kosten.

4-6 Wochen Schonung sind Standard. Leichte Aktivitäten (Spazierengehen) gehen meist nach 1-2 Wochen. Intensiver Sport und schweres Heben erst nach 8-12 Wochen, je nach Heilung. Höre auf deinen Körper.

Ja, in vielen Fällen ist eine VBAC (vaginal birth after cesarean) möglich. Voraussetzungen: nur ein vorheriger Kaiserschnitt, Querschnitt-Narbe, eine Klinik mit Notfallsectio-Bereitschaft. Die Erfolgsrate liegt bei 60-80 Prozent.

Es gibt einige Unterschiede in der Mikrobiom-Besiedlung direkt nach der Geburt, weil das Baby beim vaginalen Durchgang andere Bakterien aufnimmt. Langzeitstudien deuten auf leicht erhöhte Risiken für Allergien oder Asthma, der Effekt ist aber gering und durch frühes Stillen und Hautkontakt fast vollständig kompensierbar.

Ja. Die Gebärmutter heilt nach jedem Geburtsmodus, der Wochenfluss (Lochien) ist Ausdruck dieser Heilung und dauert 4-6 Wochen. Mehr dazu im Wochenbett-Artikel.

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Stand: April 2026 – wir aktualisieren diesen Artikel regelmäßig.