Glossar

Präeklampsie

Präeklampsie ist eine schwangerschaftsspezifische Erkrankung mit Bluthochdruck und Eiweißausscheidung im Urin, die nach SSW 20 auftreten kann. Sie betrifft 2 bis 5 Prozent aller Schwangerschaften. Frühzeitige Erkennung durch Vorsorge ist entscheidend.

BO
Mamenza-Redaktion
Zuletzt geprüft 29. April 2026 · 7 Min. Lesezeit
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Präeklampsie ist eine schwangerschaftsspezifische Erkrankung, die durch Bluthochdruck (≥140/90 mmHg) in Kombination mit einer Eiweißausscheidung im Urin oder einer Organbeteiligung gekennzeichnet ist. Sie tritt nach der 20. Schwangerschaftswoche auf und betrifft etwa 2 bis 5 Prozent aller Schwangerschaften. Unbehandelt kann sie sich zu einer Eklampsie mit Krampfanfällen entwickeln, deshalb ist frühzeitige Erkennung entscheidend.

Anders als bei Gestationsdiabetes, der durch ein klares Screening (oGTT) erkannt wird, kommt Präeklampsie oft schleichend. Die Routine-Vorsorge mit Blutdruckmessung und Urin-Streifentest fängt die meisten Fälle aber zuverlässig ab.

Was bedeutet das in der Praxis?

In der Schwangerschaft passt sich der Kreislauf an: das Blutvolumen steigt, der Blutdruck fällt zunächst leicht. Bei einer Präeklampsie funktioniert die Anpassung der Blutgefäße in der Plazenta nicht richtig, der Blutdruck steigt, und Stoffwechsel-Schäden werden über bestimmte Substanzen in den ganzen Körper getragen. Folgen sind Eiweißverlust über die Niere, Leberfunktionsstörungen oder Beeinträchtigung der Plazenta-Durchblutung.

Für betroffene Schwangere bedeutet das engmaschige medizinische Überwachung. Dein Blutdruck wird bei jeder Vorsorgeuntersuchung kontrolliert, zusätzlich erfolgen regelmäßige Urinuntersuchungen auf Eiweiß. Bei einem Anstieg oder Nachweis von Protein wird die Diagnose gestellt. Je nach Schweregrad kommen Blutwerte zur Kontrolle der Leber- und Nierenfunktion und ein Ultraschall mit Doppler hinzu, um Wachstum des Babys und Plazenta-Durchblutung zu beurteilen. In schweren Fällen ist eine stationäre Behandlung notwendig.

Die Behandlung zielt darauf ab, Mutter und Kind bis zu einem sicheren Entbindungszeitpunkt zu stabilisieren. Blutdrucksenkende Medikamente wie Methyldopa, Nifedipin oder Labetalol sind ein wichtiger Baustein. Magnesium hilft, Krampfanfälle zu verhindern. Das eigentliche Ziel bleibt aber, die Schwangerschaft so lange wie möglich fortzuführen, bis das Baby ausreichend entwickelt ist. Letztendlich ist die Entbindung die einzige Möglichkeit, die Erkrankung zu heilen.

Wann ist es relevant?

Präeklampsie kann theoretisch ab der 20. SSW bis zum Ende der Schwangerschaft auftreten. In den meisten Fällen zeigt sie sich nach der 32. Woche. Eine besondere Form, die HELLP-Syndrom genannt wird, kann sich auch noch im Wochenbett entwickeln, meist innerhalb der ersten 48 Stunden nach der Geburt.

Ab der 11. bis 13. Woche bieten einige Praxen einen Ersttrimester-Screening-Test an, der das individuelle Risiko abschätzt. Dabei werden Blutdruck, bestimmte Blutwerte (PlGF, sFlt-1) und die Durchblutung der Gebärmutterarterien per Doppler-Ultraschall untersucht. Bei erhöhtem Risiko kann niedrigdosierte Acetylsalicylsäure (ASS, 100-150 mg) verordnet werden, die das Risiko um etwa 50 Prozent reduziert, wenn sie vor SSW 16 begonnen wird. Diese spezielle Prophylaxe ist eine ärztliche Leistung und keine Selbstmedikation.

Die größte Bedeutung hat die Erkennung ab der 20. Woche. Ab diesem Zeitpunkt wird bei jeder Vorsorgeuntersuchung routinemäßig der Blutdruck gemessen und der Urin auf Eiweiß untersucht. Diese einfachen Maßnahmen reichen aus, um die meisten Fälle frühzeitig zu entdecken. Die Feindiagnostik in SSW 19-22 prüft zusätzlich die Plazenta-Funktion und kindliche Entwicklung.

Bin ich in einer Risikogruppe?

Ein erhöhtes Risiko für Präeklampsie hast du, wenn eines oder mehrere dieser Kriterien zutreffen:

  • Erste Schwangerschaft, das Risiko ist bei Erstgebärenden etwa doppelt so hoch.
  • Mehrlingsschwangerschaft (Zwillinge, Drillinge), durch die größere Plazentamasse erhöhtes Risiko.
  • Alter über 35 Jahre oder unter 20 Jahre bei Erstschwangerschaft.
  • Bestehender Bluthochdruck oder chronische Nierenerkrankung vor der Schwangerschaft.
  • Diabetes mellitus, sowohl Typ 1 als auch Typ 2, sowie früherer Gestationsdiabetes.
  • BMI über 30 vor der Schwangerschaft.
  • Familiäre Belastung, Mutter oder Schwester mit Präeklampsie.
  • Frühere Schwangerschaft mit Präeklampsie, Wiederholungsrisiko etwa 15 Prozent, bei früher schwerer Präeklampsie höher.
  • Autoimmunerkrankungen wie Lupus oder Antiphospholipid-Syndrom.

Bei mehreren Risikofaktoren bietet sich das Ersttrimester-Screening an, das in einigen Praxen als IGeL-Leistung angeboten wird. Bei dokumentiertem Hochrisiko ist die Berechnung Kassenleistung.

Welche Warnsignale gibt es?

Diese Beschwerden gelten als Notfall-Warnsignale und gehören sofort in eine Geburtsklinik oder Notaufnahme:

  • Plötzlich starke Kopfschmerzen, vor allem stirnbetont, die nicht auf Paracetamol ansprechen.
  • Sehstörungen: Lichtblitze, Doppelbilder, Schleiersehen, dunkle Flecken im Gesichtsfeld.
  • Schmerzen im rechten Oberbauch unter dem Rippenbogen (Hinweis auf Leberbeteiligung).
  • Plötzliche, ausgeprägte Schwellungen in Gesicht, Händen oder Füßen, oft asymmetrisch.
  • Gewichtszunahme über 1 kg pro Woche in der Spätschwangerschaft.
  • Übelkeit oder Erbrechen in der zweiten Hälfte der Schwangerschaft, die nicht zur normalen Schwangerschaftsübelkeit der Frühschwangerschaft passt.
  • Verminderte Kindsbewegungen: weniger als 10 Bewegungen in 12 Stunden in der Spätschwangerschaft.

Bei diesen Symptomen nicht abwarten. Anrufen, vorbeikommen, lieber einmal zu viel als zu wenig. Eine schwere Präeklampsie kann innerhalb von Stunden in einen lebensbedrohlichen Zustand übergehen.

Wie kann ich vorbeugen?

Präeklampsie lässt sich nicht vollständig verhindern, weil sie eine komplexe Plazenta-Erkrankung ist. Du kannst das Risiko aber senken:

  • Ausgangsgewicht optimieren vor der Schwangerschaft, ein BMI im Normalbereich reduziert das Risiko.
  • Niedrigdosierte ASS bei dokumentiertem Hochrisiko, ab SSW 12 bis Ende Schwangerschaft, nur ärztlich verordnet.
  • Calcium-Supplementierung bei niedriger Calcium-Aufnahme, etwa 1,5 g pro Tag.
  • Regelmäßige Bewegung in der Schwangerschaft, mindestens 30 Minuten an den meisten Tagen.
  • Ausreichend Folsäure und ausgewogene Ernährung: kein direkter Effekt auf Präeklampsie selbst, aber unterstützt die Plazentaentwicklung.
  • Bluthochdruck behandeln bei chronischer Hypertonie schon vor der Empfängnis.
  • Termine wahrnehmen: die Routine-Vorsorge ist die effektivste Vorbeugung gegen Spätfolgen.

Wer entscheidet über die Behandlung?

Diagnose und Behandlung liegen in ärztlicher Hand. Die Frauenärztin oder der Frauenarzt führt die Vorsorgeuntersuchungen durch und stellt bei auffälligen Befunden die Diagnose. Bei bestätigter Präeklampsie wirst du an eine spezialisierte Praxis oder eine Klinik mit geburtshilflicher Abteilung überwiesen. Hebammen begleiten dich, können aber bei Verdacht auf Präeklampsie nicht allein therapeutisch handeln, sie übernehmen eine wichtige Lotsenfunktion.

Die Kosten für Vorsorgeuntersuchungen sind in den Mutterschafts-Richtlinien festgehalten und Kassenleistung. Auch weiterführende Untersuchungen wie Blutwerte, Doppler-Ultraschall, CTG und stationäre Behandlungen bei schwerer Präeklampsie sind Kassenleistungen.

Bei einer schweren Präeklampsie ab SSW 34 wird häufig eine geplante Entbindung empfohlen, je nach Klinik per Einleitung oder Kaiserschnitt. Vor SSW 34 versuchen Ärzte, die Schwangerschaft mit Medikamenten und engmaschiger Überwachung zu verlängern, um die Lungenreife des Babys zu fördern. Die Therapieentscheidung erfolgt immer in Abstimmung zwischen dir, deiner Hebamme und dem ärztlichen Team.

Häufige Fragen

Die Fragen, die Eltern uns zu diesem Thema am häufigsten stellen.

Präeklampsie ist die Vorstufe (Bluthochdruck plus Eiweiß im Urin), Eklampsie das Vollbild mit Krampfanfällen. Eklampsie ist ein lebensbedrohlicher Notfall, der sofortige Entbindung nötig macht. Mit guter Vorsorge wird die Vorstufe meist rechtzeitig erkannt und Eklampsie verhindert.

Möglich, aber nicht zwangsläufig. Das Wiederholungsrisiko liegt bei etwa 15 Prozent, bei früher schwerer Präeklampsie höher. In Folgeschwangerschaften wirst du engmaschiger überwacht, niedrigdosierte ASS ab SSW 12 senkt das Risiko deutlich.

In den ersten beiden Trimestern fällt der Blutdruck oft leicht ab (z.B. 105/65 mmHg). Im 3. Trimester normalisiert er sich wieder auf das Ausgangsniveau. Werte ab 140/90 mmHg gelten als auffällig, ab 160/110 mmHg als schwer.

HELLP ist eine schwere Verlaufsform der Präeklampsie mit drei Befunden: Hämolyse (Blutzerfall), Elevated Liver enzymes (Leberbeteiligung) und Low Platelets (niedrige Thrombozyten). Es kann auch ohne hohen Blutdruck auftreten und ist immer ein medizinischer Notfall.

Eine extrem salzarme Diät ist in der Schwangerschaft nicht empfohlen, sie hat keinen Effekt auf Präeklampsie. Wichtiger ist eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Eiweiß, Calcium und Folsäure. Bei diagnostizierter Präeklampsie regelt die Klinik den Flüssigkeitshaushalt mit.

Ja, in den meisten Fällen schon. Bei rechtzeitiger Diagnose und guter Behandlung kann das Baby oft bis nach der 36. SSW reifen. Bei früherer Entbindung wegen schwerer Präeklampsie sind die Überlebenschancen heute sehr gut, vor allem in einem Perinatalzentrum mit Neonatologie.

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Stand: April 2026 – wir aktualisieren diesen Artikel regelmäßig.