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Präeklampsie: 3 Warnzeichen die du nie ignorieren darfst

Eine Präeklampsie trifft 2 bis 8 Prozent der Schwangeren, meist nach der 20. Woche. Welche Warnzeichen sofort in die Klinik gehören und wie eine Aspirin-Prophylaxe ab Woche 12 das Risiko bei Hochrisiko-Frauen senkt.

Mamenza-Redaktion
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Inhaltlich abgeglichen mitG-BA·BZgA·DGGG·AWMF
Präeklampsie

Du hast morgens leichte Kopfschmerzen, deine Knöchel sind geschwollen und der Blutdruck war beim letzten Vorsorgetermin auffällig. Die wichtigste Antwort vorab: leichte Schwellungen sind im 3. Trimester normal, aber Sehstörungen, starke Kopfschmerzen und Schmerzen im rechten Oberbauch zusammen sind ein medizinischer Notfall.

Präeklampsie ist eine Multisystemerkrankung mit Bluthochdruck (ab 140/90 mmHg) und Eiweiß im Urin nach der 20. Schwangerschaftswoche. Sie betrifft 2 bis 8 von 100 Schwangeren weltweit. Eklampsie und HELLP-Syndrom sind seltene, aber lebensbedrohliche Sonderformen, deshalb ist die regelmäßige Vorsorge entscheidend.

Was du jetzt bei diesem Thema tun kannst

Drei Schritte, die das Risiko senken oder eine beginnende Präeklampsie früh erkennen lassen.

1. Risiko-Profil mit der Frauenärztin durchgehen

Beim ersten Vorsorgetermin aktiv ansprechen, ob Hochrisiko-Faktoren vorliegen: frühere Präeklampsie, chronischer Bluthochdruck, Diabetes Typ 1/2, Nierenerkrankung oder Autoimmunerkrankung. Bei nachgewiesenem Risiko ist eine Aspirin-Prophylaxe ab Woche 12 etabliert und senkt das Risiko deutlich.

2. Blutdruck-Selbstmessung etablieren

Bei eingestuftem Risiko leiht die Praxis oft ein geeichtes Gerät. Miss morgens und abends im Sitzen nach 5 Minuten Ruhe, am gleichen Arm, und notiere die Werte. Das schafft Verlaufsprofile, in denen Auffälligkeiten früh sichtbar werden.

3. Warnzeichen kennen und ernst nehmen

Diese Symptome sind keine Bagatelle, vor allem wenn mehrere zusammenkommen:

  • Starke oder anhaltende Kopfschmerzen, die auf Schmerzmittel kaum reagieren
  • Sehstörungen: Flimmern, Lichtblitze, doppelte Bilder, verschwommenes Sehen
  • Schmerzen im rechten Oberbauch oder unter dem Rippenbogen
  • Plötzliche, deutliche Schwellungen im Gesicht oder an den Händen
  • Schnelle Gewichtszunahme von mehr als 1 kg pro Woche im 3. Trimester
  • Atemnot oder Unruhe, die du nicht einordnen kannst

Was ist Präeklampsie?

Präeklampsie (früher „Schwangerschaftsvergiftung") ist eine Multisystemerkrankung, die ausschließlich in der Schwangerschaft, unter der Geburt oder im frühen Wochenbett auftritt. Definiert ist sie durch zwei Leitbefunde nach der 20. Schwangerschaftswoche: einen neu aufgetretenen Bluthochdruck ab 140/90 mmHg und eine Eiweißausscheidung im Urin (Proteinurie) oder Hinweise auf eine Beteiligung anderer Organe.

Die Ursache ist nicht vollständig geklärt. Im Mittelpunkt steht eine fehlerhafte Anlage der Plazenta in der Frühschwangerschaft. Die mütterlichen Blutgefäße werden unzureichend umgebaut, was später zu einer Minderdurchblutung und einer systemischen Stressreaktion führt. Das erklärt, warum Präeklampsie nicht nur den Blutdruck, sondern auch Leber, Nieren, Gerinnung und das Wachstum des Babys betreffen kann.

Wie häufig eine Präeklampsie auftritt und welche Faktoren das Risiko prägen, zeigen die Daten der DGGG und großer Studien wie ASPRE.

2 bis 8 von 100 Schwangeren entwickeln eine Präeklampsie. Eine niedrig dosierte Aspirin-Prophylaxe ab Woche 12 senkt das Risiko bei Hochrisiko-Frauen nachweislich.

DGGG S2k-Leitlinie 015-018, Hypertensive Schwangerschaftserkrankungen, 2024

Wer ist besonders gefährdet?

Präeklampsie kann grundsätzlich jede Schwangere treffen. Die DGGG-Leitlinie zeigt jedoch, dass bestimmte Faktoren das Risiko deutlich erhöhen. Die Frauenärztin fragt diese Punkte zu Beginn der Schwangerschaft ab und vermerkt sie im Mutterpass.

Präeklampsie: 3 Warnzeichen die du nie ignorieren darfst Infografik
Abb. 1: Präeklampsie-Warnzeichen wie hoher Blutdruck, Kopfschmerzen, Oberbauchschmerz oder Sehstörungen sollten nie abgewartet werden.

Die Risiko-Faktoren fallen in drei Stufen, mit unterschiedlichen Konsequenzen für die Vorsorge.

Risiko-StufeFaktorenKonsequenz
HochFrühere Präeklampsie / HELLP, chronischer Bluthochdruck, Nierenerkrankung, Diabetes Typ 1/2, Autoimmunerkrankung (Lupus, APS)1 Faktor reicht für Aspirin-Prophylaxe
MittelErste Schwangerschaft, Alter > 40, Mehrlinge, BMI > 30, Präeklampsie bei Mutter/Schwester, Pause > 10 Jahre, EizellspendeMehrere Faktoren erhöhen Wahrscheinlichkeit
StandardKeine der oben genanntenReguläre Vorsorge gemäß Mutterschafts-Richtlinien

Wenn du dich in mehreren Punkten wiederfindest, sprich beim ersten Vorsorgetermin aktiv darüber. Eine Risikoeinschätzung im ersten Trimester kombiniert mütterliche Faktoren, Blutdruck, einen Doppler-Befund und Laborwerte und wird oft im Rahmen der Feindiagnostik oder als IGeL-Leistung angeboten.

Wie wird Präeklampsie erkannt und behandelt?

Die Diagnose stützt sich auf drei Säulen. Der Blutdruck wird bei jedem Termin gemessen, Werte ab 140/90 mmHg, die sich nach kurzer Pause bestätigen, gelten als auffällig. Ein Urin-Teststreifen prüft auf Eiweiß, bei positivem Befund folgt die Bestimmung im 24-Stunden-Sammelurin. Blutuntersuchungen erfassen Leber- und Nierenwerte, Thrombozyten und in spezialisierten Zentren die plazentaren Marker sFlt-1 und PlGF.

Zusätzlich beobachtet das Team das Baby per Ultraschall (Wachstum, Fruchtwasser), Doppler (Plazenta- und Nabelschnurdurchblutung) und CTG (Herzfrequenz, Wehen). Eine Wachstumsverzögerung (IUGR) ist ein zusätzlicher Hinweis auf eine plazentare Funktionsstörung.

Die Behandlung richtet sich nach Schweregrad und Schwangerschaftswoche. Möglichkeiten in aufsteigender Stufe:

  1. Leichte Form: ambulante Kontrolle, häufige Blutdruckmessungen zu Hause, Labor + Ultraschall im Wochenrhythmus
  2. Steigender Blutdruck: blutdrucksenkende Medikamente Methyldopa, Nifedipin oder Labetalol
  3. Drohende Eklampsie: Magnesiumsulfat intravenös zur Krampfprophylaxe
  4. Vor Woche 34: Cortison-Gabe zur Lungenreifung des Kindes, Verlängerung soweit vertretbar
  5. Ab Woche 37: Geburtseinleitung als Standard, sobald die Diagnose gesichert ist

Vorsorge und Prophylaxe

Präeklampsie ist keine Folge von „falscher Ernährung" oder „zu wenig Ruhe". Du trägst keine Schuld, wenn sie auftritt. Es gibt aber Bausteine, die in Studien und in der DGGG-Leitlinie als wirksam gelten.

  • Aspirin-Prophylaxe: 100-150 mg Acetylsalicylsäure pro Abend ab Woche 12 bis spätestens Woche 16, eingenommen bis ca. Woche 36. Beruht auf der ASPRE-Studie und senkt das Risiko früher Präeklampsie deutlich. Nur auf ärztliche Verordnung.
  • Calcium: in Regionen mit niedriger Calcium-Zufuhr senkt 1 g täglich nachweislich das Risiko. In Deutschland nur bei Mangel relevant.
  • Bewegung: moderate Aktivität wie Spazierengehen, Schwimmen oder Schwangerschaftsyoga unterstützt Blutdruck und Wohlbefinden.
  • Selbstmessung: bei Risikoeinstufung tägliche Werte morgens und abends, am gleichen Arm.
  • Folsäure: ausreichende Versorgung unterstützt die frühe Plazentaentwicklung, ersetzt aber keine spezifische Prophylaxe.
  • Symptome ernst nehmen: bei Kopfschmerzen, Sehstörungen, Oberbauchschmerzen oder plötzlichen Schwellungen aktiv in der Praxis melden.

Bluthochdruck und Präeklampsie: was ist der Unterschied?

Erhöhter Blutdruck in der Schwangerschaft ist nicht automatisch Präeklampsie. Die Mutterschafts-Richtlinien des G-BA grenzen drei Formen klar voneinander ab.

FormWannEiweiß im UrinBehandlung
GestationshypertonieErstmals nach Woche 20NeinEngmaschige Kontrolle
PräeklampsieNach Woche 20Ja (> 300 mg/Tag)Stationär, ggf. vorzeitige Geburt
Chronische HypertonieVor Woche 20 oder vor SSVariabelMedikamente umstellen

15 bis 25 Prozent der Frauen mit Gestationshypertonie entwickeln im Verlauf eine Präeklampsie. Deshalb wird auch bei reinem Blutdruckanstieg ohne Eiweißbefund engmaschig kontrolliert.

Die 5 häufigsten Fehler bei Präeklampsie

Im Beratungsalltag tauchen immer wieder dieselben Stolpersteine auf. Diese fünf Fehler kannst du leicht vermeiden, wenn du sie kennst.

  1. Risiko-Profil verschweigen. Frühere Präeklampsie, Diabetes oder chronischer Bluthochdruck unbedingt beim ersten Termin angeben. Aspirin-Prophylaxe lohnt sich nur, wenn das Risiko früh erkannt wird.
  2. Schwellungen pauschal als „normal" abtun. Plötzliche Schwellungen im Gesicht oder an den Händen, kombiniert mit Kopfschmerzen, sind ein Warnzeichen, nicht nur Schwangerschaftsbeschwerden.
  3. Aspirin eigenmächtig nehmen oder absetzen. 100-150 mg pro Abend ab Woche 12 nur auf ärztliche Verordnung. Falsche Dosis oder falscher Zeitpunkt schmälert den Nutzen.
  4. Selbstmessung mit Drogeriegerät statt geeichtem Gerät. Drogeriegeräte sind oft ungenau am Oberarm. Praxis-Leihgeräte sind geeicht und liefern verlässliche Verlaufsdaten.
  5. Wochenbett-Kontrollen unterschätzen. Auch nach der Geburt kann der Blutdruck noch wochenlang erhöht sein. Frauen mit Präeklampsie haben Jahre später ein erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko, regelmäßige Hausarzt-Kontrollen sind sinnvoll.

Häufige Fragen zu diesem Thema

Die Fragen, die zu diesem Thema am häufigsten gestellt werden.

Nein. Es gibt einen schwangerschaftsinduzierten Bluthochdruck ohne Eiweiß im Urin und ohne Organbeteiligung. Auch ein chronischer Bluthochdruck, der schon vor der Schwangerschaft bestand, ist nicht automatisch eine Präeklampsie.

Definitionsgemäß tritt Präeklampsie erst nach der 20. SSW auf. Eine Früherkennung im ersten Trimester sagt nicht das aktuelle Auftreten voraus, sondern schätzt das Risiko für eine spätere Präeklampsie ein und damit den Nutzen einer Aspirin-Prophylaxe.

Eine durchgemachte Präeklampsie erhöht das Risiko in folgenden Schwangerschaften, garantiert aber keinen erneuten Verlauf. Vor allem nach einer frühen, schweren Form vor SSW 34 ist das Wiederholungsrisiko relevant. Bei Kinderwunsch lohnt sich ein Vorgespräch in einer Schwerpunktpraxis.

Eine gut betreute Präeklampsie hat in den meisten Fällen keine bleibenden Folgen. Risiken entstehen vor allem durch eine Wachstumsverzögerung der Plazenta (IUGR) und eine möglicherweise nötige Frühgeburt. Beides wird in den heutigen Strukturen sehr genau überwacht.

Die Symptome bessern sich meist innerhalb von Tagen bis wenigen Wochen. Der Blutdruck kann noch sechs Wochen oder länger erhöht bleiben und braucht Kontrollen im Wochenbett. Manche Frauen entwickeln Jahre später leichter einen chronischen Bluthochdruck oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

HELLP steht für Hämolyse, erhöhte Leberwerte und niedrige Thrombozyten. Es ist eine schwere Verlaufsform mit Leber- und Gerinnungsbeteiligung, oft begleitet von starken Oberbauchschmerzen. HELLP ist immer ein Notfall mit sofortiger stationärer Aufnahme, meist in einem Perinatalzentrum.

Stand: Juni 2026. Wir aktualisieren diesen Artikel regelmäßig.

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