Glossar

CTG: was eine normale Kurve zeigt und wann sie auffällig wird

Das CTG zeichnet Herzfrequenz und Wehen auf. Normale Kurve: 110-160 Schläge/min mit moderater Variabilität. Seit Dezember 2023 nur noch bei medizinischer Indikation Kassenleistung. Bei verminderten Kindsbewegungen sofort in die Klinik.

Mamenza-Redaktion
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Inhaltlich abgeglichen mitG-BA·DGGG/AWMF·Antenatal cardiotocography f…
CTG (Kardiotokografie)

Du wirst zum CTG geschickt und fragst dich, ob das jetzt ein schlechtes Zeichen ist. Die wichtigste Antwort vorab: ein CTG ist eine Routine-Überwachung der kindlichen Herzfrequenz und der Wehen. Nach den Mutterschafts-Richtlinien wird es nur bei medizinischer Indikation als Kassenleistung angeboten, nicht als Routine in jeder Schwangerschaft. Das ist seit Langem so und kein neuer Standard.

Das Verfahren ist schmerzfrei und arbeitet ohne ionisierende Strahlung. Eine Aufzeichnung dauert 20 bis 30 Minuten. Du liegst halb sitzend oder auf der Seite, zwei Sensoren auf dem Bauch erfassen die Daten über die Schwangerschafts- und Geburtsdauer.

Was du jetzt bei diesem Thema tun kannst

Drei Dinge, die du vor und während des CTG aktiv tun kannst.

1. Indikation aktiv erfragen

Frag bei der Anmeldung, warum das CTG empfohlen wird. Anerkannte Gründe sind: drohende Frühgeburt, Mehrlingsschwangerschaft, Schwangerschaftsdiabetes, Bluthochdruck, verminderte Kindsbewegungen, Verdacht auf vorzeitige Wehen oder Plazentainsuffizienz. Wenn keine dieser Indikationen vorliegt, ist das CTG eine IGeL-Leistung.

2. Bequeme Position wählen

Halb sitzend oder Seitenlage funktioniert am besten. Vermeide flach auf dem Rücken zu liegen, ab Woche 28 kann das den Blutdruck senken (Vena-cava-Syndrom). Wenn dir schwindelig wird, sofort die Hebamme oder den Arzt informieren.

3. Bei verminderten Kindsbewegungen sofort melden

Diese Warnzeichen sind keine Bagatelle, sondern eine klare Indikation für ein zeitnahes CTG:

  • Deutlich verminderte Kindsbewegungen über mehrere Stunden
  • Vorzeitiger Blasensprung (Flüssigkeit verliert, ungewöhnlich)
  • Anhaltende Schmerzen oder regelmäßige Wehen vor Woche 37
  • Vaginale Blutungen, auch leichte
  • Plötzlicher Bluthochdruck mit Kopfschmerzen oder Sehstörungen

Was zeigt die CTG-Kurve?

Ein Sensor erfasst die Herztöne deines Babys, der andere die Wehenaktivität am oberen Bereich der Gebärmutter. Beide Kurven werden gleichzeitig auf Papier oder am Bildschirm dargestellt: oben die Herzfrequenz, unten die Wehen.

CTG normale vs auffällige Herzfrequenz-Kurve in der Schwangerschaft
Abb. 1: Das CTG zeigt kindliche Herzfrequenz und Wehentätigkeit; normale Muster helfen, auffällige Kurven schneller einzuordnen.

Vor der 28. SSW ist die Aussagekraft eines CTG eingeschränkt, weil das fetale Nervensystem noch unreif ist und kurze Dezelerationen physiologisch sein können. Ab Woche 28 ist das CTG deutlich aussagekräftiger.

Wann ist ein CTG indiziert?

Die Mutterschafts-Richtlinien des G-BA regeln, wann ein CTG Kassenleistung ist. Ein CTG im Rahmen der Schwangerenvorsorge ist nur bei einer der in Anlage II aufgeführten Indikationen Kassenleistung, nicht als Routine in jeder Schwangerschaft.

Anerkannte Indikationen für ein CTG:

  • Drohende Frühgeburt in der 26. oder 27. SSW
  • Ab der 28. SSW auskultatorisch festgestellte Herztonveränderungen
  • Verdacht auf vorzeitige Wehentätigkeit
  • Mehrlingsschwangerschaft
  • Intrauteriner Fruchttod in einer früheren Schwangerschaft
  • Verdacht auf Plazentainsuffizienz
  • Schwangerschaftsdiabetes oder Bluthochdruck
  • Wachstumsverzögerung des Kindes
  • Verminderte Kindsbewegungen

Bei einer unauffälligen Schwangerschaft ohne Risikofaktoren wird vor der Geburt in der Regel kein CTG geschrieben. Die Mutterschafts-Richtlinien sehen ein CTG nur bei definierten Indikationen vor.

Gemeinsamer Bundesausschuss, Mutterschafts-Richtlinien Anlage II

CTG während der Geburt

Bei einer äußeren Wendung in Woche 36 ist eine CTG-Überwachung Standard, weil die Wendung mechanisch belastend für das Kind ist. Auch während der Geburt selbst wird das CTG eingesetzt, in zwei Modi:

  • Unkomplizierte Geburt: intermittierend, in regelmäßigen Abständen alle 15-30 Minuten
  • Risikogeburt, vorzeitiger Blasensprung, Einleitung: häufig durchgehend aktiv
  • PDA mit Wehentropf: meist Dauer-CTG zur Sicherheit
  • Wassergeburt: drahtloses CTG ist in vielen Kliniken möglich

Die deutschen Fachgesellschaften (DGGG, DHV) empfehlen das CTG als Standardüberwachung während der Geburt, weil es bei Komplikationen früh warnen kann und schnellere medizinische Reaktionen ermöglicht.

Wer entscheidet, und kann ich ablehnen?

Die Entscheidung über die Durchführung eines CTG liegt bei der betreuenden Ärztin, dem Arzt oder der Hebamme. Bei medizinischer Indikation gemäß Anlage II ist es Kassenleistung ohne Eigenanteil. Ohne Indikation ist es eine IGeL-Leistung, die du selbst bezahlst (etwa 25-40 Euro).

Du hast in jedem Fall das Recht, dir die Begründung erläutern zu lassen und die Untersuchung auch abzulehnen. Bei Risikogeburten wird eine Ablehnung in der Regel nicht empfohlen, sprich mit deinem Geburtsteam vorab darüber, wie das CTG bei dir gehandhabt werden soll.

Die 5 häufigsten Fehler rund um das CTG

Im Beratungsalltag tauchen immer wieder dieselben Stolpersteine auf. Diese fünf Fehler kannst du leicht vermeiden, wenn du sie kennst.

  1. Indikation nicht erfragen. Das CTG ist nur bei klar definierten Indikationen Kassenleistung. Ohne Indikation ist es IGeL, frag nach Begründung.
  2. Vor Woche 28 panisch reagieren. CTG-Aussagen vor Woche 28 sind eingeschränkt, kurze Dezelerationen können physiologisch sein. Ärztliche Einordnung abwarten, bevor du dich verrückt machst.
  3. Während der Aufzeichnung flach auf dem Rücken liegen. Ab Woche 28 kann das den Blutdruck senken (Vena-cava-Syndrom) und die CTG-Werte verfälschen. Halb sitzend oder Seitenlage.
  4. Bei verminderten Kindsbewegungen abwarten. Reduzierte Bewegungen über mehrere Stunden sind eine sofortige CTG-Indikation. Lieber einmal zu viel als zu wenig in die Klinik.
  5. „Auffälliges CTG" als Notfall verstehen. Auffällig heißt erstmal: weiter beobachten, Position wechseln, wiederholen. Nur bei bestätigtem Verdacht folgen Konsequenzen.

Häufige Fragen zu diesem Thema

Die Fragen, die zu diesem Thema am häufigsten gestellt werden.

Nein. Das CTG arbeitet mit Ultraschall- und Drucksensoren ohne ionisierende Strahlung und hat keine bekannten Nebenwirkungen. Die Untersuchung ist für Mutter und Kind schmerzfrei.

Nein. Ein CTG ist nach den Mutterschafts-Richtlinien nur bei medizinischen Indikationen vorgesehen, etwa bei Risikofaktoren, verminderten Kindsbewegungen oder rund um Eingriffe wie eine äußere Wendung. Bei einer unauffälligen Schwangerschaft wird vor der Geburt in der Regel kein CTG geschrieben.

Eine Standardaufzeichnung dauert üblicherweise 20 bis 30 Minuten. Bei medizinischer Indikation oder unklaren Befunden kann die Aufzeichnung verlängert werden. Während der Geburt läuft das CTG bei Risikogeburten häufig durchgehend.

Bei abweichenden Mustern entscheidet das medizinische Team über das weitere Vorgehen. Das kann eine Wiederholung des CTG, ergänzende Ultraschalluntersuchungen oder, bei akutem Verdacht auf eine Notlage, eine vorzeitige Entbindung umfassen.

Vor der 28. SSW ist die Aussagekraft eingeschränkt, weil das fetale Nervensystem noch unreif ist. Ab der 28. SSW ist das CTG deutlich aussagekräftiger über Herzfrequenzmuster und Variabilität.

Ja, jede medizinische Untersuchung kann nach Aufklärung abgelehnt werden. Bei Risikogeburten oder klaren Indikationen wird das aber nicht empfohlen. Sprich mit deinem Geburtsteam vorab über deine Wünsche zur CTG-Überwachung.

Stand: Juni 2026. Wir aktualisieren diesen Artikel regelmäßig.

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