Du hast den errechneten Termin auf dem Mutterpass, planst Mutterschutz und Kliniktasche um diesen Tag herum. Die wichtigste Antwort vorab: der ET ist ein statistischer Zielpunkt, kein exaktes Datum. Nur 4-5 Prozent der Babys kommen genau am ET, die Mehrheit zwischen Woche 38+0 und 42+0.
Berechnet wird der Termin nach der Naegele-Regel: erster Tag der letzten Regel plus 280 Tage. Im ersten Trimester wird der Termin per Ultraschall überprüft und gegebenenfalls korrigiert. Die korrigierte Bestimmung ist relevant für Mutterschutzbeginn und für die Beurteilung möglicher Übertragung ab Woche 41+0.
Was du jetzt bei diesem Thema tun kannst
Drei Routinen helfen, den ET sinnvoll als Planungsanker zu nutzen, ohne ihn als exaktes Datum zu sehen.
1. Ultraschall-Korrektur akzeptieren
Wenn der erste Ultraschall im 1. Trimester einen anderen Termin ergibt als die Naegele-Regel, gilt der korrigierte Termin. Diese Verschiebung kann auch den Mutterschutzbeginn nach hinten oder vorne schieben. Lass den korrigierten ET im Mutterpass eintragen.
2. Mutterschutz 6 Wochen vor ET einplanen
Der gesetzliche Mutterschutz beginnt 6 Wochen vor dem errechneten Termin. Stelle den Antrag beim Arbeitgeber rechtzeitig, idealerweise im 7. Schwangerschaftsmonat. Die ärztliche Bescheinigung ist das Schlüsseldokument.
3. Realistisches Zeitfenster planen
Plane mental nicht „der ET", sondern „das ET-Fenster" (2 Wochen vor bis 2 Wochen nach). Das vermeidet Enttäuschung und reduziert den Stress, wenn der Tag passiert ohne dass etwas geschieht. Konkrete Vorbereitungen:
- Kliniktasche fertig packen ab Woche 36
- Anfahrtsweg zur Klinik testen, auch zu Stoßzeiten
- Wer bringt dich? Backup-Person für Notfall
- Geburtsklinik-Anmeldung bestätigt?
- Hebamme für Wochenbett bereits gebucht?
Wie wird der Geburtstermin berechnet?
Die Naegele-Regel berechnet den voraussichtlichen Termin auf Basis des ersten Tages der letzten Menstruation: + 7 Tage − 3 Monate + 1 Jahr. Das ergibt 280 Tage oder 40 vollendete Wochen ab dem ersten Tag der letzten Regel.
Eine genauere Datierung erfolgt durch Ultraschall im ersten Trimester, idealerweise zwischen SSW 8+0 und 13+6. Die Scheitel-Steiß-Länge des Embryos erlaubt eine Bestimmung mit einer Genauigkeit von etwa 5 Tagen. Bei größeren Differenzen zwischen Naegele- und Ultraschall-Datum korrigiert die Frauenärztin den errechneten Termin.
Termingeburt, Frühgeburt, Übertragung
Der Geburtstermin ist nicht nur ein einzelner Tag, sondern definiert Zeitfenster mit unterschiedlicher klinischer Bedeutung. Die WHO und die deutschen Fachgesellschaften nutzen folgende Klassifikation:
| Phase | SSW | Konsequenz |
|---|---|---|
| Frühgeburt | vor 37+0 | Engmaschige Überwachung, oft Perinatalzentrum |
| Frühe Termingeburt | 37+0 bis 38+6 | Termingerecht, Standard-Geburtsklinik |
| Volle Termingeburt | 39+0 bis 40+6 | Häufigster Geburtszeitpunkt |
| Späte Termingeburt | 41+0 bis 41+6 | Engmaschige Vorsorge mit CTG |
| Übertragung | ab 42+0 | Geburtseinleitung meist empfohlen |
Statistisch werden nur etwa 4 bis 5 Prozent der Kinder exakt am errechneten Termin geboren, ein Großteil kommt in einem Zeitraum von rund zwei Wochen vor oder nach dem Termin zur Welt.
Die Streuung von rund zwei Wochen um den errechneten Termin ist normal und kein Hinweis auf eine ungenaue Bestimmung. Nur 4 bis 5 Prozent der Kinder kommen genau am ET zur Welt.
DGGG-Leitlinie 015/088, Geburtseinleitung, 2024
Was passiert bei Überschreitung des ET?
Ab SSW 40+0 wird in vielen Praxen eine engmaschigere Vorsorge mit CTG und Ultraschall angeboten. Eine Geburtseinleitung kann ab SSW 41+0 angeboten werden, ab SSW 41+3 wird sie empfohlen und ab SSW 42+0 dringend empfohlen, weil das Risiko für Plazenta-Insuffizienz und kindliche Probleme steigt (DGGG/AWMF 015-088).
Engmaschige Kontrollen ab SSW 40 umfassen typischerweise:
- CTG alle 2-3 Tage
- Ultraschall mit Fruchtwasser-Index 1-2× pro Woche
- Doppler-Kontrolle der Plazenta-Durchblutung
- Klinische Bewertung des Muttermunds (Bishop-Score)
- Beurteilung der Kindslage und -bewegungen
Die 5 häufigsten Fehler rund um den ET
Im Beratungsalltag tauchen immer wieder dieselben Stolpersteine auf. Diese fünf Fehler kannst du leicht vermeiden, wenn du sie kennst.
- ET als exaktes Datum sehen. Nur 4-5 Prozent kommen genau am ET. Plane mental ein Fenster von ± 2 Wochen, das vermeidet Enttäuschung.
- Mutterschutzbeginn nach Naegele-Termin planen, ohne Ultraschall-Korrektur abzuwarten. Der korrigierte ET kann den Mutterschutzbeginn verschieben, immer den Mutterpass-Eintrag nutzen.
- Bei Überschreitung passiv warten. Ab SSW 40 sind engmaschige Kontrollen Standard, nicht optional. Bei verminderten Kindsbewegungen sofort in die Klinik.
- Geburtseinleitung pauschal ablehnen. Ab SSW 41+0 kann sie angeboten werden, ab 41+3 wird sie empfohlen, ab 42+0 dringend. Die Studienlage spricht für eine sanfte Einleitung gegenüber langem Abwarten.
- Kliniktasche erst „bei den ersten Wehen" packen. Spätestens ab Woche 36 fertig griffbereit, weil eine Geburt unerwartet früh starten kann.
Häufige Fragen zu diesem Thema
Die Fragen, die zu diesem Thema am häufigsten gestellt werden.
Mit der Naegele-Regel: erster Tag der letzten Regel plus 7 Tage minus 3 Monate plus 1 Jahr. Im ersten Trimester wird der Termin per Ultraschall anhand der Scheitel-Steiß-Länge überprüft und gegebenenfalls korrigiert.
Nur 4 bis 5 Prozent der Kinder kommen exakt am errechneten Termin. Die Mehrheit wird zwischen SSW 38+0 und SSW 42+0 geboren. Eine Streuung von rund zwei Wochen vor oder nach dem ET gilt als normal.
Als Termingeburt gilt jede Geburt zwischen SSW 37+0 und SSW 41+6. Vor SSW 37+0 spricht man von einer Frühgeburt, ab SSW 42+0 von Übertragung.
Sechs Wochen vor dem errechneten Termin. Verschiebt sich der ET nach Ultraschall-Korrektur, verschiebt sich auch der Mutterschutzbeginn entsprechend.
Ab SSW 40+0 bieten viele Praxen engmaschigere Vorsorge mit CTG und Ultraschall an. Eine Geburtseinleitung kann ab SSW 41+0 angeboten werden, ab SSW 41+3 wird sie empfohlen und ab SSW 42+0 dringend empfohlen.
ET steht für „errechneter Termin", SSW für „Schwangerschaftswoche". Im Mutterpass erscheint der ET in der Form „ET: TT.MM.JJJJ", die SSW als Wochen+Tage (z. B. „36+4" für Woche 36 plus 4 Tage).
Stand: Juni 2026. Wir aktualisieren diesen Artikel regelmäßig.




