Der errechnete Geburtstermin (ET, manchmal auch ETG für errechneter Termin der Geburt) ist eine medizinische Schätzung, wann dein Baby zur Welt kommen wird. Er ist die Bezugsgröße für alle Vorsorgetermine, Vorsorgeuntersuchungen und die Bestimmung der SSW.
Wichtig: der ET ist ein Datum, kein Zeitpunkt. Nur etwa 4 Prozent der Babys kommen tatsächlich am errechneten Termin, etwa 80 Prozent in den zwei Wochen darum. Der Rest verteilt sich auf die Zeit davor (Frühgeburten) oder danach (Übertragung).
Was bedeutet das in der Praxis?
Aus dem ET ergeben sich Termine für deine Schwangerschaftsvorsorge, Mutterschutzfristen, das Stillgeld und die Mutterschaftsleistungen. Auch Beschäftigungsverbote und Mutterschutzbeginn (6 Wochen vor ET) hängen vom ET ab. Im Mutterpass wird der ET dokumentiert und ggf. nach dem ersten Ultraschall korrigiert.
Praktisch heißt das: der ET ist nicht "der Termin, an dem dein Baby kommt", sondern die Mitte des erwarteten Geburtsfensters. Plane lieber mit einem Korridor von 2 Wochen davor und 2 Wochen danach.
Wie wird der ET berechnet?
Standard-Methode ist die Naegele-Regel: erster Tag der letzten Periode + 7 Tage + 9 Monate.
Beispiel: letzter Tag der Periode 1. März → ET = 1. März + 7 Tage + 9 Monate = 8. Dezember.
Bei Zykluslängen, die von 28 Tagen abweichen, wird die Differenz dazugerechnet (bei längerem Zyklus) oder abgezogen (bei kürzerem). Ein SSW-Rechner macht die Rechnung automatisch.
Der ET wird beim ersten Ultraschall (zwischen SSW 9 und 12) anhand der Embryonen-Größe (Scheitel-Steiß-Länge) korrigiert, falls die Rechnung nach Periode nicht passt. Diese Korrektur ist wichtig, wenn:
- Die letzte Periode unklar war.
- Du einen unregelmäßigen Zyklus hast.
- Du gerade die Pille abgesetzt hattest.
- Du gestillt hast und keine regelmäßige Periode hattest.
Nach der Ultraschall-Korrektur ist der ET stabil und gilt für die gesamte weitere Betreuung.
Wie genau ist der Termin?
Die Berechnung nach letzter Periode kann um Tage abweichen. Die Ultraschall-Korrektur in SSW 9-12 ist genauer (auf 3-5 Tage). Auch dann ist es eine Schätzung, weil die individuelle Schwangerschaftsdauer variiert. Statistisch:
- SSW 37-38: 25% der Geburten
- SSW 39: etwa 25%
- SSW 40 (rund um den ET): 30%
- SSW 41+: 20%
Eine Termingeburt liegt zwischen SSW 37+0 und 41+6. Vor SSW 37 spricht man von Frühgeburt, ab SSW 42+0 von Übertragung (Terminüberschreitung). Bei Risikoschwangerschaften wird oft engmaschiger ab SSW 37 betreut, mit zusätzlichem CTG.
Was passiert bei Überschreitung?
Wird der ET überschritten, erfolgen ab SSW 40+1 engmaschige Kontrollen, oft alle 2-3 Tage CTG, ggf. Doppler-Ultraschall. Ab SSW 41 wird in vielen Kliniken eine Einleitung der Geburt diskutiert, weil das Risiko für die Plazenta-Funktion mit der Zeit steigt.
Spätestens ab SSW 42+0 wird eine Einleitung dringend empfohlen, weil ab dann das Risiko für Komplikationen messbar ansteigt. Methoden der Einleitung sind Prostaglandin-Tabletten/-Gel, Ballon-Katheter oder Oxytocin-Infusion. Die Klinik bespricht mit dir die geeignete Methode.
Häufige Fragen
Die Fragen, die Eltern uns zu diesem Thema am häufigsten stellen.
Statistisch zwischen SSW 37 und 41, mit Häufung um SSW 40. Ein zweites Kind kommt oft 1-2 Wochen früher als das erste, das ist aber individuell.
Dann gilt die Naegele-Berechnung. In der ersten Vorsorge wird der ET aber meist beim ersten Ultraschall korrigiert. Auch ohne perfekt sicheren ET kann die Geburt geplant werden.
Ja. Der Mutterschutz beginnt 6 Wochen vor dem ET und endet 8 Wochen nach der tatsächlichen Geburt (12 bei Mehrlingen oder Frühgeburt). Mehr dazu unter Mutterschutzgesetz.
Bei regelmäßigen Wehen alle 5-10 Minuten über mindestens 1 Stunde, beim Blasensprung, bei starken Blutungen oder verminderten Kindsbewegungen. Auch bei Unsicherheit anrufen, das Geburtsteam beruhigt oder leitet weiter.
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Stand: April 2026 – wir aktualisieren diesen Artikel regelmäßig.
