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Kolostrum

Kolostrum (Vormilch) ist die erste Muttermilch, die in den ersten Tagen nach der Geburt fließt. Sie ist gelblich, dickflüssig und voller Antikörper, Eiweiß und Wachstumsfaktoren, die den Start ins Leben optimal unterstützen.

BO
Mamenza-Redaktion
Zuletzt geprüft 29. April 2026 · 5 Min. Lesezeit
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Kolostrum (lat. colostrum, deutsch auch Vormilch) ist die erste Muttermilch, die in den ersten 3 bis 5 Tagen nach der Geburt fließt. Sie ist gelblich-orangefarben, dickflüssig und konzentriert. Menge ist gering (5-50 ml pro Tag), aber jeder Tropfen ist hochwertig. Im Wochenbett ist Kolostrum die ideale Erstnahrung.

Auch wenn die Menge erst gering aussieht, reicht sie für den winzigen Magen eines Neugeborenen. Am ersten Tag fasst der Magen etwa 5 bis 7 ml, das entspricht der Größe einer Kirsche. Häufiges Anlegen unterstützt die Milchbildung und ist die beste Geburtsvorbereitung für reife Muttermilch.

Was bedeutet das in der Praxis?

Bereits in der Schwangerschaft, etwa ab SSW 16-20, beginnt die Brust mit der Kolostrum-Produktion. Manche Frauen merken das durch leichtes Auslaufen aus den Brustwarzen. Nach der Geburt fließt das Kolostrum unter dem Einfluss der Hormonumstellung (Prolaktin steigt, Progesteron fällt) verstärkt. Das ist auch nach Kaiserschnitt der Fall, manchmal mit ein paar Stunden Verzögerung.

Direkter Hautkontakt nach der Geburt (Bonding) und frühes Anlegen unterstützen die Milchproduktion enorm. In den ersten Tagen liegt das Baby idealerweise viel auf deiner Brust. Der Saugreflex ist nach der Geburt am stärksten, das nutzt du am besten für die ersten Anlege-Versuche.

Was steckt im Kolostrum?

  • Antikörper (Immunglobuline): vor allem IgA, das die Schleimhäute des Babys gegen Krankheitserreger schützt. Gewissermaßen die erste "Impfung".
  • Wachstumsfaktoren: unterstützen die Reifung des Verdauungstrakts und die Schließung der Darmschleimhaut.
  • Eiweiß: deutlich höher konzentriert als in reifer Muttermilch, ideal für den Aufbau.
  • Vitamine und Mineralien: insbesondere Vitamin A, Zink, Vitamin K (das auch zusätzlich nach der Geburt gespritzt wird).
  • Probiotische Bakterien: guter Start für die Darmflora.
  • Mukoproteine: wirken abführend und helfen, das erste Mekonium (Kindspech) zu lösen.

Die Konzentration dieser Inhaltsstoffe ist im Kolostrum höher als in reifer Milch. Deshalb gilt Kolostrum auch als "flüssiges Gold". Es ist nicht ersetzbar, weder durch Säuglingsnahrung noch durch Spendermilch.

Übergang zur reifen Milch

Zwischen Tag 3 und 5 nach der Geburt erfolgt der Milcheinschuss. Die Brust wird voller, oft fest und manchmal schmerzhaft, weil die Milchmenge sprunghaft steigt. Diese Phase dauert 24-48 Stunden, dann reguliert sich die Milchmenge anhand des Bedarfs deines Babys.

Während des Übergangs ändert sich die Zusammensetzung: Antikörper-Konzentration sinkt etwas, Fett- und Lactose-Anteil steigen. Reife Muttermilch ist weiß bis bläulich-weiß, dünner als Kolostrum und in größerer Menge da (etwa 600-800 ml pro Tag bei voll stillender Mutter).

Praktische Tipps

  • Häufiges Anlegen: 8-12 mal pro Tag in den ersten Wochen. Jedes Anlegen sendet ein Signal an die Brust, mehr Milch zu produzieren.
  • Frühes Anlegen: idealerweise innerhalb der ersten Stunde nach der Geburt, das nennt man "Bonding-Hour".
  • Lass dir helfen: die Hebamme oder eine Stillberaterin zeigt dir die richtige Anlegetechnik. Schmerzen beim Stillen sind oft ein Zeichen für falsches Anlegen, nicht für "schlechtes Stillen".
  • Nicht zufüttern ohne Indikation: die geringe Kolostrum-Menge ist gewollt. Fertige Säuglingsnahrung sollte nur bei medizinischer Notwendigkeit gegeben werden, weil sie die Milchproduktion stören kann.
  • Geduld mit dir selbst: Stillen ist Lernen. Die ersten Tage können holprig sein, das ist normal und ändert sich.

Häufige Fragen

Die Fragen, die Eltern uns zu diesem Thema am häufigsten stellen.

Ja, in den meisten Fällen. Der Magen eines Neugeborenen am Tag 1 fasst nur 5-7 ml. Die geringe Kolostrum-Menge ist genau auf diese Größe abgestimmt. Ab Tag 3-5 steigt mit dem Milcheinschuss auch die Menge.

Tag 3 bis 5 nach der Geburt, manchmal später nach Kaiserschnitt. Die Brust wird plötzlich voller und fester, oft mit leichten Schmerzen. Häufiges Anlegen lindert das, ggf. auch warme Kompressen vor und kalte nach dem Stillen.

Ab SSW 36-37 ist das in einigen Fällen möglich, vor allem bei Risiko für Stillprobleme (z.B. Diabetes, Zwillinge). Sprich mit der Hebamme. Vorher kann das frühere Wehen auslösen und ist nicht empfohlen.

Auch nach Kaiserschnitt fließt Kolostrum, manchmal mit ein paar Stunden Verzögerung. Häufiges Anlegen oder sanftes Pumpen aktiviert die Milchbildung. Lass dir von der Hebamme oder Stillberaterin helfen, das ist Kassenleistung.

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Stand: April 2026 – wir aktualisieren diesen Artikel regelmäßig.