Glossar

Listeriose

Listeriose ist eine durch das Bakterium Listeria monocytogenes verursachte Lebensmittelinfektion. In der Schwangerschaft kann der Erreger über die Plazenta auf das Baby übergehen. Die wichtigste Vorbeugung liegt in deinem Essverhalten: kein rohes Fleisch, kein Rohmilchkäse und konsequente Küchenhygiene.

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Mamenza-Redaktion
Zuletzt geprüft 29. April 2026 · 6 Min. Lesezeit
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Listeriose ist eine durch das Bakterium Listeria monocytogenes verursachte Lebensmittelinfektion. In der Schwangerschaft kann der Erreger über die Plazenta auf das Baby übergehen und Frühgeburt, Totgeburt oder eine schwere Neugeborenen-Infektion auslösen. Die wichtigste Vorbeugung liegt in deinem Essverhalten: konsequent kein rohes oder unzureichend erhitztes Fleisch, kein Rohmilchkäse und gründliche Küchenhygiene.

In Deutschland erkranken jährlich nur etwa 20 bis 30 Schwangere an einer Listeriose. Das ist selten. Trotzdem ist die Aufklärung wichtig, weil eine Infektion ernste Folgen für das Baby haben kann und sich durch ein paar konsequente Regeln rund um Ernährung in der Schwangerschaft zuverlässig vermeiden lässt.

Was bedeutet das in der Praxis?

Listeria monocytogenes ist ein Bakterium, das in der Umwelt weit verbreitet ist und vor allem über kontaminierte Lebensmittel auf den Menschen übertragen wird. Für gesunde Erwachsene verläuft eine Infektion meist mild oder bleibt sogar unbemerkt. In der Schwangerschaft sieht das anders aus, denn dein Immunsystem ist jetzt stärker gefordert, und die Bakterien können die Plazenta passieren und dein ungeborenes Kind direkt angreifen. Anders als bei der Toxoplasmose hinterlässt eine durchgemachte Listeriose keine Immunität, die Aufmerksamkeit muss in jeder Schwangerschaft neu da sein.

Mögliche Konsequenzen einer Listeriose in der Schwangerschaft sind Frühgeburt, Totgeburt oder eine Infektion des Neugeborenen. Bei Neugeborenen äußert sich die Erkrankung oft durch Sepsis, Lungenentzündung oder Hirnhautentzündung.

Typische Symptome bei dir selbst ähneln einer Grippe: Fieber, Muskelschmerzen, Übelkeit und Durchfall. Diese Beschwerden sind nicht spezifisch und können sich mit normalen Schwangerschafts-Symptomen wie Schwangerschaftsübelkeit oder grippalen Infekten überschneiden. Die Inkubationszeit beträgt zwischen drei und 70 Tagen, im Schnitt etwa drei Wochen. Das macht es schwierig, den genauen Zeitpunkt der Ansteckung zurückzuverfolgen.

Wann ist es relevant?

Listeriose kann theoretisch in jeder Phase der Schwangerschaft auftreten. Besonders aufmerksam solltest du aber ab der 20. Schwangerschaftswoche sein, wenn das Risiko für schwerwiegende Folgen steigt. Auch im Wochenbett und bei Neugeborenen in den ersten Lebenstagen ist die Infektion relevant.

Statistisch gesehen erkranken in Deutschland jährlich etwa 20 bis 30 Schwangere an Listeriose. Das ist selten, aber die möglichen Konsequenzen machen Prävention so wichtig. Das Robert Koch-Institut beobachtet die Fallzahlen kontinuierlich, eine Verdoppelung in den letzten Jahren wurde nicht festgestellt. Die Mutterschafts-Richtlinien sehen kein Routinescreening auf Listeriose vor, weil das Risiko durch konsequente Hygiene besser kontrollierbar ist als durch Tests.

Bin ich in einer Risikogruppe?

Während alle Schwangeren ein erhöhtes Risiko für eine Listeriose-Infektion haben, gibt es bestimmte Gruppen, bei denen die Wahrscheinlichkeit oder das Ausmaß einer Erkrankung noch einmal höher liegt:

  • Schwangere ab 35 Jahren: Auswertungen des Robert Koch-Instituts deuten darauf hin, dass das Risiko mit dem Alter leicht ansteigt, vermutlich durch eine veränderte Immunlage.
  • Beruflicher Kontakt mit rohen Lebensmitteln: in einer Metzgerei, Gastronomie, Käserei, Lebensmittelproduktion oder einem mikrobiologischen Labor. Hier kommt regelmäßig Kontakt mit potenziell kontaminierten Produkten vor.
  • Schwangere mit Immunsuppression: wenn du nach einer Organtransplantation Medikamente nimmst, eine Autoimmunerkrankung mit Cortison behandelt wird oder eine Chemotherapie hinter dir liegt.
  • Häufiger Verzehr von Risikolebensmitteln in der Frühschwangerschaft, weil viele Frauen erst mit der Bestätigung der Schwangerschaft auf ihren Lebensmittelkonsum achten und vorher noch nicht systematisch auf Folsäure oder Lebensmittelhygiene geachtet haben.
  • Reisen in Länder mit hoher Listeriose-Inzidenz: in Frankreich, Spanien und in Süd-Europa allgemein wird häufiger Rohmilchkäse und Rohwurst verzehrt, das Risiko ist dort höher.

Wenn eines oder mehrere dieser Kriterien auf dich zutreffen, solltest du die Hygiene-Empfehlungen besonders konsequent umsetzen. Sprich auch im Rahmen deiner Vorsorgeuntersuchungen mit deiner Frauenärztin oder deinem Frauenarzt über deinen individuellen Schutz und die Frage, ob bei Symptomen frühzeitig getestet werden sollte.

Wie kann ich mich schützen?

Die wichtigste Vorbeugung ist dein Essverhalten. Meide konsequent rohe oder nicht durchgegarte Lebensmittel, denn Listerien überleben auch im Kühlschrank und vermehren sich dort sogar. Achte besonders auf folgende Risikogruppen:

  • Rohmilch und Rohmilchkäse: Camembert, Brie, Roquefort und andere Weichkäse mit Rinde aus Rohmilch. Hartkäse wie Gouda, Parmesan oder Emmentaler aus pasteurisierter Milch sind unbedenklich. Auch Mozzarella ist okay, sofern aus pasteurisierter Milch.
  • Rohes oder kurz gebratenes Fleisch: Tartar, Carpaccio, Mettbrötchen, blutige Steaks. Auch rohes Fleisch in jeder Form ist tabu.
  • Rohwurst und Rohschinken: Salami, Parma- und Serrano-Schinken sollten in der Schwangerschaft gemieden werden. Durcherhitzter Kochschinken ist hingegen sicher.
  • Kalt geräucherter Fisch: Räucherlachs, Forellenfilet kalt geräuchert. Heiß geräucherte oder vollständig gegarte Varianten wie gegarter Lachs sind durch die Erhitzung sicher.
  • Vakuumverpackte Aufschnittwaren: Diese können Listerien enthalten, weil das Bakterium auch bei Kühlschrank-Temperaturen wachsen kann. Lieber frisch an der Theke kaufen und schnell verbrauchen.
  • Fertigsalate und vorgewaschenes Gemüse: Auch wenn als verzehrfertig gekennzeichnet, in der Schwangerschaft sicherer nochmal selbst gründlich waschen. Das gilt erst recht für ungewaschenes Gemüse aus dem Garten oder vom Markt.

Koche Lebensmittel gründlich durch, mindestens 70 Grad Celsius im Kern. Verwerte Reste innerhalb weniger Tage. Reinige Hände, Schneidebretter und Messer nach Kontakt mit rohem Fleisch oder Fisch gründlich, idealerweise mit heißem Wasser. Das Kühlschrankthermometer sollte unter 5 Grad zeigen, denn höhere Temperaturen begünstigen das Wachstum von Listerien.

Wer entscheidet über einen Test?

Die Prävention von Listeriose liegt in deiner eigenen Verantwortung, denn sie beginnt bei deinem Einkaufsverhalten und deiner Küchenhygiene. Einen Test auf Listeriose führt der Arzt beziehungsweise die Ärztin nur dann durch, wenn konkrete Symptome vorliegen. Bei Verdacht auf eine Infektion wird ein Bluttest gemacht, der im Labor ausgewertet wird.

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine Listeriose-Diagnostik nur bei medizinischem Verdacht, nicht als Routineuntersuchung. Anders als manche IGeL-Leistungen wie der Toxoplasmose-Antikörpertest gibt es für Listeriose keinen sinnvollen Voraus-Test, weil die Infektion erst nach der Ansteckung anhand von Symptomen erkannt wird. Dein Gynäkologe oder deine Gynäkologin kann dich aber ausführlich beraten und dir konkrete Empfehlungen für deinen Alltag geben. Auch deine Hebamme ist eine gute Anlaufstelle für Fragen rund um Lebensmittelhygiene und Symptome im Alltag.

KassenleistungSelbstzahler
Routinescreening auf Listeriose in der SchwangerschaftNeinNicht angeboten
Bluttest bei Verdacht auf InfektionJa-
Antibiotika-Therapie bei bestätigter InfektionJa-
Verlaufskontrollen nach BehandlungJa-

Was passiert bei einer bestätigten Infektion?

Wird eine Listeriose in der Schwangerschaft tatsächlich diagnostiziert, beginnt die Behandlung sofort. Das Ziel ist, eine Übertragung auf das Baby zu verhindern oder die Folgen einer bereits erfolgten Übertragung zu mildern.

  • Antibiotika-Therapie: Ampicillin in hoher Dosis ist das Mittel der ersten Wahl, oft kombiniert mit Gentamicin. Bei Penicillin-Allergie kommt Cotrimoxazol zum Einsatz, allerdings nicht im ersten Trimester.
  • Behandlungsdauer: in der Regel zwei bis drei Wochen, in schweren Fällen oder bei nachgewiesener Plazenta-Beteiligung länger.
  • Krankenhausaufenthalt: die Therapie wird zu Beginn meist stationär durchgeführt, weil Antibiotika intravenös gegeben werden. Nach Stabilisierung kann auf Tabletten umgestellt werden.
  • Verlaufskontrollen: regelmäßige Ultraschall-Untersuchungen und gegebenenfalls eine Feindiagnostik kontrollieren die Entwicklung des Babys, das Fruchtwasser und die Plazenta-Funktion. Ein CTG kann ergänzend die Herztöne überwachen, wenn nötig.
  • Geburt in einer Klinik mit Neonatologie: bei einer in der Schwangerschaft behandelten Listeriose wird die Geburt in einem Perinatalzentrum geplant, damit das Neugeborene direkt nachuntersucht werden kann.

Auch nach der Geburt wird das Neugeborene im Rahmen der U-Untersuchungen engmaschig nachuntersucht. Eine kongenitale Listeriose kann sich erst Tage oder Wochen nach der Geburt zeigen, etwa durch Atemprobleme, Fieber oder eine Sepsis. Die Krankenkasse übernimmt sowohl die Diagnostik als auch die Therapiekosten bei bestätigtem Befund vollständig.

Häufige Fragen

Die Fragen, die Eltern uns zu diesem Thema am häufigsten stellen.

Nein. Hartkäse aus pasteurisierter Milch wie Gouda, Parmesan oder Emmentaler sind unbedenklich. Auch Feta aus pasteurisierter Milch geht problemlos. Bei Weichkäse solltest du auf Produkte aus Rohmilch verzichten und die Rinde generell meiden, weil sich dort das Bakterium bevorzugt ansiedelt. Wenn auf der Verpackung steht „aus pasteurisierter Milch", bist du auf der sicheren Seite.

Symptome wie Fieber, Gliederschmerzen, Übelkeit oder Durchfall können auf eine Listeriose hindeuten, sind aber nicht spezifisch und überschneiden sich mit einer normalen Schwangerschaftsübelkeit oder einem grippalen Infekt. Nur ein Bluttest kann eine Infektion sicher nachweisen. Bei anhaltenden Beschwerden oder Fieber in der Schwangerschaft solltest du zur Frauenärztin oder zum Frauenarzt gehen, am besten innerhalb von 24 Stunden.

Listeriose ist keine Tröpfcheninfektion. Du kannst dich nicht von anderen Menschen anstecken, auch nicht durch engen Kontakt. Die einzige bekannte Übertragungsroute sind kontaminierte Lebensmittel. Eine Übertragung von Mutter zum Kind erfolgt ausschließlich über die Plazenta oder bei der Geburt.

Keine Panik. Nicht jeder Kontakt mit Listerien führt zu einer Infektion. Beobachte deinen Körper in den folgenden Wochen und gehe bei Symptomen wie Fieber oder anhaltendem Unwohlsein zum Arzt. Eine vorsorgliche Antibiotika-Behandlung ohne Befund ist nicht üblich, weil das Risiko einer Übertragung sehr klein ist.

Listerien überleben das Einfrieren grundsätzlich. Wichtig ist deshalb, Tiefkühlware vor dem Verzehr ausreichend zu erhitzen, mindestens 70 Grad im Kern. Tiefkühlbeeren solltest du in der Schwangerschaft kurz aufkochen statt roh zu verzehren. Pizza und andere Fertiggerichte aus dem Tiefkühlfach sind sicher, wenn sie laut Packungsanweisung gar gebacken werden.

Nein, ein routinemäßiger Listeriose-Test vor einer geplanten Schwangerschaft wird nicht empfohlen. Die Infektion ist selten, und auch eine durchgemachte Listeriose hinterlässt keine dauerhafte Immunität. Sinnvoller als ein Test ist die konsequente Beachtung der Hygiene-Empfehlungen ab Beginn der Kinderwunschphase, idealerweise zusammen mit der Einnahme von Folsäure und einer bewussten Ernährungsumstellung.

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Stand: April 2026 – wir aktualisieren diesen Artikel regelmäßig.