Du nimmst den Kassenbon im Supermarkt entgegen und liest danach im Internet, dass BPA in der Schwangerschaft kritisch ist. Die kurze Antwort: gelegentlicher Kontakt ist deutlich weniger relevant als regelmäßige Exposition. Problematisch wird es vor allem bei häufigem Hantieren mit Thermopapier oder bei Heißgetränken in alten Polycarbonat-Behältern.
Bisphenol A ist ein hormonell wirksamer Stoff. Lange Zeit war er in Polycarbonat-Kunststoffen, Innenbeschichtungen von Konservendosen und Thermopapier zu finden.
In Babyflaschen ist BPA seit 2011 EU-weit verboten. Für Schnuller, Beißringe und Lebensmittelverpackungen gelten seit 2018 strenge Migrationsgrenzen. Ab 2025 wird BPA in Lebensmittelkontaktmaterialien stufenweise generell verboten.
Was du jetzt bei diesem Thema tun kannst
Drei einfache Routinen senken die BPA-Belastung deutlich, ohne dass du den Alltag radikal umstellen musst.
1. Glas oder Edelstahl statt Plastik
Trinkflaschen, Brotdosen und Vorratsbehälter aus Glas oder Edelstahl sind eine BPA-arme Alternative. Polycarbonat-Behälter (oft mit Recycling-Code 7) geben bei Hitze und Säure mehr BPA ab. Heißgetränke, Tomatensoße oder Zitrussaft bewahrst du sicherer in Glas oder Edelstahl auf.
2. Thermokassenbons mit trockenen Händen
Häufiges Hantieren mit Kassenbons reduzieren, vor allem mit feuchten oder eingecremten Händen. Bons nicht zwischen Hautfalten am Bauch klemmen, nicht im Mund halten.
BPA in Thermopapier ist in der EU seit 2020 stark beschränkt. Viele Kassenbons werden inzwischen mit phenolfreien Alternativen produziert. Die größte Risikogruppe bleibt Kassenpersonal mit täglichem Kontakt.
3. Konservendosen sparsam einsetzen
Innenbeschichtungen mancher Konservendosen können BPA enthalten. Diese Alternativen reduzieren die Exposition spürbar:
- Frische oder tiefgekühlte Lebensmittel statt Konserven
- Glaskonserven oder Tetra-Pak statt Metalldosen
- BPA-frei gekennzeichnete Dosen bevorzugen
- Konserven nicht direkt in der Dose erhitzen
- Nach dem Öffnen Reste umfüllen, nicht in der Dose lagern
Was ist BPA und warum ist es problematisch?
Bisphenol A ist eine Industriechemikalie, die jahrzehntelang in Polycarbonat-Kunststoffen, Innenbeschichtungen von Konservendosen und Thermopapier eingesetzt wurde. Der Stoff wirkt hormonell und gilt heute als endokriner Disruptor.
In der Schwangerschaft ist die Belastung besonders relevant, weil BPA über die Plazenta auf das ungeborene Kind übergehen kann. Im Tierversuch und in epidemiologischen Studien wurden Effekte auf hormonelle Entwicklung, Geschlechtsorgane und Verhaltensentwicklung beschrieben, die genaue Übertragbarkeit auf den Menschen wird weiter erforscht.
Der Grenzwert seit 2023: 20.000-mal niedriger
Der tolerierbare Tagesaufnahmewert der EFSA für BPA wurde 2023 auf 0,2 Nanogramm pro kg Körpergewicht gesenkt. Das ist etwa 20.000-mal niedriger als die vorherige Empfehlung. Hintergrund waren neue Studien zur immunologischen Wirkung des Stoffes. Das deutsche BfR bewertet die Datenlage methodisch anders und hält einen höheren Wert für angemessen, rät Schwangeren aber ebenfalls zu bewusster Reduktion.
| Produkt | BPA-Risiko | Empfehlung |
|---|---|---|
| Babyflaschen | Verboten seit 2011 | Aktuelle Modelle BPA-frei |
| Schnuller, Beißring | Strenge Migrationsgrenzen seit 2018 | Auf „BPA-frei" achten bei Importware außerhalb der EU |
| Trinkflasche Erwachsene | Variabel | Glas oder Edelstahl bevorzugen |
| Konservendose | Innenbeschichtung kann BPA enthalten | Frisch / TK / Glaskonserve bevorzugen |
| Thermokassenbon | Häufiger Hautkontakt problematisch | Trockene Hände, kurzer Kontakt |
| Alter Plastikbehälter | BPA möglich, Code 7 prüfen | Heiße Speisen meiden, ggf. ersetzen |
Der BPA-Grenzwert der EFSA wurde 2023 um den Faktor 20.000 gesenkt. Auch wenn der Alltagskonsum diese Grenze meist überschreitet, gilt: bewusste Reduktion reicht aus, eine radikale Umstellung ist nicht nötig.
EFSA, Neubewertung von Bisphenol A, 2023
Praktische Reduktion im Alltag
In Babyflaschen ist BPA seit 2011 EU-weit verboten. Für Babyartikel und Lebensmittelverpackungen gelten seit 2018 strenge Migrationsgrenzen. Ab 2025 wird BPA in Lebensmittelkontaktmaterialien stufenweise generell verboten.
Im Alltag findest du BPA-Reste vor allem noch bei älteren Polycarbonat-Behältern und einigen Konservenbeschichtungen. Auf modernem Thermopapier kommt es seltener vor.
Konkrete Empfehlungen für Schwangere und Kleinkindeltern:
- Heißgetränke und säurehaltige Speisen nicht in Plastikbehältern aufbewahren. Hitze und Säure lösen BPA aus dem Material.
- Trinkflaschen aus Glas oder Edelstahl bevorzugen. Auch unterwegs gut handhabbar, viele Anbieter mit isolierter Doppelwand.
- Kassenbons möglichst nicht über Bauch-Hautfalten reichen lassen. Trockene Hände beim Greifen, schnell wegstecken oder ablehnen.
- Bei Unsicherheit beim Hersteller nachfragen. Die Materialangabe und „BPA-frei"-Kennzeichnung steht meist im Beipackzettel oder online.
- Alte Plastikbehälter mit Recycling-Code 7 ersetzen. Kratzer und Trübungen sind Hinweise, dass das Material nicht mehr stabil ist.
Die 5 häufigsten Fehler im Umgang mit BPA
Im Beratungsalltag tauchen immer wieder dieselben Stolpersteine auf. Diese fünf Fehler kannst du leicht vermeiden.
- Heißgetränke in alte Plastikbehälter füllen. Hitze löst BPA besonders effektiv aus. Glas oder Edelstahl für heißen Tee und Kaffee.
- Säurehaltige Tomatensoße in Konserven lagern. Säure plus Konservenbeschichtung = höchste BPA-Auslösung. Soße nach Öffnen sofort umfüllen.
- Mit eingecremten Händen Kassenbons greifen. Lotion und Hautcreme beschleunigen die Aufnahme. Bons mit trockenen Fingern oder mit Pinzette nehmen, im Zweifel ablehnen.
- Importspielzeug ohne CE-Zeichen kaufen. Außerhalb der EU gelten die strengen Vorgaben nicht. Bei Beißringen, Trinkflaschen, Schnullern auf europäische Konformität achten.
- Wegen BPA in Panik geraten. Bewusste Reduktion reicht. Eine vollständige Vermeidung ist im Alltag kaum möglich und auch nicht nötig.
Häufige Fragen zu diesem Thema
Die Fragen, die zu diesem Thema am häufigsten gestellt werden.
BPA wirkt hormonell und kann über die Plazenta zum Kind gelangen. Der Tagesaufnahme-Grenzwert wurde 2023 stark gesenkt. Eine bewusste Reduktion (BPA-freie Behälter, weniger Konservendosen, Kassenbons meiden) reicht für Schwangere aus.
Nein. Seit 2011 ist BPA in Polycarbonat-Babyflaschen EU-weit verboten. Für weitere Babyartikel und Lebensmittelverpackungen gelten seit 2018 strenge Migrationsgrenzen. Ab 2025 wird BPA in Lebensmittelkontaktmaterialien stufenweise generell verboten.
Achte auf eine ausdrückliche „BPA-frei"-Kennzeichnung. Recycling-Codes 1, 2, 4 und 5 bezeichnen Polymertypen, die in der Regel kein BPA enthalten, sind aber keine vollständige Garantie. Polycarbonat (Code 7) kann BPA enthalten. Glas und Edelstahl sind eine BPA-arme Alternative.
Häufiges Hantieren mit Thermopapier-Kassenbons solltest du in der Schwangerschaft reduzieren, vor allem mit feuchten oder eingecremten Händen. Bons nicht zwischen Hautfalten am Bauch klemmen. Gelegentlicher Kontakt ist unbedenklich.
Nein. Viele Hersteller stellen auf BPA-freie Innenbeschichtung um, das Etikett gibt Auskunft. Frisches oder tiefgekühltes Gemüse ist die einfachere Alternative. Säurehaltige Konserven (Tomaten) sind am kritischsten.
Das Produkt enthält kein Bisphenol A. Manche Hersteller ersetzen es durch verwandte Stoffe wie BPS oder BPF, deren hormonelle Wirkung ähnlich sein kann. Im Zweifel sind Materialien ohne Bisphenole (Glas, Edelstahl) die sicherste Wahl.
Stand: Juni 2026. Wir aktualisieren diesen Artikel regelmäßig.




