Nabelschnurblut ist das Blut, das nach der Geburt in der Nabelschnur und der Plazenta verbleibt. Es enthält hämatopoetische Stammzellen, also Blut-bildende Zellen, die bei bestimmten Erkrankungen (Leukämie, einige Erbkrankheiten, Stoffwechselkrankheiten) für eine Stammzell-Transplantation eingesetzt werden können. Eltern haben nach der Geburt drei Optionen: Spende, private Einlagerung oder gar nichts tun.
Der Entscheidungsprozess sollte in der Schwangerschaft stattfinden, weil die Entnahme direkt nach der Geburt geplant werden muss. Manche Anbieter machen Werbung für die private Einlagerung, der medizinische Nutzen ist aber begrenzt. Die IGeL-Bewertung und Fachgesellschaften sehen die private Einlagerung kritisch.
Was bedeutet das in der Praxis?
Direkt nach der Geburt wird die Nabelschnur abgeklemmt und durchtrennt. Das Restblut in der Nabelschnur (etwa 80-150 ml) kann aufgefangen und entweder gespendet, eingelagert oder verworfen werden. Die Entnahme ist nicht-invasiv, schmerzfrei und beeinflusst weder Mutter noch Baby.
Die Nabelschnur sollte heute generell verzögert (1-3 Min nach Geburt) abgeklemmt werden, damit das Baby möglichst viel Restblut bekommt. Das gilt unabhängig davon, ob Nabelschnurblut entnommen wird oder nicht. Sprich mit der Hebamme über den Geburtsplan, das frühe Abklemmen ist heute nicht mehr Standard.
Spende vs. private Einlagerung
| Öffentliche Spende | Private Einlagerung | |
|---|---|---|
| Kosten | Kostenlos | 1500-3000 € Setup, 30-100 € Jahresgebühr |
| Wer kann es nutzen? | Beliebige passende Empfänger weltweit | Eigenes Kind oder Geschwister mit passenden Werten |
| Anbieter | Öffentliche Stammzellbanken (z.B. Köln, Düsseldorf, Mannheim) | Private Anbieter (z.B. Vita 34, FamiCord, Cellebrate) |
| Verfügbar in | Etwa 90 Geburtskliniken in DE | Über Anmeldung in jeder Klinik möglich |
| Wahrscheinlichkeit der Eigennutzung | n/a | 1:20.000 bis 1:200.000 |
| Empfehlung | Empfohlen von DGGG und DGPI | Von Fachgesellschaften nicht empfohlen |
Wie läuft die Entnahme ab?
- Anmeldung in der Schwangerschaft: spätestens ab SSW 30 anmelden, je nach Anbieter. Bei öffentlicher Spende prüft die Bank, ob die Klinik mitmacht.
- Information beim Aufnahmegespräch in der Klinik: Hebamme und OP-Team werden informiert, das Material wird bereitgestellt.
- Nach der Geburt: die Nabelschnur wird wie üblich abgeklemmt, das Restblut wird über eine Punktion in einen sterilen Beutel aufgefangen.
- Versand und Aufbereitung: die Probe geht zur Stammzellbank und wird dort verarbeitet, getestet und tiefgefroren.
- Bei öffentlicher Spende: die Probe wird in das internationale Stammzellregister aufgenommen und kann weltweit Empfängern helfen.
- Bei privater Einlagerung: die Probe bleibt für die Familie reserviert, jährliche Gebühren laufen.
Was empfehlen Fachgesellschaften?
Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) und die Deutsche Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie (DGPI) empfehlen Spende, nicht private Einlagerung. Argumente:
- Die Wahrscheinlichkeit, dass dein Kind sein eigenes Nabelschnurblut braucht, ist sehr gering (etwa 1 zu 20.000 bis 1 zu 200.000).
- Bei vielen Erkrankungen, für die Stammzellen helfen, sind die eigenen Zellen nicht geeignet (z.B. genetische Erkrankungen sind in den eigenen Zellen ja angelegt).
- Eine Spende kommt direkt einem Patienten zugute, der dringend Stammzellen braucht.
- Die Kosten der privaten Einlagerung stehen in keinem Verhältnis zum medizinischen Nutzen für die eigene Familie.
Wenn du familiäre Vorbelastung mit hämatologischen Erkrankungen hast (z.B. Leukämie bei einem Geschwisterkind), kann eine private Einlagerung sinnvoll sein. Lass dich in dem Fall in einer hämatologischen Klinik beraten.
Häufige Fragen
Die Fragen, die Eltern uns zu diesem Thema am häufigsten stellen.
Nein. Die Entnahme erfolgt aus der Nabelschnur, nachdem sie bereits abgeklemmt und durchtrennt wurde. Das Baby bekommt keine Verletzung, kein Blutverlust. Wichtig ist, dass die Nabelschnur nicht zu früh abgeklemmt wird, damit das Baby noch das Plazenta-Restblut zurückbekommt.
Ja, sowohl bei vaginaler Geburt als auch bei Kaiserschnitt. Das OP-Team weiß Bescheid und führt die Entnahme genauso durch.
Bei richtiger Lagerung in flüssigem Stickstoff (-196 °C) sehr lange. Studien gehen von 20-30 Jahren aus, die Langzeit-Erfahrung ist aber begrenzt, weil die Methode noch nicht so alt ist.
Sie bleiben in der öffentlichen Stammzellbank verfügbar. Wenn nach Jahren die Qualität nachlässt, werden sie aus dem Register genommen und ggf. zur Forschung freigegeben (mit deiner Zustimmung).
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Stand: April 2026 – wir aktualisieren diesen Artikel regelmäßig.
