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Nabelschnurblut

Nabelschnurblut enthält Stammzellen, die nach der Geburt gesammelt und eingelagert werden können (privat oder öffentlich). Private Einlagerung kostet 1.500-3.500 Euro. DGGG empfiehlt öffentliche Spende.

Mamenza-Redaktion
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Inhaltlich abgeglichen mitG-BA·BZgA·DGGG·AWMF
Nabelschnurblut

Im Geburtsvorbereitungskurs erwähnt die Hebamme „Nabelschnurblut spenden oder einlagern", und in deinem Briefkasten landet eine Werbe-Broschüre eines privaten Anbieters. Die wichtigste Antwort vorab: die kostenfreie öffentliche Spende ist medizinisch wertvoller als die teure private Einlagerung, der Eigenbedarf ist statistisch sehr selten.

Nabelschnurblut enthält wertvolle Stammzellen, die nach der Geburt aus der bereits durchtrennten Nabelschnur entnommen werden können. Der Vorgang ist für Mutter und Kind schmerzfrei. Zwei Wege stehen offen: kostenfreie öffentliche Spende oder kostenpflichtige private Einlagerung.

Was du jetzt bei diesem Thema tun kannst

Drei Schritte, die zwischen Woche 28 und 36 anstehen.

1. Klinik fragen, ob Spende möglich ist

Nicht jede Geburtsklinik ist an eine öffentliche Stammzellbank (DKMS Cord Blood Bank, José Carreras Stiftung) angeschlossen. Frag im Anmeldegespräch oder beim Vorgespräch in Woche 32-34, ob deine Wunschklinik die Entnahme durchführen kann und welche Bank angebunden ist.

2. Wenn private Einlagerung erwogen wird, Vertrag prüfen

Vor Vertragsunterzeichnung diese Punkte beim Anbieter klären:

  • Einmalkosten und jährliche Lagergebühren über 20-30 Jahre hochrechnen
  • Was passiert bei Insolvenz des Anbieters mit dem Material?
  • Gibt es Garantien für eine spätere medizinische Anwendbarkeit? (Antwort: nein)
  • Bei welchen Indikationen wäre eine Eigen-Anwendung überhaupt möglich?
  • Gibt es Erfahrungsberichte von tatsächlich durchgeführten Eigentherapien?

3. Hebamme und Klinik in den Plan einweihen

Sobald die Entscheidung gefallen ist, Hebamme und Klinik informieren. Das Entnahme-Set muss bereitliegen, idealerweise schon in der Kliniktasche dabei. Bei Spende kümmert sich die Klinik um die Logistik, bei privater Einlagerung schickt der Anbieter ein Set zu.

Wie die Entnahme abläuft

Die Entnahme erfolgt nach der Geburt, wenn die Nabelschnur bereits durchtrennt ist. Der Vorgang ist schmerzfrei und beeinflusst weder den Geburtsverlauf noch das Wohlbefinden deines Kindes. Sowohl bei vaginaler Geburt als auch bei Kaiserschnitt ist eine Entnahme möglich.

Das Blut wird aus der Nabelschnurvene in einen sterilen Beutel abgeleitet, dauert nur wenige Minuten. Anschließend wird es in einem spezialisierten Labor aufbereitet, typisiert und je nach Wahl in einer öffentlichen oder privaten Stammzellbank eingelagert.

Privat einlagern oder öffentlich spenden?

Eltern haben in Deutschland zwei Optionen, mit deutlich unterschiedlichen Kosten und medizinischer Bewertung.

AspektÖffentliche SpendePrivate Einlagerung
Kosten€0€1.500 bis €3.500 + €30 bis €150/Jahr
VerfügbarkeitWeltweit für passende PatientenNur für eigene Familie
AnbieterDKMS Cord Blood Bank, José CarrerasVita 34, FamiCord u. a.
Empfehlung FachgesellschaftDGGG, BÄK empfehlenBegrenzte medizinische Evidenz
Eigen-Anwendung wahrscheinlichSehr seltenSehr selten
Bei genet. ErkrankungenAndere Spender werden gesuchtEigene Stammzellen ungeeignet

Private Anbieter wie Vita 34 verlangen einmalig etwa 1.500 bis 3.500 Euro für die Aufbereitung sowie jährliche Lagergebühren von 30 bis 150 Euro über 20-30 Jahre. Eine Garantie für eine spätere medizinische Verwendung gibt es nicht, die Bundesärztekammer schätzt die Wahrscheinlichkeit eines Eigenbedarfs als sehr gering ein.

Bei genetisch bedingten Erkrankungen sind die eigenen Stammzellen ohnehin nicht geeignet, weil sie dieselbe Genetik tragen. Die öffentliche Spende ist deshalb in den meisten Fällen die medizinisch sinnvollere Option.

Bundesärztekammer, Stellungnahme zur Nabelschnurblut-Einlagerung, 2017

Wer entscheidet, und welche Rolle spielen Klinik und Hebamme?

Die Entscheidung liegt bei euch als Eltern. Hebammen und Ärzte beraten umfassend, sprechen aber keine Empfehlung für oder gegen eine private Einlagerung aus, das ist eine bewusste Zurückhaltung wegen der wirtschaftlichen Interessen privater Anbieter.

Die zentralen Punkte zur Entscheidungsfindung:

  • Ihr entscheidet als Eltern, ob eine Einlagerung oder Spende erfolgen soll
  • Hebamme und Frauenärztin beraten neutral, sprechen aber keine Empfehlung aus
  • Die GKV übernimmt die Kosten für die private Einlagerung in der Regel nicht
  • Die öffentliche Spende ist kostenfrei und medizinisch besonders wertvoll
  • Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) reguliert die Stammzellbanken, zusätzlich die Landesbehörden

Die 5 häufigsten Fehler bei Nabelschnurblut

Im Beratungsalltag tauchen immer wieder dieselben Stolpersteine auf. Diese fünf Fehler kannst du leicht vermeiden, wenn du sie kennst.

  1. Werbeversprechen privater Anbieter glauben. „Biologische Lebensversicherung" ist Marketing, keine medizinische Realität. Eigenbedarf ist statistisch sehr selten, bei genetischen Erkrankungen ohnehin ungeeignet.
  2. Spende als „Verlust" sehen. Die öffentliche Spende rettet konkret Leben anderer Patienten. Das ist medizinisch wertvoller als private Einlagerung mit unklarem Eigennutzen.
  3. Entscheidung erst kurz vor Geburt treffen. Klinik und Anbieter brauchen Vorlauf für die Logistik. Bis Woche 36 muss die Entscheidung stehen, idealerweise vorher.
  4. Nicht prüfen, ob Klinik überhaupt entnimmt. Nicht jede Klinik ist an eine öffentliche Bank angeschlossen oder bereit, mit privaten Anbietern zu kooperieren. Vorher fragen.
  5. Vertragsdetails der privaten Anbieter überfliegen. Gesamtkosten über 20-30 Jahre hochrechnen, Insolvenzschutz prüfen, Anwendungs-Indikationen kritisch hinterfragen.

Häufige Fragen zu diesem Thema

Die Fragen, die zu diesem Thema am häufigsten gestellt werden.

Anbieter wie Vita 34 verlangen einmalig zwischen 1.500 und 3.500 Euro für Aufbereitung und Erst-Einlagerung. Hinzu kommen jährliche Lagergebühren von 30 bis 150 Euro. Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt diese Kosten in der Regel nicht.

Bei der öffentlichen Spende werden die Stammzellen kostenfrei für die internationale Knochenmarksuche bereitgestellt. Bei der privaten Einlagerung bleibt das Blut für die eigene Familie reserviert, kostet aber mehrere tausend Euro über 20 bis 30 Jahre. DGGG und Bundesärztekammer empfehlen die öffentliche Spende.

Spätestens bis zur 36. Schwangerschaftswoche, damit Klinik und Hebamme das Entnahmeset bereitstellen können. Eine Beratung zwischen SSW 28 und 34 ist ideal, weil dann genug Zeit für Vertragsdetails und Logistik bleibt.

Nein. Die Entnahme erfolgt erst nach der Abnabelung aus der bereits durchtrennten Nabelschnur und dauert nur wenige Minuten. Sie ist für Mutter und Kind völlig schmerzfrei und beeinflusst weder den Geburtsverlauf noch das Wochenbett.

Die Bundesärztekammer schätzt die Wahrscheinlichkeit eines Eigenbedarfs als sehr gering ein. Bei genetisch bedingten Erkrankungen sind die eigenen Stammzellen ohnehin nicht geeignet. Eine Garantie auf medizinische Verwendung gibt kein Anbieter.

Eine berechtigte Frage, die du vor Vertragsunterzeichnung explizit klären solltest. Manche Anbieter haben Insolvenzschutz mit Übertragung an eine Partner-Bank, andere nicht. Bei Unklarheit kann ein anderer Anbieter die sichere Wahl sein.

Stand: Juni 2026. Wir aktualisieren diesen Artikel regelmäßig.

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