Der NIPT (nicht-invasiver Pränataltest) ist ein Bluttest aus dem mütterlichen Venenblut, der ab der 10. Schwangerschaftswoche bestimmte chromosomale Anomalien beim Ungeborenen nachweisen kann. Er screent auf die drei häufigsten Trisomien (21, 18 und 13) sowie auf Geschlechtschromosomen-Abweichungen.
Anders als die invasive Amniozentese oder Chorionzottenbiopsie ist der NIPT für das Baby risikofrei, weil nur ein Bluttest bei der Mutter gemacht wird. Seit 2022 ist der Test für bestimmte Risikogruppen Kassenleistung der gesetzlichen Krankenkasse, in den Mutterschafts-Richtlinien festgelegt.
Was bedeutet das in der Praxis?
Für den Test wird eine Blutprobe von der werdenden Mutter benötigt. Im Labor lässt sich aus dem mütterlichen Blut kindliche Erbsubstanz (zellfreie fetale DNA) isolieren und auf Auffälligkeiten prüfen. Das Ergebnis liegt in der Regel nach etwa 7 bis 10 Tagen vor.
Ein auffälliger Befund bedeutet nicht automatisch, dass das Kind betroffen ist. Der NIPT liefert eine Wahrscheinlichkeitsaussage, keinen sicheren Befund. Bei einem positiven Ergebnis wird eine Bestätigung durch invasive Methoden (Chorionzottenbiopsie ab SSW 11 oder Amniozentese ab SSW 15) empfohlen, um eine endgültige Diagnose zu stellen. Beratung dazu erfolgt durch eine humangenetische Praxis oder die Feindiagnostik.
Was wird beim NIPT erkannt?
- Trisomie 21 (Down-Syndrom): häufigste chromosomale Anomalie, etwa 1 von 700 Neugeborenen. NIPT-Genauigkeit über 99 Prozent.
- Trisomie 18 (Edwards-Syndrom): seltener, oft mit schweren Fehlbildungen. NIPT-Genauigkeit etwa 98 Prozent.
- Trisomie 13 (Pätau-Syndrom): sehr selten, oft mit komplexen Fehlbildungen. NIPT-Genauigkeit etwa 90 Prozent.
- Geschlechtschromosomen-Anomalien: Turner-Syndrom (45,X), Klinefelter-Syndrom (XXY), Triple-X (XXX), XYY. Genauigkeit variabel je nach Anomalie.
- Zusätzliche Erweiterungen (je nach Anbieter): Mikrodeletionen, einzelne Genmutationen. Diese sind nicht alle Kassenleistung und ihre Aussagekraft ist begrenzter.
Anders als die Feindiagnostik, die anatomische Fehlbildungen sichtbar macht, schaut der NIPT nur auf chromosomale Auffälligkeiten. Beide Tests ergänzen sich.
Wie läuft der Test ab?
- Beratung: Vorab spricht die Frauenärztin oder Pränataldiagnostikerin mit dir über Indikation, Aussagekraft und mögliche Konsequenzen eines auffälligen Befunds. Diese Beratung ist Pflicht und Kassenleistung.
- Blutabnahme: einfache venöse Blutentnahme aus dem Arm, ähnlich wie bei der Routine-Vorsorge. Du musst nicht nüchtern sein.
- Laboranalyse: die Probe wird in ein Speziallabor geschickt, dort wird die fetale DNA isoliert und auf Trisomien geprüft.
- Ergebnis: nach 7 bis 10 Tagen erhältst du ein schriftliches Ergebnis. Bei einem auffälligen Befund wird die Frauenärztin dich kontaktieren und das weitere Vorgehen besprechen.
- Bei auffälligem Befund: Bestätigung durch invasive Diagnostik wird empfohlen. Du entscheidest, ob du diese in Anspruch nimmst.
Was kostet er und wer zahlt?
| Kassenleistung | IGeL (Selbstzahler) | |
|---|---|---|
| Voraussetzung | Auffälliges Ersttrimester-Screening, familiäre Belastung, frühere Schwangerschaft mit Trisomie, oder andere medizinische Gründe | Keine medizinische Voraussetzung, jederzeit ab SSW 10 möglich |
| Vorab-Beratung | Kassenleistung | Privat zu bezahlen |
| Test-Kosten | Kasse trägt vollständig | 250 bis 450 Euro je nach Anbieter und Umfang |
| Bestätigungstest (Amniozentese) | Kasse | Kasse bei auffälligem NIPT-Befund |
Die Indikationsstellung trifft die Frauenärztin. Wenn die medizinische Voraussetzung erfüllt ist, erfolgt die Abrechnung direkt mit der Kasse. Sonst läuft der Test als IGeL-Leistung und du zahlst direkt im Labor.
Grenzen und Aussagekraft
Der NIPT ist sehr genau, aber nicht 100 Prozent perfekt. Wichtige Einschränkungen:
- Falsch-positive Ergebnisse sind selten, kommen aber vor (1-2 Prozent). Deshalb ist eine Bestätigung durch invasive Tests bei positivem Befund Standard.
- Falsch-negative Ergebnisse sind sehr selten (unter 0,1 Prozent), bedeuten aber: ein unauffälliger Befund schließt nicht 100 Prozent aller Trisomien aus.
- Kein Ergebnis möglich: bei etwa 1-3 Prozent der Tests ist die Probe nicht auswertbar (zu wenig fetale DNA, technische Probleme). Wiederholung oft erfolgreich.
- Nicht alle Erkrankungen werden abgedeckt. Stoffwechsel-Erkrankungen, Mutationen einzelner Gene oder die meisten genetischen Syndrome erkennt der NIPT nicht.
- Anatomische Fehlbildungen sind nicht Gegenstand des NIPT, dafür ist die Feindiagnostik da.
Häufige Fragen
Die Fragen, die Eltern uns zu diesem Thema am häufigsten stellen.
Ab vollendeter SSW 10. Vorher ist die Menge an fetaler DNA im mütterlichen Blut zu gering für ein verlässliches Ergebnis. Optimal ist SSW 11-12, weil dann auch das Ersttrimester-Screening parallel laufen kann.
Ja. Es wird nur Blut der Mutter abgenommen, kein Eingriff am Baby. Anders als bei der Amniozentese oder Chorionzottenbiopsie besteht kein Fehlgeburts-Risiko durch den Test selbst.
Ein hoher Hinweis auf eine bestimmte Trisomie, aber kein endgültiger Befund. Eine invasive Bestätigung (Chorionzottenbiopsie ab SSW 11 oder Amniozentese ab SSW 15) wird empfohlen. Bis zur Bestätigung ist die psychische Belastung hoch, die humangenetische Beratung hilft dabei.
Technisch ja, weil der Test Geschlechtschromosomen prüft. In Deutschland darf das Geschlecht aber erst ab vollendeter SSW 14 mitgeteilt werden (PND-Gesetz). Wenn du das nicht wissen willst, kannst du es im Befund ausschließen lassen.
Das hängt von dir ab. Bei jüngeren Frauen (unter 35) ist das Hintergrundrisiko für Trisomien gering, ein NIPT als IGeL kostet 250-450 Euro. Manche entscheiden sich trotzdem dafür, andere verlassen sich auf das Ersttrimester-Screening und die Feindiagnostik. Ohne medizinische Indikation läuft der NIPT als Selbstzahler-Leistung.
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Stand: April 2026 – wir aktualisieren diesen Artikel regelmäßig.
