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Mutterpass: Was steht drin und was bedeutet es

Der Mutterpass ist dein wichtigstes Dokument in der Schwangerschaft. Was steht auf den 16 Seiten, was bedeuten Abkürzungen wie ED, Para oder SFA und wie gehst du im Alltag mit dem Pass um?

Mamenza-Redaktion
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Inhaltlich abgeglichen mitG-BA·bundesanzeiger.de·gesundheitsinformation.de·frauenaerzte
Mutterpass

Du sitzt nach der ersten Vorsorge zu Hause, schlägst den frischen Mutterpass auf und siehst Abkürzungen wie ED, Para 0/1, SFA und Hb. Die wichtigste Antwort vorab: du musst den Pass nicht von vorn bis hinten verstehen, aber die wichtigsten Felder einordnen können hilft, beim Termin gezielt nachzufragen.

Der Mutterpass ist ein bundesweit einheitliches Dokument auf Basis der Mutterschafts-Richtlinien des G-BA. Auf 16 Seiten je Schwangerschaft (der Pass umfasst 32 Seiten für bis zu zwei Schwangerschaften) dokumentiert er Blutgruppe, Antikörper, Vorsorgewerte, drei Ultraschalluntersuchungen und alle Risikobefunde, damit jede Klinik im Notfall sofort weiß, wo ihr steht.

Was du jetzt bei diesem Thema tun kannst

Drei Routinen machen den Pass zum verlässlichen Begleiter, statt zum Aktenordner in der Schublade.

1. Pass nach jeder Vorsorge fotografieren

Nach jedem Termin den frisch ausgefüllten Pass mit dem Handy abfotografieren, vor allem das Gravidogramm (Seite 7-8) und neue Eintragungen in den Befund-Katalogen. Geht das Original verloren, sind die Werte rekonstruierbar. Speichere die Fotos in einem eigenen Album „Mutterpass".

2. Pass immer in der Tasche

Egal ob Reise, Wochenende oder Notaufnahme, der Pass gehört in die Tasche. Klinikpersonal kann mit deinem Pass sofort die richtigen Entscheidungen treffen. Ohne Pass beginnt jede Notfall-Anamnese bei null.

3. Eintragungen kurz selbst durchgehen

Nach jedem Termin einmal kurz lesen, was eingetragen wurde. Diese vier Felder lohnen die schnelle Kontrolle:

  • Blutdruck (RR): stabil oder steigend? Werte über 140/90 sind kontrollbedürftig
  • Eiweiß und Zucker im Urin: Frühwarnung für Präeklampsie und Gestationsdiabetes
  • Hb-Wert: bei niedrigem Hämoglobin gezielt nach Eisenmangel fragen
  • Katalog-A- oder B-Eintragungen: alles über reine Vorsorge hinaus, bei Unklarheit nachfragen

Was ist der Mutterpass und warum bekommst du ihn?

Der Mutterpass basiert auf den Mutterschafts-Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA). Sobald deine Schwangerschaft bestätigt ist, stellt deine Frauenärztin den Pass aus, meist um Woche 6 bis 10, wenn die Herztöne erstmals nachweisbar sind.

Der Sinn ist einfach: alle relevanten Befunde stehen an einem Ort, in einer für jede Geburtshilfe-Einrichtung verständlichen Form. Wenn du in der 32. Woche auf einer Reise einen Notfall hast, kann jedes Krankenhaus sofort erkennen, ob du eine Präeklampsie-Anamnese, einen Gestationsdiabetes oder andere Risiken hast.

Der Pass bleibt während der gesamten Schwangerschaft bei dir. Deine Frauenärztin trägt nach jeder Vorsorge die aktuellen Werte ein. Auch deine Hebamme darf bestimmte Felder ausfüllen, etwa wenn sie die Vorsorge teilweise übernimmt. Geht der Pass verloren, stellt die Praxis einen Ersatzpass aus.

Was steht auf welcher Seite?

Der Mutterpass hat eine feste Struktur. Hier ein Überblick, was dich auf welcher Seite erwartet:

BereichInhalt
LaboruntersuchungenBlutgruppe, Rhesus, Antikörper-Suchtest, Röteln, Lues, ggf. weitere Werte
BeratungHIV-Test (nur die Durchführung dokumentiert, nicht das Ergebnis), Aufklärung
Anamnese und BefundkatalogeVorgeschichte, Katalog A (anamnestisch) und Katalog B (laufende Schwangerschaft)
Gravidogramm (Seite 7-8)Vorsorgewerte bei jedem Termin
Ultraschall-ScreeningsDrei Screenings (SSW 8-11, 18-21, 28-31)
Geburt und WochenbettGeburtsverlauf und Nachsorge

Du musst nicht jede Seite verstehen, um sicher durch die Schwangerschaft zu kommen. Trotzdem hilft es, die wichtigsten Eintragungen einordnen zu können, damit du Fragen stellen kannst, wenn etwas auffällt.

Abkürzungen und Begriffe verstehen

Die Eintragungen im Mutterpass sind kompakt und folgen einer eigenen Sprache. Die wichtigsten Begriffe einmal in Klartext:

  • ED (Errechneter Termin): voraussichtlicher Geburtstermin nach Naegele-Regel: erster Tag der letzten Periode + 7 Tage − 3 Monate + 1 Jahr.
  • Gravida: Anzahl aller bisherigen Schwangerschaften, einschließlich Fehlgeburten und Abbrüchen.
  • Para: Anzahl der Geburten lebensfähiger Kinder, üblicherweise ab etwa der 24. Woche. „Para 0" = noch keine Geburt.
  • SSW: Schwangerschaftswoche, gezählt ab dem ersten Tag der letzten Regelblutung.
  • SFA: Symphysen-Fundus-Abstand in cm, vom Schambein bis zum oberen Rand der Gebärmutter. Wächst etwa parallel zur SSW.
  • FHF / FHT: Fetalherzfrequenz / Fetalherztöne, ab Woche 12 bei jeder Vorsorge dokumentiert.
  • Hb-Wert: Hämoglobin im Blut in g/dl. Bei zu niedrigem Wert wird auf Eisenmangel geprüft.
  • RR: Riva-Rocci, Maßeinheit für Blutdruck. Werte über 140/90 mmHg sind kontrollbedürftig.

Die Buchstaben A und B sind keine Schulnoten, sondern Codes aus dem Befundkatalog der Mutterschafts-Richtlinien. Katalog A umfasst anamnestische Risiken (frühere Frühgeburten, schwere Erkrankungen, Mehrlingsschwangerschaften). Katalog B sammelt Befunde aus der laufenden Schwangerschaft: Blutdruckanstieg, Wachstumsabweichungen, vorzeitige Wehen, auffällige Laborwerte.

Eine Eintragung in Katalog B bedeutet nicht automatisch ein Problem, aber sie zeigt, dass etwas dokumentations- und beobachtungswürdig ist. Die Liste umfasst 52 Items (Katalog A 1-26, Katalog B 27-52), von Anämie bis vorzeitiger Wehentätigkeit.

Gemeinsamer Bundesausschuss, Mutterschafts-Richtlinien, 2024

Welche Werte werden bei jeder Vorsorge eingetragen?

Das Gravidogramm auf Seite 7-8 ist das Herzstück deines Mutterpasses. Hier siehst du auf einen Blick, wie sich die Schwangerschaft entwickelt. Bei jedem Termin werden mindestens diese Werte erhoben:

  • Blutdruck: soll stabil bleiben, plötzliche Anstiege sind ein Warnzeichen für Präeklampsie
  • Gewicht: durchschnittliche Zunahme 10-16 kg über die Schwangerschaft, sehr starke Sprünge prüft die Frauenärztin
  • Eiweiß und Zucker im Urin: Frühwarnzeichen für Präeklampsie bzw. Gestationsdiabetes
  • Hämoglobin: niedriger Wert zeigt mögliche Anämie an
  • Symphysen-Fundus-Abstand: wächst die Gebärmutter wie erwartet?
  • Fetalherztöne: Frequenz und Regelmäßigkeit, Indikator für das Wohl des Babys
  • Kindslage: ab Woche 30 zunehmend relevant, Schädellage / Beckenendlage / Querlage
  • Ödeme und Beschwerden: bei Auffälligkeiten zusätzlich vermerkt

Drei Ultraschall-Untersuchungen sind im Standardprogramm verankert: Erste-Trimester-Screening um Woche 10, Feindiagnostik um Woche 20 und das dritte Screening um Woche 30. Auf den Seiten 9-12 werden Schädel-Steiß-Länge, biparietaler Durchmesser, Femurlänge, Bauchumfang sowie Fruchtwassermenge und Plazenta-Position dokumentiert.

Die 5 häufigsten Fehler im Umgang mit dem Mutterpass

Im Beratungsalltag tauchen immer wieder dieselben Stolpersteine auf. Diese fünf Fehler kannst du leicht vermeiden, wenn du sie kennst.

  1. Pass zu Hause lassen. Egal wohin du gehst, der Pass gehört in die Tasche. Im Notfall ohne Pass beginnt jede Anamnese bei null und wertvolle Minuten gehen verloren.
  2. Eintragungen nie selbst lesen. Wer den Pass nach jedem Termin nicht durchgeht, übersieht eventuell Auffälligkeiten oder Fragen, die bis zum nächsten Termin warten müssen.
  3. Keine Foto-Kopien machen. Geht der Pass verloren, sind frühere Eintragungen anderer Praxen oft unwiederbringlich. Eine Handy-Aufnahme nach jeder Vorsorge dauert 30 Sekunden.
  4. Bei Katalog-B-Eintrag in Panik geraten. Ein B-Eintrag bedeutet engmaschigere Beobachtung, nicht zwingend ein Problem. Frag die Frauenärztin gezielt nach der Konsequenz.
  5. Pass an Personen geben, die ihn nicht brauchen. Der Pass enthält sensible Gesundheitsdaten. Nur an medizinisches Fachpersonal weitergeben, das ihn auch wirklich braucht.

Häufige Fragen zu diesem Thema

Die Fragen, die zu diesem Thema am häufigsten gestellt werden.

Bei der ersten Vorsorge zwischen SSW 6 und 10, sobald die Frauenärztin die Schwangerschaft mit Herztönen bestätigt hat. Du erhältst ihn kostenlos und behältst ihn bis nach der Geburt.

Deine Frauenärztin stellt einen Ersatzpass aus. Aktuelle Werte werden aus den Praxisakten übertragen, frühere Eintragungen anderer Praxen sind nicht immer rekonstruierbar. Eine Foto-Kopie nach jeder Vorsorge ist deshalb sinnvoll.

Katalog A umfasst anamnestische Risiken aus der Vorgeschichte, etwa frühere Frühgeburten oder schwere Erkrankungen. Katalog B sammelt Befunde aus der laufenden Schwangerschaft wie Blutdruckanstieg oder Wachstumsabweichung. Eine Eintragung bedeutet engmaschigere Beobachtung, nicht zwingend ein Problem.

Ja. Hebammen dürfen die meisten Vorsorge-Untersuchungen eigenständig durchführen und die entsprechenden Felder ausfüllen. Ultraschall und einige Laboruntersuchungen sind ärztlichen Praxen vorbehalten.

Nein, der HIV-Test ist freiwillig und nur mit ausdrücklicher Zustimmung möglich. Im Pass wird lediglich vermerkt, ob er durchgeführt wurde, nicht das Ergebnis. Medizinisch ist der Test sinnvoll, weil eine frühe Behandlung das Übertragungsrisiko aufs Baby auf nahe Null senkt.

Ja, der Mutterpass ist bundesweit standardisiert und unabhängig von der Versicherung. Privat Versicherte erhalten den gleichen Pass mit den gleichen Inhalten. Abrechnungsfragen werden separat geregelt.

Stand: Juni 2026. Wir aktualisieren diesen Artikel regelmäßig.

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