Wie viel Folsäure, ab wann und wie lange? Diese drei Fragen entscheiden, ob das Vitamin seinen Schutz überhaupt entfalten kann. Das Wichtigste zuerst: 400 Mikrogramm pro Tag, am besten schon bei Kinderwunsch, mindestens bis zur 12. Schwangerschaftswoche. Wer später dran denkt, fängt sofort an.
Folsäure ist das einzige Supplement, das Fachgesellschaften für alle Frauen mit Kinderwunsch klar empfehlen.
Warum Folsäure das Risiko für Spina bifida um bis zu 70 Prozent senkt
Folsäure gehört zur Gruppe der B-Vitamine. Folat ist die natürliche Form des Vitamins aus Lebensmitteln; Folsäure ist die synthetische Form in Nahrungsergänzungsmitteln und angereicherten Produkten. Sie ist entscheidend für die Zellteilung, besonders in der frühen Embryonalentwicklung.
In den ersten Wochen nach der Befruchtung bildet sich das Neuralrohr. Daraus entwickeln sich später Gehirn und Rückenmark. Schließt es sich nicht vollständig, entsteht ein Neuralrohrdefekt. Die bekannteste Form ist Spina bifida, der offene Rücken.
Eine ausreichende Folsäureversorgung vor und in der frühen Schwangerschaft senkt dieses Risiko um etwa 70 Prozent. Das Bundesinstitut für Risikobewertung und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung sprechen sich deshalb klar für eine gezielte Supplementierung aus.
Das Neuralrohr schließt sich bereits in der 4. bis 6. Schwangerschaftswoche. Zu diesem Zeitpunkt wissen viele Frauen noch gar nicht, dass sie schwanger sind. Genau deshalb ist der Beginn der Einnahme so zeitkritisch.
Wann du mit der Einnahme beginnst
400 Mikrogramm: Was hinter der empfohlenen Dosis steckt
Die DGE empfiehlt für Frauen mit Kinderwunsch 400 Mikrogramm synthetische Folsäure täglich, zusätzlich zu einer folatreichen Ernährung.
Der Bedarf steigt in der Schwangerschaft deutlich. Statt 300 Mikrogramm Folat-Äquivalent für Erwachsene rechnet die DGE in der Schwangerschaft mit 550 Mikrogramm pro Tag. Diesen erhöhten Bedarf deckst du sicher über die Kombination aus Ernährung und Supplement, nicht über das Essen allein.
Synthetische Folsäure aus Tabletten wird vom Körper besser aufgenommen als natürliches Folat aus Lebensmitteln. Deshalb gilt die Empfehlung ausdrücklich für das Supplement, nicht nur für die Ernährung.
In bestimmten Fällen wird eine höhere Dosis erwogen. Das betrifft Frauen, die bestimmte Medikamente nehmen (zum Beispiel gegen Epilepsie), die zuvor ein Kind mit Neuralrohrdefekt hatten oder die an Diabetes leiden. Ob das auf dich zutrifft, besprichst du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Welche Lebensmittel viel Folat enthalten und warum das allein nicht reicht
Folat steckt in vielen Lebensmitteln. Trotzdem reicht die Ernährung allein meist nicht aus, um den erhöhten Bedarf in der Frühschwangerschaft sicher zu decken. Das liegt an der schlechteren Bioverfügbarkeit von natürlichem Folat und an typischen Kochverlusten.
| Lebensmittel | Folat-Gehalt (pro 100 g) | Hinweis |
|---|---|---|
| Rinderleber | ca. 590 µg | in der Schwangerschaft wegen Vitamin A meiden |
| Grünkohl (roh) | ca. 187 µg | Kochverlust bis zu 50% |
| Feldsalat | ca. 145 µg | am besten roh essen |
| Linsen (gegart) | ca. 117 µg | gute pflanzliche Quelle |
| Kidneybohnen (gegart) | ca. 100 µg | günstig und alltagstauglich |
| Brokkoli (roh) | ca. 90 µg | kurz dünsten statt lang kochen |
| Orangen (100 ml Saft) | ca. 45 µg | frisch gepresst am besten |
| Vollkornbrot (1 Scheibe) | ca. 20 bis 30 µg | ergänzend, nicht als Hauptquelle |
| Ei (1 Stück) | ca. 23 µg | nur hart gekocht in der Schwangerschaft |
Du müsstest täglich sehr große Mengen folatreicher Lebensmittel essen, um allein durch die Ernährung 400 µg aufzunehmen. Dabei gehen beim Kochen oft 50 bis 90 Prozent des Folats verloren. Ein Supplement schließt diese Lücke zuverlässig.
Wann und wie du Folsäure am besten einnimmst
So gelingt die tägliche Einnahme
- Fester Zeitpunkt: Nimm Folsäure täglich zur gleichen Uhrzeit ein, zum Beispiel morgens zum Frühstück.
- Mit Wasser, nicht nüchtern: Mit einem Glas Wasser zur Mahlzeit ist die Verträglichkeit meist besser.
- Nicht vergessen bei Übelkeit: Wenn Übelkeit die Einnahme erschwert, sprich mit deiner Hebamme über alternative Einnahmezeitpunkte.
- Keine Doppelung durch Kombipräparat: Enthält dein Schwangerschaftsvitamin bereits 400 µg Folsäure, brauchst du kein zweites Supplement.
- Präparat zum Termin mitnehmen: Deine Ärztin oder dein Arzt kann die Zusammensetzung bei der Vorsorge prüfen.
Was tun, wenn du erst spät an Folsäure gedacht hast?
Viele Schwangerschaften sind ungeplant oder werden erst spät bemerkt. Wenn das bei dir so ist, fang jetzt sofort an, ohne Panik und ohne die Dosis selbst zu erhöhen.
Wenn du erst nach dem positiven Test oder weniger als 4 Wochen vor der Empfängnis beginnst, wird bis zum Ende des 1. Trimesters eine höhere Dosis von 800 Mikrogramm Folsäure pro Tag empfohlen. Sprich die genaue Dosis mit deiner Ärztin ab. Die Standardempfehlung von 400 µg gilt für Frauen, die rechtzeitig beginnen, also mindestens 4 Wochen vor der geplanten Schwangerschaft.
Ob eine höhere Dosis sinnvoll ist, hängt auch von deiner persönlichen Vorgeschichte ab. Dazu gehören frühere Schwangerschaften, eingenommene Medikamente und bestimmte Stoffwechselerkrankungen. Das schätzt deine Ärztin oder dein Arzt gemeinsam mit dir ein.
Was Folsäure nicht ersetzen kann
Folsäure ist wichtig, aber kein Allheilmittel. Eine ausgewogene Ernährung bleibt die Grundlage. Grünes Gemüse, Hülsenfrüchte, Vollkorn und frisches Obst liefern nicht nur Folat, sondern auch Ballaststoffe, Vitamine und Spurenelemente, die kein Supplement vollständig ersetzen kann.
Auch andere Nährstoffe spielen eine Rolle: Jod, Eisen bei nachgewiesenem Mangel, DHA bei geringem Fischverzehr und Vitamin B12 bei veganer Ernährung. Lass die passende Kombination individuell beraten, denn zu viel von manchen Nährstoffen, etwa Vitamin A als Retinol, kann schaden.
Auch in der Stillzeit bleibt der Bedarf erhöht: Die DGE empfiehlt stillenden Müttern 450 Mikrogramm Folat-Äquivalent pro Tag. Ob du dafür weiter ein Supplement nimmst, besprichst du am besten mit deiner Hebamme oder Ärztin.
Ein gutes Supplement muss nicht viele Inhaltsstoffe haben. Entscheidend ist, dass Folsäure enthalten ist und die Zusammensetzung zu dir passt.
Häufige Fragen
Die Fragen, die zu Folsäure in der Schwangerschaft am häufigsten gestellt werden.
Am besten schon bei Kinderwunsch. Viele Fachgesellschaften empfehlen den Start mindestens 4 Wochen vor der Schwangerschaft. Die Einnahme wird meist bis zum Ende des ersten Trimesters empfohlen. Wenn du später beginnst, starte sofort und sprich zeitnah mit deiner Ärztin oder Hebamme.
400 Mikrogramm täglich, zusätzlich zur Ernährung. Diese Menge gilt für Frauen mit normalem Risiko. Bei besonderen Risikofaktoren kann die Ärztin oder der Arzt eine höhere Dosis empfehlen. Dosiere niemals eigenständig höher.
Mindestens bis zum Ende des ersten Trimesters, also bis zur 12. Schwangerschaftswoche. Viele Frauen nehmen Folsäure in einem Kombipräparat auch länger ein. Das ist sinnvoll, wenn deine Hebamme oder Ärztin es empfiehlt.
Fang sofort an, das ist immer besser als gar nicht. Wenn du erst nach dem positiven Test oder weniger als 4 Wochen vor der Empfängnis beginnst, wird bis zum Ende des ersten Trimesters eine höhere Dosis von 800 Mikrogramm pro Tag empfohlen. Die genaue Dosis stimmst du mit deiner Ärztin ab.
In der Regel nicht sicher genug. Natürliches Folat wird schlechter aufgenommen als synthetische Folsäure im Supplement. Beim Kochen gehen bis zu 90 Prozent verloren. Deshalb ist ein gezieltes Supplement gerade in der Frühschwangerschaft wichtig.
Ein Folsäuremangel in der Frühschwangerschaft erhöht das Risiko für Neuralrohrdefekte wie Spina bifida. Das Neuralrohr schließt sich schon in der 4. bis 6. Schwangerschaftswoche, oft bevor die Schwangerschaft bekannt ist. Deshalb ist eine rechtzeitige Einnahme so wichtig.
Folat ist die natürliche Form des Vitamins B9 aus Lebensmitteln, Folsäure ist die synthetische Form in Supplementen. Folsäure wird vom Körper besser aufgenommen als natürliches Folat. In Empfehlungen ist meist die synthetische Folsäure gemeint.
Der Bedarf bleibt erhöht. Die DGE empfiehlt stillenden Müttern 450 Mikrogramm Folat-Äquivalent pro Tag. Ein Großteil lässt sich über folatreiche Ernährung decken. Ob ein Supplement nötig ist, besprichst du mit deiner Hebamme oder Ärztin.
HINWEIS
Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Alle Dosierungen und die Auswahl von Supplementen solltest du mit Ärztin, Arzt oder Hebamme abstimmen, besonders bei Vorerkrankungen, Medikamenten oder früheren Schwangerschaftskomplikationen.
Stand: Juni 2026. Wir aktualisieren diesen Artikel regelmäßig.



