Du hast Kopfschmerzen, Woche 14, und stehst vor dem Medizinschrank. Paracetamol oder lieber gar nichts? Die Faustregel: was Embryotox als unbedenklich einstuft, kannst du nehmen, in der niedrigsten wirksamen Dosis und nur so lange wie nötig.
Embryotox ist die Beratungsstelle der Charité Berlin und führt seit über 30 Jahren Daten zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit. Über 400 Wirkstoffe sind dort einzeln bewertet, kostenlos abrufbar.
Was du jetzt tun kannst
Drei Schritte, in dieser Reihenfolge. Sie ersetzen kein ärztliches Gespräch, aber sie sparen dir falsche Panik und falsche Sicherheit.
1. Embryotox.de prüfen
Wirkstoff in die Suche eingeben (nicht den Markennamen, sondern den INN, z.B. "Ibuprofen" statt "Aktren"). Embryotox zeigt eine eindeutige Einstufung: empfohlen, akzeptabel, mit Vorbehalt, kontraindiziert.
2. Hebamme oder Frauenärztin anrufen
Bei Akut-Beschwerden zuerst die Hebamme. Bei Dauermedikation immer die Frauenärztin oder den Facharzt, der das Medikament verordnet hat. Frag konkret: welche Dosis, wie lange, welche Alternative.
3. Apotheke als Backup
Apotheker haben Zugriff auf Embryotox-ähnliche Datenbanken (ABDA-DB) und können kontextbezogen beraten. Nicht als erste Anlaufstelle, aber als schneller Sanity-Check vor dem Wochenende.
Schmerzmittel: Paracetamol vs. Ibuprofen vs. ASS
Die häufigste Selbstmedikations-Frage. Embryotox-Stand 2024:
| Wirkstoff | 1. Trimester | 2. Trimester | 3. Trimester | Hinweis |
|---|---|---|---|---|
| Paracetamol | Mittel der Wahl | Mittel der Wahl | Mittel der Wahl | Niedrigste Dosis, max 3-5 Tage am Stück |
| Ibuprofen | Akzeptabel kurzzeitig | Akzeptabel kurzzeitig | Kontraindiziert ab Woche 28 | Risiko Ductus-arteriosus-Verschluss |
| ASS (Aspirin) | Akzeptabel kurzzeitig | Akzeptabel kurzzeitig | Kontraindiziert ab Woche 28 | Niedrigdosis (100-150mg) bei Präeklampsie-Risiko, Start vor SSW 16, bis ca. SSW 36 |
| Diclofenac | Akzeptabel kurzzeitig | Akzeptabel kurzzeitig | Kontraindiziert ab Woche 28 | Wie Ibuprofen |
Antibiotika: Welche Gruppen sind sicher?
Bei einer bakteriellen Infektion in der Schwangerschaft ist Nicht-Behandeln meist riskanter als Behandeln. Laut Embryotox gelten folgende Gruppen als gut untersucht und unbedenklich:
- Penicilline (Amoxicillin, Penicillin V): erste Wahl in jedem Trimester
- Cephalosporine (Cefuroxim, Cefpodoxim): zweite Wahl, gut verträglich
- Erythromycin, Azithromycin: bei Penicillin-Allergie
- Nitrofurantoin: bei Harnwegsinfekt, nicht in den letzten 4 Wochen
Vermeiden: Tetracykline (Doxycyclin) ab Woche 16 wegen Zahnverfärbung, Fluorchinolone (Ciprofloxacin) wegen möglichem Knorpel-Risiko. Bei Cotrimoxazol gilt: Trimethoprim im 1. Trimester meiden (Folsäure-Gegenspieler), Sulfonamide nahe der Geburt.
Antidepressiva und Schilddrüsen-Medikamente
Zwei Gruppen, die fast immer fortgesetzt werden müssen, weil das Absetzen oft gefährlicher ist als die Einnahme.
SSRI (Sertralin, Citalopram): die AWMF-Leitlinie zur Depression empfiehlt bei stabil eingestellten Frauen die Fortsetzung. Sertralin gilt als am besten untersucht. Paroxetin wird wegen erhöhtem Herzfehler-Risiko vermieden.
L-Thyroxin (bei Hashimoto): Bedarf steigt in der Schwangerschaft um 25-50%. TSH-Kontrolle alle 4-6 Wochen, Dosis nach Empfehlung der Endokrinologin anpassen, niemals selbst senken.
Pflanzliche Mittel: nicht automatisch sicher
"Natürlich" ist kein Sicherheitssiegel. Mehrere häufige Kräuter sind in der Schwangerschaft problematisch:
- Salbei (in hohen Dosen): wehenfördernd, Tee aus Beuteln okay, Konzentrate nicht
- Wermut, Beifuß: wehenfördernd, ganz vermeiden
- Petersilie (Konzentrat): wehenfördernd in Hochdosis
- Johanniskraut: Wechselwirkungen mit vielen Medikamenten, Embryotox: nur nach Rücksprache
- Hohe Kurkuma-Dosen: wehenfördernd, Gewürzmenge im Essen okay
Wann sofort zur Klinik
Bei diesen Symptomen nach Medikamenten-Einnahme keinen Tag warten:
5 Fehler, die fast alle machen
Diese Punkte tauchen in fast jeder Hebammen-Sprechstunde auf:
- Markennamen googeln statt Wirkstoff. Embryotox sucht nach INN. "Aktren" findet nichts, "Ibuprofen" alles.
- Pflanzlich = sicher. Salbei in Tee-Konzentrat ist nicht harmlos.
- Dauermedikation absetzen ohne Rücksprache. Asthma-Spray, L-Thyroxin, SSRI: weiter nehmen, dosierung prüfen lassen.
- Apotheker als alleinige Quelle. Gut für Sanity-Check, ersetzt aber nicht die Frauenärztin bei Dauerthemen.
- Ibuprofen ab Woche 28. Gilt auch für Diclofenac-Salben über große Hautflächen.
"Bei den meisten Beschwerden in der Schwangerschaft gibt es ein gut untersuchtes Medikament. Wer aus Angst nicht behandelt, riskiert oft mehr als wer evidenzbasiert behandelt."
Embryotox-Statement zur Selbstmedikation in der Schwangerschaft (2023)
Die folgenden Fragen kommen in der Mamenza-Beratung am häufigsten vor.
Häufige Fragen zu diesem Thema
Die Fragen, die zu diesem Thema am häufigsten gestellt werden.
Ja, in jedem Trimester. Niedrigste wirksame Dosis, max 3-5 Tage am Stück. Bei längerer Einnahme Rücksprache mit der Frauenärztin.
Ab Woche 28 kontraindiziert wegen vorzeitigem Verschluss des Ductus arteriosus beim Baby. Vorher kurzzeitig akzeptabel, aber Paracetamol ist erste Wahl.
Niemals eigenmächtig. Stabil eingestellte SSRI werden meist fortgesetzt, weil ein depressiver Rückfall in der Schwangerschaft mehr Risiko bringt als das Medikament. Sprich mit deiner Psychiaterin und Frauenärztin.
Nein. Salbei, Wermut, Beifuß, Johanniskraut und hohe Kurkuma-Dosen sind in der Schwangerschaft problematisch. Embryotox prüfen oder Apotheker fragen.
Salzwasser-Nasenspülung, viel trinken, Inhalation. Paracetamol bei Fieber. Schleimlöser wie Acetylcystein nur nach Rücksprache. Pseudoephedrin (Nasenspray) im 1. Trimester vermeiden.
Vor Woche 28 einmalige Einnahme meist ohne Folgen. Trotzdem Frauenärztin informieren. Ab Woche 28 zur Klinik zur CTG-Kontrolle.
Stand: Juni 2026. Wir aktualisieren diesen Artikel regelmäßig.




