Du sitzt beim Frauenarzt, Woche 25, und sie fragt: "Wann ist deine letzte Pertussis-Impfung?" Die STIKO empfiehlt in der Schwangerschaft Influenza und Pertussis, COVID-19 je nach Indikation; Lebendimpfungen sind tabu. Den RSV-Schutz bekommt das Baby nach der Geburt. Welche und warum, das ist hier zusammengefasst.
Empfohlen sind Nicht-Lebendimpfstoffe: Influenza und Pertussis in jeder Schwangerschaft, COVID-19 je nach Immunstatus und Indikation. Der RSV-Schutz erfolgt in Deutschland über Nirsevimab für das Neugeborene, nicht über eine routinemäßige mütterliche Impfung. Tabu sind Lebendimpfstoffe wie MMR oder Varizellen, die werden vor oder nach der Schwangerschaft gegeben.
Was du jetzt tun kannst
Drei Schritte, die du in einem 15-Minuten-Termin abklären kannst.
1. Impfausweis durchsehen
Pertussis wird in jeder Schwangerschaft empfohlen, unabhängig von der letzten Impfung. Influenza letzte Saison nicht geimpft? Dann diese Saison ja. COVID-19 je nach Immunstatus und Indikation mit der Ärztin klären.
2. Termin mit Frauenärztin oder Hausärztin
Beide dürfen impfen. Hebamme darf nicht selbst impfen, kann aber beraten. STIKO-Empfehlung gibt der Frauenärztin den Rahmen.
3. Pertussis im richtigen Fenster planen
Idealfenster Woche 28-32. So baut die Mutter Antikörper auf, die über die Plazenta übertragen werden und das Neugeborene in den ersten 3 Monaten schützen, bis es selbst grundimmunisiert werden kann.
Welche Impfung wann?
Die STIKO-empfohlenen Impf- und Schutzmaßnahmen rund um die Schwangerschaft, jeweils mit eigenem Zeitfenster:
| Impfung | Wann | Warum |
|---|---|---|
| Influenza | Saison Oktober-März, ab 2. Trimester | Senkt Frühgeburts- und Krankenhaus-Risiko |
| Pertussis (Tdap) | Woche 28-32, jede Schwangerschaft | Antikörper-Transfer schützt Neugeborenes |
| COVID-19 | Ab 2. Trimester, bei fehlender Basisimmunität oder Indikation | Senkt schweren Verlauf für Mutter und Frühgeburts-Risiko |
| RSV (Nirsevimab) | Dem Baby nach der Geburt (1. RSV-Saison) | STIKO-empfohlener Neugeborenen-Schutz |
Was tabu ist und warum
Lebendimpfstoffe enthalten abgeschwächte aber lebendige Erreger und sind in der Schwangerschaft kontraindiziert. Theoretisches Risiko der Übertragung auf das Baby:
- MMR (Masern, Mumps, Röteln): vor Schwangerschaft, mind. 1 Monat Abstand
- Varizellen (Windpocken): vor Schwangerschaft, mind. 1 Monat Abstand
- Gelbfieber: nur wenn Reise unvermeidbar, sonst meiden
- Nasenspray-Influenza (LAIV): die intramuskuläre Variante stattdessen
Pertussis: das wichtigste Detail
Pertussis (Keuchhusten) ist für junge Säuglinge besonders gefährlich, schwere Verläufe und Todesfälle treten vor allem in den ersten Lebensmonaten auf (RKI). Die mütterliche Impfung zu Beginn des 3. Trimenons schützt das Neugeborene in den ersten Lebensmonaten zu etwa 90%.
Die Impfung wird in jeder Schwangerschaft empfohlen, auch wenn die letzte Pertussis-Impfung erst 1-2 Jahre her ist. Mehrgebärende mit kurzen Abständen profitieren genauso.
RSV-Schutz: neu seit 2024
Die STIKO empfiehlt seit 2024 für alle Neugeborenen den monoklonalen Antikörper Nirsevimab, der dem Baby vor oder während der ersten RSV-Saison gegeben wird. Das ist die Standard-Empfehlung in Deutschland.
Die mütterliche RSV-Impfung (Abrysvo) ist in der EU zugelassen und kann eine Alternative sein; wurde die Mutter geimpft, braucht ein gesundes Neugeborenes meist kein Nirsevimab zusätzlich. Beides zusammen ist nicht vorgesehen. Besprich mit der Frauenärztin, was zu deinem Geburtstermin und der RSV-Saison passt.
"Die Pertussis-Impfung in der Schwangerschaft ist eine der wirksamsten präventiven Maßnahmen, die wir in der Schwangerenversorgung haben. Wer sie verpasst, übergibt dem Baby keinen Antikörper-Schutz für die ersten Lebensmonate."
STIKO-Empfehlung Pertussis-Impfung in der Schwangerschaft (2020)
Reise-Impfungen: was geht, was nicht
Reisen in der Schwangerschaft ist erlaubt, einige Reise-Impfungen aber nicht. Faustregel: Lebendimpfstoffe immer verschieben, Tot-Impfstoffe nach individueller Risiko-Abwägung.
| Impfung | Status | Hinweis |
|---|---|---|
| Hepatitis A, B | Erlaubt (Tot) | Bei Risiko-Reise |
| Tetanus, Diphtherie | Erlaubt (Tot) | Bei Auffrischung fällig |
| Tollwut | Erlaubt (Tot) | Bei Bissverletzung sofort |
| Gelbfieber | Vermeiden (Lebend) | Reise-Region neu wählen |
| Cholera (oral) | Vermeiden (Lebend) | Hygiene-Regeln statt |
5 Fehler, die fast alle machen
Diese Punkte tauchen in fast jeder Frauenarzt-Sprechstunde auf:
- Pertussis als "schon mal geimpft" abhaken. In jeder Schwangerschaft empfohlen, unabhängig von Vor-Impfungen.
- Influenza im 1. Trimester verschieben. Ab 2. Trimester ja, im 1. Trimester nur bei besonderem Risiko.
- COVID-19-Booster nicht ansprechen. Standard-Empfehlung wie bei Nicht-Schwangeren, ab 2. Trimester.
- RSV-Schutz fürs Baby vergessen. Seit 2024 wird Nirsevimab für alle Neugeborenen empfohlen, viele Eltern wissen noch nichts davon.
- Lebendimpfung kurz vor Schwangerschaft. Mind. 1 Monat Abstand zwischen MMR/Varizellen und geplanter Empfängnis.
Häufige Fragen zu diesem Thema
Die Fragen, die zu diesem Thema am häufigsten gestellt werden.
Die STIKO-empfohlenen Nicht-Lebendimpfungen (Influenza, Pertussis, COVID-19) sind gut untersucht und sicher. Lebend-Impfungen wie MMR sind tabu.
Alle STIKO-empfohlenen Impfungen sind GKV-Leistung, also kostenfrei. Auch Privat-Versicherte bekommen sie meistens erstattet.
Ja. Influenza und Pertussis können zusammen gegeben werden. COVID-19 idealerweise mit Abstand von 14 Tagen, aber gemeinsam möglich wenn nötig.
Kein Schwangerschaftsabbruch nötig. Bisher kein Fall einer realen kindlichen Schädigung dokumentiert. Embryotox-Beratung beruhigt meist.
Ja, alle Impfungen außer Gelbfieber sind in der Stillzeit erlaubt. MMR und Varizellen können dann nachgeholt werden, falls vorher nicht möglich.
In Deutschland ist Nirsevimab fürs Baby die STIKO-Standard-Empfehlung. Die mütterliche RSV-Impfung (Abrysvo) ist eine zugelassene Alternative; beides zusammen ist nicht vorgesehen. Besprich es mit der Frauenärztin.
Stand: Juni 2026. Wir aktualisieren diesen Artikel regelmäßig.




