Wie kommt der errechnete Geburtstermin (ET) zustande? Dahinter steckt eine einfache Rechnung aus dem 19. Jahrhundert: die Naegele-Regel. Sie zaehlt vom ersten Tag deiner letzten Periode 280 Tage weiter, also 40 Wochen. Diese 280 Tage sind die durchschnittliche Dauer einer Schwangerschaft, gerechnet ab dem Zyklusbeginn.
Der ET ist dabei ein Stichtag, kein Versprechen. Er markiert das Ende der 40. Schwangerschaftswoche. Die meisten Babys kommen in einem Fenster rund um diesen Tag zur Welt, nicht punktgenau an ihm.
So funktioniert die Naegele-Regel Schritt fuer Schritt
Die klassische Formel braucht nur den ersten Tag deiner letzten Regelblutung. Von diesem Datum aus rechnest du wie folgt:
- Nimm den ersten Tag der letzten Periode.
- Zaehle 7 Tage dazu.
- Ziehe 3 Monate ab.
- Zaehle 1 Jahr dazu.
Ein Beispiel: Deine letzte Periode begann am 1. Maerz 2026. Plus 7 Tage ergibt den 8. Maerz. Minus 3 Monate ergibt den 8. Dezember. Plus 1 Jahr ergibt den voraussichtlichen Geburtstermin am 8. Dezember 2026. Das Ergebnis ist identisch mit der direkten Variante: erster Tag plus 280 Tage.
Warum ab der letzten Periode und nicht ab der Zeugung?
Der Eisprung und damit die Befruchtung liegen bei einem typischen 28-Tage-Zyklus etwa 14 Tage nach dem ersten Tag der Periode. Die eigentliche Schwangerschaft dauert ab Befruchtung rund 266 Tage. Da der genaue Eisprung-Tag aber selten bekannt ist, rechnet die Naegele-Regel ab dem gut merkbaren ersten Periodentag.
| Bezugspunkt | Dauer bis zur Geburt | Entspricht |
|---|---|---|
| Erster Tag letzte Periode | 280 Tage | 40 Wochen |
| Eisprung / Befruchtung | 266 Tage | 38 Wochen |
| Differenz | 14 Tage | 2 Wochen |
Deshalb bist du rechnerisch schon in der 3. Schwangerschaftswoche, wenn die Befruchtung gerade erst stattgefunden hat. Die ersten zwei Wochen der Zaehlung waren ueberhaupt noch keine Schwangerschaft.
Zyklus-Korrektur bei nicht-28-Tage-Zyklus
Hast du einen regelmaessigen, aber laengeren oder kuerzeren Zyklus, lasst sich die Naegele-Regel anpassen. Die erweiterte Formel rechnet die Zyklus-Abweichung von 28 Tagen einfach mit ein.
- Laengerer Zyklus: bei 32 Tagen liegen 4 Tage ueber dem Standard. Du addierst diese 4 Tage zum errechneten Termin.
- Kuerzerer Zyklus: bei 25 Tagen liegen 3 Tage unter dem Standard. Du ziehst diese 3 Tage vom Termin ab.
- Faustregel: ET nach Naegele plus oder minus (Zykluslaenge minus 28 Tage).
Der Grund: ein laengerer Zyklus bedeutet meist einen spaeteren Eisprung. Die Befruchtung findet dann spaeter statt, also kommt auch das Baby rechnerisch etwas spaeter. Diese korrigierte Variante heisst auch Naegele-Regel mit Zyklus-Anpassung.
Die Konzeptions-Variante: rechnen ab dem Eisprung
Kennst du deinen Eisprung oder Zeugungstag genau, etwa durch Zyklus-Tracking, einen Ovulationstest oder eine kuenstliche Befruchtung, kannst du direkter rechnen. Dann zaehlst du ab dem Befruchtungstag 266 Tage weiter.
Diese Konzeptions-Variante ist genauer, weil sie die individuelle Zykluslaenge umgeht. Sie setzt voraus, dass der Zeitpunkt der Befruchtung wirklich bekannt ist und nicht nur geschaetzt. Bei einer kuenstlichen Befruchtung wird der Termin auf Basis des dokumentierten Transfertags berechnet, wobei das Alter des uebertragenen Embryos mit eingerechnet wird.
Wie verlaesslich ist der so errechnete Termin?
Die Naegele-Regel liefert einen guten Ausgangswert, aber keine Garantie. Nur ein kleiner Teil der Babys kommt genau am ET zur Welt. Als rechtzeitig gilt eine Geburt in einem breiten Fenster von mehreren Wochen rund um den Termin. Mehr dazu liest du im Beitrag, wie genau der errechnete Geburtstermin ist.
Der per Periode berechnete Termin wird beim Frauenarzt oft durch einen Frueh-Ultraschall ueberprueft. Weicht die Messung deutlich ab, kann der ET korrigiert werden. Wie diese Ultraschall-Korrektur funktioniert, erklaert ein eigener Beitrag.
Haeufige Fragen
Die Fragen, die zur Naegele-Regel am haeufigsten gestellt werden.
Vom ersten Tag deiner letzten Regelblutung. Nicht vom letzten Tag der Periode und nicht vom Eisprung. Von diesem ersten Tag aus werden 280 Tage gezaehlt, das sind volle 40 Schwangerschaftswochen.
280 Tage entsprechen 40 Wochen oder rund 9 Kalendermonaten plus ein paar Tage. Die Schwangerschaft wird in der Medizin in Wochen gezaehlt, weil das praeziser ist als die unterschiedlich langen Kalendermonate. Gerechnet wird ab dem ersten Tag der letzten Periode.
Bei einem regelmaessigen, aber nicht-28-taegigen Zyklus rechnest du die Abweichung dazu oder ziehst sie ab. Bei stark schwankenden Zyklen ist die Naegele-Regel ungenau. Dann ist der Frueh-Ultraschall in den Wochen 8 bis 12 die verlaesslichere Methode, um den Termin festzulegen.
Nur wenige Babys kommen exakt am errechneten Tag. Der ET ist ein statistischer Mittelwert. Die meisten Geburten liegen in einem Zeitfenster von einigen Wochen rund um den Termin. Das ist voellig normal und kein Grund zur Sorge.
Wenn du deinen Eisprung oder Zeugungstag genau kennst, zaehlst du ab diesem Tag 266 Tage weiter. Das umgeht die Annahme eines 28-Tage-Zyklus und ist daher genauer. Bekannt ist der Tag zum Beispiel nach Ovulationstest oder bei kuenstlicher Befruchtung.
Franz Karl Naegele war ein deutscher Geburtshelfer im 19. Jahrhundert. Die nach ihm benannte Regel ist bis heute die Grundlage der Termin-Berechnung. Moderne Rechner und der Ultraschall bauen darauf auf und verfeinern das Ergebnis.
HINWEIS
Dieser Artikel ersetzt keine aerztliche Beratung. Der errechnete Geburtstermin ist ein statistischer Richtwert. Den verbindlichen Termin legt deine Frauenaerztin oder dein Frauenarzt fest, in der Regel nach dem Frueh-Ultraschall.
Stand: Juni 2026. Wir aktualisieren diesen Artikel regelmäßig.



