Warmer Wandkalender mit markiertem Datum und Tasse Tee, Symbol fuer die Berechnung des Geburtstermins

Die Naegele-Regel: so wird dein Geburtstermin berechnet

Wie kommt der errechnete Geburtstermin (ET) zustande? Dahinter steckt eine einfache Rechnung aus dem 19. Jahrhundert: die Naegele-Regel. Sie zählt vom ersten Tag deiner letzten Periode 280 Tage weiter, also 40 Wochen. Diese 280 Tage sind die durchschnittliche Dauer einer Schwangerschaft, gerechnet ab dem Zyklusbeginn.

Der ET ist dabei ein Stichtag, kein Versprechen. Er liegt rechnerisch bei 40+0 Schwangerschaftswochen, also nach 40 vollendeten Wochen. Die meisten Babys kommen in einem Fenster rund um diesen Tag zur Welt, nicht punktgenau an ihm.

So funktioniert die Naegele-Regel Schritt für Schritt

Die klassische Formel braucht nur ein Datum: den ersten Tag deiner letzten Regelblutung. Von dort aus rechnest du in drei Schritten.

  1. Nimm den ersten Tag der letzten Periode.
  2. Zähle 7 Tage dazu.
  3. Ziehe 3 Monate ab und zähle 1 Jahr dazu.

Ein Beispiel: Deine letzte Periode begann am 1. März 2026. Plus 7 Tage ergibt den 8. März. Minus 3 Monate führt zum 8. Dezember 2025. Plus 1 Jahr ergibt den voraussichtlichen Geburtstermin am 8. Dezember 2026. Weil Kalendermonate unterschiedlich lang sind, kann diese Kalenderformel um wenige Tage von einer reinen 280-Tage-Zählung abweichen.

Warum plus 7, minus 3, plus 1 Jahr?

Die Kurzformel sieht willkürlich aus, ist aber nur ein Rechentrick für genau 280 Tage. Drei Monate zurück und ein Jahr vor entsprechen zusammen neun Monaten nach vorn. Die neun Kalendermonate ergeben im Schnitt rund 273 Tage. Die 7 zusätzlichen Tage füllen den Rest auf 280 Tage auf.

RechenschrittBedeutung
Minus 3, plus 1 Jahr9 Monate vor
9 Kalendermonaterund 273 Tage
Plus 7 Tageauffüllen auf 280

Der Umweg über Monate spart das mühsame Tageszählen. Statt 280 Tage einzeln durchzugehen, springst du mit ganzen Monaten und korrigierst mit einer Woche. Heraus kommt derselbe Tag, den auch ein Kalender oder ein Rechner ausspuckt.

Warum ab der letzten Periode und nicht ab der Zeugung?

Der Eisprung und damit die Befruchtung liegen bei einem typischen 28-Tage-Zyklus etwa 14 Tage nach dem ersten Tag der Periode. Die eigentliche Schwangerschaft dauert ab Befruchtung rund 266 Tage. Da der genaue Eisprung-Tag aber selten bekannt ist, rechnet die Naegele-Regel ab dem gut merkbaren ersten Periodentag.

BezugspunktDauer bis zur GeburtEntspricht
Erster Tag letzte Periode280 Tage40 Wochen
Eisprung / Befruchtung266 Tage38 Wochen
Differenz14 Tage2 Wochen

Deshalb bist du rechnerisch schon in der 3. Schwangerschaftswoche, wenn die Befruchtung gerade erst stattgefunden hat. Die ersten zwei Wochen der Zählung waren überhaupt noch keine Schwangerschaft.

Zyklus-Korrektur bei nicht-28-Tage-Zyklus

Hast du einen regelmäßigen, aber längeren oder kürzeren Zyklus, lässt sich die Naegele-Regel anpassen. Die erweiterte Formel rechnet die Abweichung von 28 Tagen einfach mit ein.

  • Längerer Zyklus: bei 32 Tagen liegen 4 Tage über dem Standard. Du addierst diese 4 Tage zum errechneten Termin.
  • Kürzerer Zyklus: bei 25 Tagen liegen 3 Tage unter dem Standard. Du ziehst diese 3 Tage vom Termin ab.
  • Faustregel: ET nach Naegele plus oder minus (Zykluslänge minus 28 Tage).

Der Grund: ein längerer Zyklus bedeutet meist einen späteren Eisprung. Die Befruchtung findet dann später statt, also kommt auch das Baby rechnerisch etwas später. Diese korrigierte Variante heißt auch erweiterte Naegele-Regel.

Die Konzeptionsvariante: rechnen ab dem Eisprung

Kennst du deinen Eisprung oder Zeugungstag genau, etwa durch Zyklus-Tracking, einen Ovulationstest oder eine künstliche Befruchtung, kannst du direkter rechnen. Dann zählst du ab dem Befruchtungstag 266 Tage weiter.

Diese Konzeptionsvariante ist genauer, weil sie die individuelle Zykluslänge umgeht. Sie setzt voraus, dass der Zeitpunkt der Befruchtung wirklich bekannt ist und nicht nur geschätzt. Bei einer künstlichen Befruchtung wird der Termin auf Basis des dokumentierten Transfertags berechnet, wobei das Alter des übertragenen Embryos mit eingerechnet wird.

Wie oft stimmt der errechnete Termin?

Die Naegele-Regel liefert einen guten Ausgangswert, aber keine Garantie. Nur ein kleiner Teil der Babys kommt genau am ET zur Welt. Als termingerecht gilt medizinisch eine Geburt zwischen 37+0 und 41+6 SSW; ab 42+0 SSW spricht man von einer Übertragung, ab 41+0 SSW wird eine Einleitung besprochen.

Zeitpunkt der GeburtAnteil etwa
Genau am errechneten Tagrund 4 Prozent
Im Fenster ± 2 Wochenrund 90 Prozent
Mehr als 2 Wochen früheretwa 8 bis 9 Prozent
Mehr als 2 Wochen späterselten, etwa 1 Prozent

Der per Periode berechnete Termin wird beim ersten Termin oft durch einen Frühultraschall überprüft. Weicht die Messung deutlich ab, kann der ET korrigiert werden. Mehr dazu liest du im Beitrag, wie genau der errechnete Geburtstermin ist, und wie die Ultraschall-Korrektur funktioniert.

Häufige Fragen

Die Fragen, die zur Naegele-Regel am häufigsten gestellt werden.

Erster Tag der letzten Periode plus 7 Tage, minus 3 Monate, plus 1 Jahr. Das ergibt den voraussichtlichen Geburtstermin. Rechnerisch entspricht das dem ersten Periodentag plus 280 Tage, also vollen 40 Schwangerschaftswochen.

Vom ersten Tag deiner letzten Regelblutung. Nicht vom letzten Tag der Periode und nicht vom Eisprung. Von diesem ersten Tag aus werden 280 Tage gezählt, das sind volle 40 Schwangerschaftswochen.

280 Tage entsprechen 40 Wochen oder rund 9 Kalendermonaten plus ein paar Tage. Die Schwangerschaft wird in der Medizin in Wochen gezählt, weil das präziser ist als die unterschiedlich langen Kalendermonate. Gerechnet wird ab dem ersten Tag der letzten Periode.

Bei einem regelmäßigen, aber nicht-28-tägigen Zyklus rechnest du die Abweichung dazu oder ziehst sie ab. Bei stark schwankenden Zyklen ist die Naegele-Regel ungenau. Dann ist der Frühultraschall in den Wochen 8 bis 12 die verlässlichere Methode, um den Termin festzulegen.

Der Zeugungstag liegt bei einem 28-Tage-Zyklus etwa 14 Tage nach dem ersten Tag der letzten Periode. Vom errechneten Geburtstermin aus gerechnet liegt die Befruchtung rund 266 Tage davor. Beides bleibt eine Schätzung, weil der genaue Eisprung selten bekannt ist.

Nur etwa 4 von 100 Babys kommen exakt am errechneten Tag. Der ET ist ein statistischer Mittelwert. Rund 90 Prozent der Geburten liegen im Zeitraum von etwa zwei Wochen vor bis zwei Wochen nach dem errechneten Termin. Das ist völlig normal und kein Grund zur Sorge.

Franz Karl Naegele war ein deutscher Geburtshelfer und lehrte im 19. Jahrhundert in Heidelberg. Die nach ihm benannte Regel ist bis heute die Grundlage der Termin-Berechnung. Moderne Rechner nutzen diese Regel; der Frühultraschall kann den Termin anhand der Embryogröße überprüfen oder korrigieren.

HINWEIS

Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung. Der errechnete Geburtstermin ist ein statistischer Richtwert. Den medizinisch verwendeten Termin bestätigt oder korrigiert deine Frauenärztin oder dein Frauenarzt, in der Regel nach dem Frühultraschall.

Stand: Juni 2026.